Sind die Raupen der Grossen Wachsmotte (Galleria mellonella) die Lösung für unser Plastikproblem? | © USGS Bee Inventory and Monitoring Lab [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Sind die Raupen der Grossen Wachsmotte (Galleria mellonella) die Lösung für unser Plastikproblem? | © USGS Bee Inventory and Monitoring Lab [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Eine kleine Raupe mit grossem Appetit auf Plastik

  • Mélanie Guillebeau
  • 2

Glück muss man haben… Die Wissenschaftlerin Federica Bertocchini hat zufällig beobachtet, dass die Raupen der Grossen Wachsmotte Plastik fressen und umsetzen können. Diese Entdeckung könnte sich als Lösung für das allgegenwärtige Plastikproblem entpuppen.

Der jährliche weltweite Verbrauch von Plastiktüten beläuft sich auf über eine Billion, wovon mehr als jede Dritte nach kurz währendem Gebrauch ihr übriges Leben auf der Mülldeponie fristet. Dort verschmutzen sie die Umwelt, oder noch schlimmer, gelangen über Umwege in unsere Ozeane, wo sie zur Todesfalle der tierischen Bewohner werden. Mit der Erwartung eine Qualle zu erbeuten, machen Wale, Schildkröten oder Vögel Jagd auf die Plastiktüten und verenden qualvoll. Mit der Verbannung von Plastiktüten in manchen Ländern wurden erste Massnahmen ergreifen, doch leider ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Bienen-Schädlinge könnten sich nützlich machen

Wie das Online-Portal Treehugger berichtet, scheint sich nun Hilfe von unerwarteter Seite anzubahnen. Bisher als Schädling bei Imkern bekannt, scheinen die Raupen der Grossen Wachsmotte (Galleria mellonella), Plastik im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern zu haben. Diese Entdeckung hat Hobby-Imkerin und Wissenschaftlerin Federica Bertocchini gemacht, als sie die Raupen eines Tages aus ihrem Bienenstock entfernt und in einem Plastiksack verstaut hat – mit der Absicht die gefrässigen Raupen später zu entsorgen.

Die Grosse Wachsmotte legt ihre Eier in Bienenstöcken, wodurch das Volk Schaden nehmen kann. | © Maja Dumat [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Grosse Wachsmotte legt ihre Eier in Bienenstöcke, wodurch das Volk Schaden nehmen kann. | © Maja Dumat [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Hundert Raupen fressen 96 Milligramm Plastik in 12 Stunden

Nur 40 Minuten später haben sich einige der Raupen den Weg durch das Plastik und in die Freiheit gefressen. Nach weiteren 12 Stunden glich der ursprüngliche Plastiksack einem mit Löchern durchsäten Emmentaler. Erstaunlich ist dabei, dass die Raupen in der Lage waren, das Plastik zu verdauen. So haben Nachforschungen ergeben, dass die Raupen das Polyethylen, die häufigste Kunststoffart, in Ethylenglycol, ein als Kühlmittel bekannter Stoff, umwandeln können. Auf diese Weise haben rund hundert Raupen 96 Milligramm Plastik in nur einem halben Tag vertilgt.

100 Wachswürmer und 12 Stunden Zeit: Das Resultat waren 92 Milligram. | © Bombelli Current Biology 2017 27, R292-R293 DOI: (10.1016/j.cub.2017.02.060)
Ca. 100 Wachswürmer und 12 Stunden Zeit: Das Resultat waren 92 Milligramm gefressenes Plastik. | © Bombelli Current Biology 2017 27, R292-R293 DOI: (10.1016/j.cub.2017.02.060)

Die Wissenschaftler vermuten, dass Polyethylen eine ähnliche Struktur wie das Hauptnahrungsmittel der Raupen, Bienenwachs, aufweist und in der Folge die Verdauungsenzyme der Raupen imstande sind, beide Stoffe zu zersetzen.

„Bienenwachs ist ein Polymer, gar eine Art „natürlicher Plastik“, und hat chemische Strukturen, die denen von Polyethylen nicht unähnlich sind“, erläutert Bertocchini, die Entdeckerin und Co-Autorin der publizierten Studie.

Weit effizienter als bisherige „Plastik-Liebhaber“

96 Milligramm mögen angesichts der stetig wachsenden Plastikberge gering erscheinen, doch die Raupe ist bisher der erste Organismus mit solch einem ausgeprägten Appetit auf Plastik. So wurden zum Beispiel im Vorfeld Mehlwürmer entdeckt, die Styropor abbauen können, jedoch mit einer geringeren Fressrate.

Die Vision der Forscher: Sie möchten das Verdauungsenzym der plastikhungrigen Raupe isolieren und in grossem Stil herstellen – damit besässen sie die ultimative chemische Waffe gegen Plastik.

Die StudiePolyethylene bio-degradation by caterpillars of the wax moth Galleria mellonella“ von Bombelli, Howe & Bertocchini wurde bei Current Biology publiziert. 

2 Kommentare

  • Ursula

    Eine Entsorgung mit diesen Raupen könnte einen sorglosen Umgang mit Plastik rechtfertigen. Aber Müll bleibt Müll!
    Was, wenn sich die Raupen unkontrolliert ausbreiten könnten und zum Beispiel Appetit auf Schutzfolien und anderes bekommen würden?

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  • Sylvia

    Ich weiß ja nicht, ob das die Probleme langfristig löst. Zudem wäre es viel effizienter den Kunststoff wieder zu recyceln und etwas neues und unschädliches daraus zu machen. Schädlinge damit zu versorgen, finde ich nicht nachhaltig.

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