Ein Traktor fährt über den Acker und spritzt Pestizide.
Der Bund will die Wirkstoffe Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl verbieten. © Maxmann, via pixabay

Bund will schädliches Pestizid verbieten

  • Redaktion Naturschutz
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Nach langem Hin und Her hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) endlich entschieden, alle zwölf Bewilligungen für Pestizide mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl zu widerrufen. Das in der Landwirtschaft eingesetzte Gift kann bei Embryonen und Kleinkindern das Gehirn schädigen. Und es ist hochtoxisch für Insekten, Vögel und Wassertiere.

Dieser Schritt war laut WWF Schweiz und Greenpeace Schweiz längst überfällig, die sich jahrelang für ein Verbot von Chlorpyrifos eingesetzt. Der Entscheid des BLW bewirkt, dass neun dieser Pestizide unverzüglich vom Markt genommen werden. Drei weitere dürfen noch während zwölf Monaten verkauft werden. Landwirte dürfen vorhandene Lagerbestände während zwölf Monaten aufbrauchen. Vom Rückzug betroffen sind total 26 Produkte. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Firmen haben 30 Tage Zeit für eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht.

Alltägliches Gift in der Landwirtschaft

Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl wurden in den 1960er-Jahren auf den Markt gebracht. Sie zählen weltweit bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden. Damit wurden während Jahrzehnten unter anderem Kartoffeln, Gemüse, Beeren und Weintrauben gespritzt. In der Schweiz wurden die Wirkstoffe in den letzten fünf Jahren in Mengen von 10’000 bis 15’000 Kilogramm pro Jahr in die Umwelt gebracht.

Die wissenschaftlichen Grundlagen sind unbestreitbar: Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl haben eine ähnliche Struktur wie gewisse chemische Kampfstoffe (Nervengase). Sie sind äusserst giftig für Vögel, Säugetiere, Fische, Amphibien, Insekten und namentlich auch alle Arten von Bienen und Hummeln. Die Wirkstoffe töten zudem das Leben im Boden und schädigen unsere eigene Ernährungsgrundlage. Dazu kommt, dass die Stoffe sehr gefährlich für den Menschen sind: Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass der Wirkstoff während einer Schwangerschaft zu Hirnschäden beim ungeborenen Kind führen kann.

Entscheid ist richtig, reicht aber bei weitem nicht

Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF Schweiz haben sich für das Verbot von Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl eingesetzt. Sie forderten, dass sämtliche Pestizide mit den beiden hochgefährlichen Wirkstoffen nicht mehr in die Umwelt ausgebracht und unverzüglich vom Markt genommen werden. Der Rückzug ist richtig und zu begrüssen. «Die Aufbrauchfrist von einem Jahr ist allerdings unnötig und angesichts der Toxizität der Substanzen nicht nachvollziehbar», sagt Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft von WWF Schweiz. «Auch nach diesem Verbot sind Dutzende von vergleichbaren hochgiftigen Pestiziden frei zugänglich für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Unterhaltsdienste», sagt Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace Schweiz. Auch diese verursachen das Insekten- und Vogelsterben mit, gefährden die Bodenfruchtbarkeit und sind giftig für den Menschen. Greenpeace und WWF Schweiz fordern ein konsequentes Verbot solcher Pestizide.

5 Kommentare

  • Ruth Ehrenbold

    Ich bin empört, dass das erst jetzt geschieht! Vor Jahren hatten wir mehrere Fälle von Massensterben in Fledermausquartieren, bei denen Wespengift mit dem Inhaltsstoff Chlorpyrifos angewendet wurde. In jedem Fall waren es Storenkästen von Wohnräumen (in einem Fall betraf es das Zimmer eines Neugeborenen). Unsere Bemühungen (die Fälle gingen bis zum BAFU) führten zwar dazu, dass der betreffende Schädlungsbekämpfer das Produkt sofort aus dem Verkehr ziehen musste. Dass, obwohl man spätestens jetzt wusste, dass Chlorpyrifos auch toxisch für Säugetiere ist, der Wirkstoff auch weiter angewendet werden darf, finde ich skandalös! Ebenso skandalös finde ich jetzt, dass Restbestände noch aufgebraucht werden dürfen. Zurück zum Hersteller und zwar sofort!!!!!

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  • Ursina Vonzun-Auer

    Endlich !!!!!

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  • Dominik Scheibler

    Die Menschen sparen mit billigen (aber giftigen) Nahrungsmitteln und bezahlen das x-fache via Gesundheitskosten (Krankenkassenprämien). Die Investoren verdienen doppelt: Am Gift und am Gesundheitssystem. Einer der Investoren ist wiederum die Pensionskasse dieser Menschen. Krankes (krankmachendes) System

    Es würde auch anders gehen: Konsequent Bio kaufen und das Geld nachhaltig anlegen würde einen Unterschied machen. Würden dies alle machen könnten wir die Krankenkassenprämien mittelfristig senken, die Gesundheit im Alter verbessern, der Natur wieder eine Chance geben und viel Leid vermeiden.

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  • Marie-Louise Habegger

    Während ich den Bericht gelesen habe, dachte ich, das darf doch wohl nicht wahr sein!
    Was hindert den Bund daran, endlich Klartext zu sprechen und sämtliche Pestizide mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl zu verbieten und zwar subito???
    Einige Mittel werden zurückgezogen, doch Lager dürfen noch ein Jahr lang benutzt und 3 dieser todbringenden Pestizide ein weiteres Jahr lang verkauft werden.
    12 weitere Monate, in denen unsägliches Leid stattfindet, Bienen, Insekten und Vögel sterben müssen, aber auch Babys unschuldige ungeborene Kinder mit Hirnschäden zur Welt kommen können! Was für ein Hohn!!!
    Was geschieht, wenn solche Kinder später eine Entschädigung fordern? Wer wird dafür aufkommen? Die Firmen, welche diese Mittel herstellen? Oder die, die sie verwenden? Diese Frage sein einfach mal in den Raum gestellt.
    Und wie sieht es bei uns allen aus? Sind diese Stoffe, die als Kampfstoff, so genanntes Nervengas, genutzt werden können, nicht auch krebserregend??? Jedenfalls fördern sie unsere Gesundheit mit Gewissheit nicht!
    Diese Mittel gehören sofort verboten, ohne wenn und aber!
    Ich wünsche den zuständigen Personen des Bundes den Mut, endlich mal für die einzustehen, die sich am wenigsten wehren können, nämlich die Lebewesen der Natur sowie unsere ungeborenen Kinder!

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    • Ines Schauer

      danke marie! griessli ines


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