Plastikmüll, Strand, Meer

Ein Meer voller Plastik

  • Nora Kieselbach
  • -

Mit bereits über 8500 Eintritte in den ersten vier Wochen und ausbuchten Workshops verzeichnet die Ausstellung „Endstation Meer?“ (siehe Kalender) in Zürich ein grosses Echo! Im Museum für Gestaltung geht es noch bis am 23. September um Plastik und darum, was der Mensch damit anstellt, wenn er es nicht mehr braucht. Er wirft es weg und vieles davon gelangt ins Meer – mit verheerenden Folgen! Journalist Jürg Lehmann hat via Inforsperber.ch die Zahlen und Fakten zur Plastikmüll-Apokalypse zusammengetragen:

• Pro Sekunde werden weltweit 8000 Kilo Kunststoffe hergestellt.

• Synthetisch hergestellte Kunststoffe werden aus Erdöl, Kohle oder Erdgas gewonnen. Insgesamt werden 4 Prozent der globalen Öl- und Gasproduktion dafür verwendet.

• Kunststoffe lassen sich durch das Beimischen von Zusatzstoffen, sogenannten Additiven, modifizieren und den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Bei einigen der Stoffe gibt es happige Bedenken bezüglich Gesundheit (Krebs) und Umwelt.

• Als besonders problematisch gelten gewisse Phtalate (Weichmacher), Bisphenol A und verschiedene Flammschutzmittel.

• Herkömmliche Kunststoffe sind biologisch nicht abbaubar.

• Weltweit werden jährlich über 250 Millionen Tonnen Plastik produziert.

• Pro Kopf und Jahr beträgt der Plastikverbrauch global 35 Kilo; in Westeuropa sind es 92 Kilo; in der Schweiz 120 Kilo. Der grösste Teil sind Verpackungen (ein Drittel Industrie, zwei Drittel Haushaltungen)

• Pro Jahr werden weltweit 600 Milliarden Plastiktüten hergestellt. Das sind 20 000 Stück pro Sekunde. Jeder in Europa braucht 500 Plastiktüten pro Jahr.

• Plastikmüll verschmutzt über Jahrzehnte bis Jahrhunderte die Umwelt. Im Wasser werden die Teile in immer kleinere Stücke aufgebrochen. Sie gelangen auf diese Weise in die Nahrungskette und wieder auf unsere Teller.

• Über 6 Millionen Tonnen Plastikmüll kommen schätzungsweise jährlich in die Meere. 80 Prozent dieser Abfälle wird über die Flüsse vom Land ins Meer geschwemmt.

• 70 Prozent des Mülls sinkt auf den Meeresboden, 15 Prozent treibt auf der Oberfläche, weitere 15 Prozent des Schwemmguts landet irgendwann an den Küsten.

• Textilien aus synthetischen Fasern oder speziell aus Fleece verlieren bei jedem Waschgang bis zu 1’900 Kunststofffasern. Gleiches gilt für Peelingprodukte, die oft Plastikkügelchen aus Polyethylen enthalten. Diese Partikel passieren die Kläranlagen und gelangen ungefiltert ins Wasser.

• Es gibt keinen Quadratkilometer Meerwasser mehr, der frei ist von Plastikteilen. Mikroplastik ist ein zentraler Teil des Problems. Diese Mikropartikel (kleiner als 5 mm) gelangen auf unterschiedlichen Wegen in die Meere. Neben dem Zerfall von Plastik durch Reibung und UV-Strahlung, sind Plastikpellets, die als Rohstoff für die Herstellung von Kunststoffprodukten dienen, ein gewichtiger Anteil dieser Müllsorte.

• In den Weltmeeren rotieren fünf gigantische Plastikmüllstrudel; zum Beispiel der „Great Pacific Garbage Patch“: Die Strömungen im nördlichen Pazifik verlaufen so, dass früher oder später jedes schwimmende Objekt, das von den Küsten Japans Chinas, Russland, Koreas, den USA und Kanadas ins Meer gelangt, in Hawaii stranden könnte – auch Schwemmgut aus der AKW-Katastrophe von Fukushima.

• Geschätzte Abbauzeiten von Schwemmgut: Papiertuch 2-4 Wochen; Zeitung 6 Wochen; Kartonverpackung 2 Monate; Milchkarton 3 Monate; Zigarettenkippe 1-5 Jahre; Wollsocken 1-5 Jahre; Plastiktüte 10-20 Jahre; Styroporbecher 50 Jahre; Konservendose 50 Jahre; Schaumstoffboje 50 Jahre; Aludose 200 Jahre;. Sixpackringe 400 Jahre; Einwegwindel 450 Jahre; Plastikflasche 450 Jahre; Angelschnur 600 Jahre;

• Tiere verwechseln Plastikstücke oft mit Nahrung. Vögel fressen PET-Flaschendeckel, Feuerzeuge und Plastikbruchstücke. In toten Schildkröten wurden markant viele Überbleibsel von Plastiktüten gezählt.

• Planktonfressende Organismen nehmen mit ihrem Futter auch Mikroplastik auf. Untersuchungen von Wasserproben aus dem Nordpazifik ergaben, dass in der oberen Meerwasserschicht stellenweise 46mal mehr Plastik als Plankton vorkommt.

• 95 Prozent aller verendeter Eissturmvögel haben Plastik in ihren Mägen.

• Nach Schätzungen sterben jährlich zwischen 50’000 und 90’000 Seebären (Robbenart), weil sie sich im Müll verfangen. Von über 260 Tierarten ist bekannt, dass sie sich im Müll verfangen oder ihn fressen.

• Sind Biokunststoffe eine Alternative zu konventionellen Kunststoffen? Mit steigendem Erdölpreis sind biobasierte Kunststoffe für die Industrie interessant. Aber sie werden kritisch beurteilt, weil das Ausgangsmaterial der Nahrungsmittelproduktion entzogen wird. Über den ganzen Lebenszyklus hinweg schneiden sie zudem ökologisch nicht unbedingt besser ab als erdölbasierte Kunststoffe.

• In Frankreich, China und Indien sind Plastiktüten inzwischen generell oder in der leichten Version verboten. In Hawaii tritt das Verbot als erstem US-Staat 2015 in Kraft.

• In der Schweiz werden PET-Flaschen recycliert. Dahinter kommt fast nichts. Jetzt nimmt die Migros einen Anlauf (naturschutz.ch berichtete). Bis Ende 2013 will sie neben PE-Milchflaschen auch alle anderen Plastikflaschen zurücknehmen, also Shampoo-, Duschgel-, Putz- und Waschmittelflaschen Sie rechnet mit zusätzlichen 2’000 Tonnen Plastik pro Jahr. Konkurrent Coop macht nicht mit.

Weitere Informationen

Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt

Bild: Andy Waddington [CC-BY-SA-2.0] via Wikimedia Commons

 

Beitrag kommentieren