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Dunkle Geschäfte, dreckige Gewinne

  • Daniela Cervenka
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Das westafrikanische Nigeria ist zwar führender Erdölproduzent des Kontinents, Lebenserwartung und Einschulungsrate seiner 173 Millionen Einwohner/innen liegen aber dennoch unter dem Durchschnitt der Länder südlich der Sahara. Massgeblichen Anteil am nigerianischen Rohstofffluch hat die allmächtige Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC), schreibt die Erklärung von Bern (EvB) in ihrer Medienmitteilung.

Dank exklusiven und intransparenten Partnerschaften mit der staatlichen Ölgesellschaft NNPC beherrschen Schweizer Rohstoffhandelsriesen Trafigura und Vitol über ein Viertel aller nigerianischen Ölexporte. Zählt man dazu die nigerianischen Händler mit Genfer Filiale, erhöht sich der „Schweizer“ Marktanteil auf 56 Prozent. Laut offiziellen Untersuchungsberichten wird Öl oft unter dem Marktwert verkauft.

Der Mangel an eigenen Raffinerie-Kapazitäten zwingt das erdölreiche Nigeria zudem zur Einfuhr von Benzin, Kerosin und Heizöl. Dieses paradoxe Importgeschäft wird massiv subventioniert, was zu einem der grössten Betrugsfälle in Afrikas Geschichte geführt hat: Allein von 2009 bis 2011 bezogen beteiligte Firmen 6,8 Milliarden Dollar an unrechtmässiger staatlicher Unterstützung. Die laufenden Ermittlungen der nigerianischen Finanzbehörden zeigen, dass die den Ölexport dominierenden Schweizer Händler auch umfangreiche Geschäfte mit dubiosen nigerianischen Importfirmen machen. Entsprechend stehen fünf Genfer Handelsfirmen im Zentrum eines hängigen nigerianischen Rechtshilfebegehrens an die Schweiz. Die vom EvB durchgeführte Fallstudie zeigt ausserdem, dass mindestens sieben der in diesen Grossbetrug verwickelten nigerianischen Importeure über eine Schweizer Tochtergesellschaft verfügen.

Der Fall Nigeria zeigt exemplarisch den immensen Einfluss, den die Geschäftspraktiken von Schweizer Rohstoffhändlern auf ein Entwicklungsland haben können. Parlament und Bundesrat müssen deshalb sicherstellen, dass hiesige Firmen nicht Teil von Missständen sind. Der EvB schlägt ein Dreipunkteprogramm  für mehr Transparenz und Sorgfalt vor:

  • Offenlegung der Zahlungen von Rohstoffhändlern an Regierungen, damit die Veruntreuung von Rohstoff­einnahmen durch staatliche Funktionäre (z.B. bei der NNPC) erschwert wird.
  • Schweizer Handelsfirmen müssen gesetzlich zu mehr Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Geschäftspartner und der Abklärung der Herkunft der Rohstoffe verpflichtet werden.
  • Es braucht ein öffentlich einsehbares Register der wirtschaftlich Berechtigten. So würden die Hintermänner der nigerianischen Briefkasten-Firmen in Genf sichtbar und der Korruptionsverdacht geklärt.

 

Fallstudie: Schweizer Rohstoffhändler in Nigeria (EvB)

Bild: von John Hill (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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