© Roman Vonwil
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Ecopop: Das Nein der Umwelt- und Naturschutzorganisationen

  • Roman Vonwil
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Am 30. November 2014 kommt die Ecopop-Initiative zur Abstimmung. Durch eine Beschränkung der Zuwanderung in die Schweiz und einen grösseren Fokus der Entwicklungshilfe auf die Familienplanung soll das Bevölkerungswachstum in der Schweiz und weltweit verlangsamt und damit die Zerstörung der Umwelt gebremst werden. Die grossen Schweizer Umwelt- und Naturschutzorganisationen unterstützen die Initiative nicht, da sie die falschen Ansätze verfolge und schliesslich auch wirkungslos sei.

Der Verein Ecopop hat sich zum Ziel gesetzt, „die Lebensgrundlagen und die Lebensqualität in der Schweiz und weltweit auch für kommende Generationen zu erhalten“. Und fokussiert dabei auf den Faktor Bevölkerungsgrösse. Denn eine grössere Anzahl Menschen belaste auch die Umwelt stärker. Mit der aktuellen Ecopop-Initiative, über die am 30. November 2014 abgestimmt wird, will der Verein seinen Zielen ein Stückchen näher kommen: Gegen eine Überbevölkerung der Schweiz soll die Zuwanderung im Vergleich zu heute um einen Drittel reduziert werden, und gleichzeitig soll die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit künftig 10% ihrer Mittel für die Förderung der freiwilligen Familienplanung einsetzen. Damit soll laut den Initianten_innen das Bevölkerungswachstum verlangsamt und später stabilisiert werden, was die Zerstörung der Umwelt in der Schweiz und weltweit bremsen soll.

Die Initiative greift ein Thema auf, das auch den Umwelt- und Naturschutzorganisationen auf dem Herzen liegt. Der heutige Ressourcenverbrauch der ganzen Menschheit liegt weit über dem, was die Erde durch natürliche Prozesse regenerieren kann. Dies zeigt zum Beispiel der kürzlich erschienene Living Planet Report 2014 des WWF. Gerade die Schweizer_innen leben über ihre ökologische Verhältnisse: Würden alle Menschen den gleichen Lebensstandard haben wie wir hier in der Schweiz, wären die Ressourcen von 3 Planeten nötig. Und neben den globalen ökologischen Krisen bekämpfen die Umwelt- und Naturschutzorganisationen auch die in der Schweiz lokal auftretenden Umweltprobleme wie die Zersiedlung der Landschaft, welche Ecopop mit einer Zuwanderungsbeschränkung lösen möchte.

Trotzdem unterstützen die grossen Schweizer Umwelt- und Naturschutzorganisationen die Ecopop-Initiative nicht. Der Delegiertenrat von Pro Natura hat im August sehr deutlich Nein zur Ecopop-Initiative gesagt. Der WWF Schweiz äusserte eine ablehnende Haltung. So teile der WWF Schweiz zwar laut einem kurzen Standpunkt zur Ecopop-Initiative grundsätzlich die Sorgen des Vereins. Trotzdem hält er die Initiative aber für ökologisch wirkungslos. Denn für den zu hohen Ressourcenverbrauch seien Landesgrenzen irrelevant. So spiele es aus Umweltsicht keine Rolle, in welchem Land eine Person zu viele Ressourcen verbrauche. Der WWF Schweiz kritisiert zudem, dass die Initiative im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit auf die falschen Massnahmen setze. Nicht der bessere Zugang zu Verhütungsmitteln sondern eine Reduktion der Armut führe zu sinkenden Kinderzahlen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Auch Greenpeace Schweiz distanzierte sich klar von Ecopop. „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass die Zerstörung der Biosphäre auf die von Ecopop beklagte „Überbevölkerung“ zurück zu führen ist,“ findet Verena Mühlberger, Co-Geschäftsführende bei Greenpeace Schweiz. „Nichts deutet darauf hin, dass das Schwinden von unberührter Natur in diesem Land mit der Einwanderung in einem engen Zusammenhang steht. Es sei denn, dass diese Menschen vielleicht zu jenem Wohlstand beigetragen haben, mit dem wir Einheimischen immer mehr Pro-Kopf-Wohnraum, immer mehr Konsum, immer mehr Mobilität finanzieren.“ Ecopop biete daher nur eine Scheinlösung, mit der wir in der Schweiz noch eine Weile einen idyllischen „Nationalpark des Wohlstands“ erhalten können, die aber schlussendlich echte Lösungen verhindere.

Der SVS/BirdLife Schweiz hat zur Initiative keine Stellung bezogen.

Die Organisationen aus dem umwelt- und naturschützerischen Bereich kritisieren somit in erster Linie die Ansätze, die der Verein Ecopop mit seiner Initiative verfolgt. Weder sei der Schutz der Natur und Umwelt mit einer Beschränkung der Zuwanderung wirkungsvoll zu gewährleisten, noch führen die vorgesehen entwicklungspolitischen Massnahmen zu einer tatsächlichen Reduktion des globalen Bevölkerungswachstum. Eine Entwicklungspolitik, die auf das Ende der Armut und eine gerechtere globale Verteilung der Güter hinarbeitet, und eine Umweltschutzpolitik, die darauf abzielt, den Ressourcenverbrauch pro Person zu reduzieren, sind schlussendlich die zielführenderen Methoden – und nicht zuletzt auch die gerechteren.

