© Beat Hauenstein / Pro Natura
© Beat Hauenstein / Pro Natura

Eckpfeiler für eine künftige Biber-Politik

  • Roman Vonwil
  • 1

Bauern, Behördenvertreter aus Belgien und der Schweiz sowie Pro Natura skizzierten am ersten Schweizer Bibersymposium Wege zu einem konfliktfreien und gewinnbringenden Nebeneinander von Mensch und Biber in der Schweiz. Eckpfeiler der künftigen Biberpolitik sollen Biberberaterinnen und -berater, «grüne» Zonen für Biber an geeigneten Gewässern und Entschädigungen bei grossen Schäden sein.

Der Biber ist über 200 Jahre nach seiner Ausrottung definitiv wieder da. Was braucht es, dass er diesmal bleiben kann? Dieser Frage widmete sich das erste Schweizer Bibersymposium von Pro Natura und der nationalen Biberfachstelle, das am 31. Oktober 2014 stattfand. Für die nächste Stufe der Rückkehr des faszinierenden Weiden-Liebhabers brauche es einigen Effort – darin waren sich die Vertreter des Bundesamtes für Umwelt BAFU, Repräsentanten der Landwirtschaft und Naturschützer einig.

Pro Natura – mit ihrem langjährigen Naturschutzprogramm «Hallo Biber!» wichtigste private Anwältin und Förderin der natürlichen Rückkehr von «Meister Bockert» – brachte konkrete Vorschläge für die nächste Phase des Zusammenlebens mit dem natürlichen Landschaftsgestalter: Biber-Beraterinnen und –berater sollen in Kantonen mit regem Biberleben Ansprechpersonen für Gemeinden, kantonale Ämter, Landwirte und Biberinteressierte werden.

In den Schweizer Biber-Regionen konnte Pro Natura schon viel Erfahrung mit solchen Beratern sammeln. Peter Lakerveld von «Hallo Biber! Mittelland», einer von fünf regionalen Pro Natura Biber-Beratern, sagt: «Wir können bei keimenden Konflikten früh vermitteln und geeignete Lösungen vorschlagen. Mit Information bauen wir zudem Vorurteile ab.» Wenn dem Biber Platz gelassen werde, könnten die Kantone viel Geld einsparen, indem die Nager die gesetzlich vorgeschriebenen Renaturierungen von Gewässern preisgünstig und effizient an die Hand nähmen, betont Lakerveld. «Quasi als Bauleiter und Baggerführer in einem», wie er mit einem Augenzwinkern ergänzt.

Wo es zu grossen Schäden an privatem Eigentum wie Obstbäumen oder Gärten kommt und wo Wege, Strassen, Dämme oder andere Bauten in öffentlichem Interesse gefährdet sind, soll es künftig Entschädigungen geben, wenn gleichzeitig Präventionsmassnahmen ergriffen werden. Zudem sollen an gewissen Bach- und Flussabschnitten «grüne» Zonen gelten, in denen dem Biber uneingeschränkt Raum gelassen wird, um mit seinen Aktivitäten die Revitalisierung der natürlichen Gewässersysteme zu unterstützen.

Wie machen es die anderen? Den Blick sozusagen über den eigenen Biber-Damm hinaus gewährte Benoît Manet aus Belgien. In seinem Votum plädierte der Biber-Experte für vorausschauendes Management: «Gewässerrevitalisierungen, die mehr Lebensraum für den Biber schaffen, stellen eine Lösung dar, die in der Regel auch viele andere Arten fördert und das Zusammenleben mit dem Wildtier erleichtert.»

Die Biber-Verantwortliche beim Bundesamt für Umwelt BAFU, Caroline Nienhuis, präsentierte erste Vorschläge aus dem neuen Biber-Konzept des Bundes. Damit soll erreicht werden, dass die natürliche Rückkehr des Bibers eine möglichst konfliktarme Erfolgsgeschichte bleibt. Das BAFU hat Mitte Oktober auch ein Merkblatt zum Biber für die Praxis veröffentlicht, das insbesondere zeigen soll, wie bei Gewässerrevitalisierungen die Tätigkeit des Bibers zur ökologischen Aufwertung von Gewässerlebensräumen genutzt und dabei Konflikte mit ihm vermieden werden können.

1 Kommentar

  • Leonhard Schwaninger

    Während der letzten 150 Jahre hat sich unser Gewässernetz weithin in ein Kanalnetz verwandelt, in dem viele Lebewesen ausgestorben sind. Wenn Gewässer renaturiert werden, werden die Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere aufgewertet und unsere Natur bereichert. Wertvoll dabei ist, wenn dabei auch der Biber mitwirkt und Naturschützer helfen, allfällige Konflikte mit betroffenen Menschen zu lösen.

    Antworten

Beitrag kommentieren