Eingriffe gegen den Kormoran

  • Gavino Strebel
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kormoranIm internationalen Vogelschutzgebiet Fanel am Südostufer des Neuenburgersees wurden vor Jahren zwei künstliche Inseln aufgeschüttet, mit dem Ziel seltenen Vogelarten Brutplätze zu bieten. Mittlerweilen brüten 259 der 389 Komoran-Brutpaare am Neuenburgersee auf den Inseln. Die Kantone Waadt, Neuenburg und Freiburg haben beim Bundesamt für Umwelt am 15. März 2010 ein Gesuch um Eingriffe an den Kormorannestern und Gelegen auf der Neuenburger Insel gestellt, da sie behaupten die Kormorane würden Fische in den Netzen der Berufsfischer fangen und dadurch Schäden verursachen.

Das BAFU hat dieses Gesuch am 25. März 2010 bewilligt. Die Wildhut-Behörden der gesuchstellenden Kantone dürfen versuchsweise am seeseitigen Ufer der Neuenburger Insel Zäune montieren, die letztjährigen Nester entfernen und bereits gelegte Eier mit Öl behandeln um deren Reifung zu stoppen. Die Bewilligung ist befristet gültig bis Ende 2011. Gemäss BAFU, gelte es vor allem herauszufinden, ob die Massnahme Netzschäden der Berufsfischerei vermindert.

Da die Nist- und Brutzeit Ende März beginnt und die Kantone die Massnahmen rasch umsetzen müssen, wenn sie den gewünschten Effekt haben sollen, hat das BAFU allfälligen Rekursen gegen seine Verfügung die aufschiebende Wirkung entzogen. Wie der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz schreibt, verschweigt das BAFU jedoch, dass das Bundesverwaltungsgericht diese aufschiebende Wirkung bereits wieder hergestellt hat. Das heisst, dass bis zum Ende der Rekursfrist Ende April und bis zur Behandlung der zu erwartenden Beschwerden keine Eingriffe an der Kormorankolonie getätigt werden dürfen.

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz ist der Meinung, dass gerade beim international bedeutendsten Schutzgebiet der Schweiz solche Eingriffe sehr genau abzuklären sind. Gemäss Bewilligung kann während zwei Jahren ohne Beschränkung in der gesamten Kolonie auf der Neuenburgerinsel eingegriffen werden. Es geht also keineswegs um einen Versuch an einer beschränkten Anzahl Nester. Insbesondere muss genau abgeklärt werden, ob die Ziele und deren Begründungen sowie die Auswirkungen der Massnahmen auf das Schutzziel mit den gesetzlichen Grundlagen übereinstimmen. Der Schweizer Vogelschutz SVS wird bis Ende April entscheiden, ob er Beschwerde einlegen wird.

BAFU

Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz

3 Kommentare

  • Steinmann

    Betrifft Heckenpflege.

    Ich höre viel Radio im Auto. Unter anderem verschiedentlich ist von Natur- + Vogelschutzschutz-Themen zu hören. Vorallem wegen fehlenden Nistplätzen in den Hecken.
    Da habe ich schon meine Probleme mit der ökologischen Heckenpflege in unserer Gegend. Da werden doch schöne 2m hohe Hecken einfach mit einer Maschine auf 50cm heruntergeschlagen. Da begreif ich, dass da keine Vögel mehr Platz haben. Zum anderen schmerzt mir das Herz, wenn ich diese Büsche anschauen muss.
    Anderes Beispiel. Vor einigen Jahren wurden die Autobahnböschungen als ökologischwertvolle Grünflächen überall in der Presse hochgepriesen. Heute stelle ich fest, dass alle Büsche die 1m hoch sind, am Boden geschnitten werden. Es macht mich rasend, wie ich da hilflos sehen muss wie die Natur mishandelt wir. Ich bin auch der Meinung, das das mit Sicherheit auf der Strasse nichts zu tun hat.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Verschiedenen Aemter nicht miteinander arbeiten und jeder sein eigenes Gärtchen pflegt.
    So Vogelschutz, Naturschutz, Autobahn-Werkhof, Gemeindebauämter etc.

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  • Sämi

    eh? Bundesamt für oder gegen Umwelt????

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  • Sebastian Meyer

    Schutzgebiet für wen? Abschüsse und Störungen in Schutzgebieten find ich völlig daneben!

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