10 Kommentare

  • von Arx Urs

    Think Globally
    Act Locally
    Wir müssen hier bei uns anfangen!
    Wolf, Bär und Luchs hier bei uns schützen,
    nicht den Tiger in Indien!
    Hier das Wachstum und den Verbrauch senken,
    nicht auf den Rest der Welt warten!
    90% der Entwicklungsgelder dürfen immer noch zur Armutsbekämpfung benutzt werden!
    Bildung auch zur Schwangerschaftsverhütung ist aber vor allem deshalb dringend nötig, weil all die vielen christlichen Hilfswerke gegen jegliche Form der Verhütung missionieren!
    Übrigens steht es allen Gegnern, speziell den Umweltverbänden frei eine Iniative zur Ressourcenverminderung (am besten natürlich weltweit) zu starten, und ich bin überzeugt auch viele Ecopop Befürworter werden diese unterschreiben.
    Von den Umweltverbänden erwarte ich ein konsequentes Eintreten für die Umwelt, Natur und Tiere hier im Land, statt mit dem hier gesammelten Geld in armen Ländern den Propheten zu spielen und Naturschutzgebiete zu lasten der armen Bevölkerung zu gründen, welche dann zu einem Massentourismus führen. Öko-Kolonialismus!

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  • Voser Peter

    wenn sich die Populisten ein billiges Eco-Shirt überziehen, machen sie Stimmung. Schliesslich können sie auch Biodiesel tanken und mit Ökoheizöl ihre Villen heizen. Leider löst das keine Umweltprobleme. Hoffentlich kriecht das Schweizervolk ihnen nicht auf den Leim.

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  • Marianne Gehring

    Umweltbelastung und Ressourcenknappheit sind globale Probleme. Wer denkt, er könne sie lösen indem er die Schweiz abschottet, fällt auf die kleinbürgerliche „nicht in meinem Vorgarten“-Ideologie der Initiative herein. Lasst uns offen bleiben gegenüber dem Ausland und gemeinsam Lösungen für unsere Umweltprobleme finden! Übrigens, der grösste Anteil der Entwicklungshilfe wird durch ImmigrantInnen geleistet: Sie schicken regelmässig Geld in ihre Heimat und bekämpfen so die Armut, welche die eigentliche Ursache für kinderreiche Familien ist.
    Marianne Gehring

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    • Doris Elmer

      Ich sehe, du kümmerst dich immer noch um die CH – bravo! LG Doris

  • Lilo Schmid

    Ich kann mich den obigen Komentaren nur anschliessen. Wenn immer mehr Menschen in die Schweiz einwandern, brauchen sie auch immer mehr Ressourcen. Also was soll der Blödsinn mit der Ablehnung? Zudem ist es sinnvoll, in der dritten Welt das Bevölkerungswachstum mit Verhütungsmitteln einzudämmen. Ich glaube nämlich nicht, dass die armen Frauen immer wieder unter widrigsten Umständen schwanger werden möchten. Und die Männer nehmen darauf nämlich keine Rücksicht.

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  • Haab

    Zurzeit wird gebaut und gebaut, begründet mit der Zunahme der Bevölkerung durch die Zuwanderung. Die Wirtschaft setzt auf Wachstum und nimmt keine Rücksicht auf die dadurch entstehenden Problemen. Mehr Menschen, mehr Auto, mehr Abfall und mehr CO2. Die Reichen werden immer reicher (Geldgier) zu lasten des Mittelstandes. Wir sollten alles unternehmen um die Lebensqualität in unserem Land zu erhalten für unsere Nachommenden Generationen. Wir haben keine zweite Schweiz im Rucksack. Leider sind die Umweltverbände nicht fähig um unsere Probleme zu lösen.

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  • Daniel Müller

    Lüssi und Stadelmann: Die Umweltverbände liegen schon richtig in der Beurteilung dieser absurden Initiative. Diese Initiative hat mit Umweltschutz rein gar nichts zu tun und ist nur fremdenfeindlich. Hoffe sehr, dass Ecopop abglehnt wird.

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  • Hans Peter Roth

    Schliesse mich den beiden Kommentaren an. Rechnet doch mal! 100’000 Menschen pro Jahr mehr in unserem kleinen, engen Land, wo weiter jede Sekunde ein Quadratmeter Land zugebaut wird? Und das soll im Sinn der Umweltverbände sein?? Wenn die Schweiz weiter so wächst wie jetzt, leben im Jahr 2100 fast 20 Millionen Menschen in unserem Land und 2200 fast 30 Mio. Na super. Aber solche Rechnungen stellen leider auch die Klugen von den Umweltverbänden nicht an. Lieber nur kurzfristig denken; Wachstumswahn, ganz im Sinne der Wirtschafts-Turbos. Ecopop JA !

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  • Peter Lüssi

    Die ablehnende Haltung der Umweltverbände (denen ich allen als Mitglied angehöre) zur Ecopop-Initiative ist ganz und gar unverständlich. Was die Initiative verlangt, ist ökologisch völlig vernünftig, ja notwendig und sogar wirtschaftlich und sozial massvoll. Konsterniert und schwer enttäuscht liest man, wie die Umweltschutzverbände die Initiative mit den gleichen fadenscheinigen Argumenten schlecht reden, welche „die Wirtschaft“ aus reinem Profitstreben vorbringt. Und schmerzvoll muss man erkennen, dass offenbar auch der Naturschutzbund von den Wirtschaftsmächtigen in unserem Lande abhängig ist.

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  • Stadelmann M.

    Da kann man nur noch den Kopf schütteln und hoffen das die Bevölkerung waiser ist, als WWF, Pro Natura und Greenpeace. Solche Umweltverbände kann man nicht mehr ernst nehmen. Jahresbeitrag adé!

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