© Patrik Walde [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Druck der Landwirtschaft auf die Umwelt hat nicht abgenommen

  • Cécile Villiger
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Der Bundesrat kritisiert die Schweizer Landwirtschaft: Sie müsse mehr tun, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Für die meisten Umweltziele∗ in der Schweiz liegt eine Zielerreichung noch in weiter Ferne. Gleichzeitig will der Bund bei der Biodiversitätsförderung sparen, berichten Umweltschutzverbände.

Der veröffentlichte Bericht stellt der Schweizer Landwirtschaft ein schlechtes Zeugnis aus. Gab es noch merkbare Verbesserungen des durch die Landwirtschaft beeinflussten Umweltzustands zwischen 1990 und 2000, stagniert die Umweltbelastung seither auf hohem Niveau.Ungebremster Artenschwund im Schweizer Kulturland, Gewässer voller Pestizide und ein exorbitanter Import von Futtermitteln und damit Nährstoffen, die die gesamte Schweiz überdüngen: Der veröffentlichte Bericht zeichnet ein erschreckendes Bild. Der Bundesrat befürchtet sogar, dass der Druck auf die Ökosysteme durch die Landwirtschaft weiter zunehmen wird.

Zur Erreichung der gesetzlich verankerten Umweltziele in der Landwirtschaft fordern die Naturschutzorganisation Pro Natura konsequente Schritte. Besonders gefordert sind wichtige landwirtschaftliche Branchenverbände. «Das stete Beschönigen der zum Teil gravierenden Umweltbelastungen des Landwirtschaftssektors durch die Branchenverbände schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit der Landwirtschaft. Diese Haltung steht auch einer Lösung der Probleme im Weg», sagt Marcel Liner, Verantwortlicher für Landwirtschaftspolitik bei Pro Natura.

Politisch und ökologisch quer in der Land(wirt)schaft steht dagegen die Volksinitiative «für Ernährungssicherheit» des Bauernverbands, die eine weitere Intensivierung der Schweizer Landwirtschaft will. Die Initiative würde die vom Bundesrat dargelegten Probleme sogar noch verschärfen. Nicht umsonst lehnen Bundesrat, die Wirtschaftskommission des Ständerats, Umweltorganisationen und die Wirtschaftsverbände dieses Begehren klar ab.

Gleichzeitig geben Schweizer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler jährlich 2.8 Milliarden Franken allein für Landwirtschaftssubventionen aus. «Bei einem der höchsten Stützungsgrade der Welt sollte die Landwirtschaft die Umwelt schonen und nicht zerstören», sagt Daniela Hoffmann, Landwirtschaftsexpertin beim WWF Schweiz. «Erst wenn die Umweltziele Landwirtschaft erreicht sind, darf die Schweizer Landwirtschaft ihren grünen Mantel zu recht tragen».

Der Umweltverbände WWF und Pro Natura fordert eine Agrarpolitik, die sich klar an den Umweltzielen orientiert. Werden die Umweltziele weiterhin verfehlt, gefährdet das den Bestand der Produktions- und Lebensgrundlagen wie beispielsweise sauberem Trinkwasser und fruchtbaren Böden. Kurzfristig muss die ausreichende Finanzierung der Biodiversitätsförderung und eine konsequente Reduktion von Pestiziden und des Nährstoffüberschusses im Zentrum stehen.

∗ Die Umweltziele Landwirtschaft (kurz UZL) beschreiben jenen Zustand der Schweizer Umwelt, der eine langfristige Erhaltung der Ökosysteme gewährleisten soll. Wo diese nicht erreicht werden, werden die Leistungen, die die natürlich und landwirtschaftlichen Ökosysteme für unser Wirtschaften und Überleben zu Verfügung stellen, nicht auf Dauer gesichert. Die Umweltziele wurden auf der Grundlage bestehenden Rechts hergeleitet und 2008 erstmals publiziert.

1 Kommentar

  • Ferdi Projer

    Wen wundert diese Entwicklung, Gift und Antibiotika haben in der Landwirtschaft nichts verloren, das heisst verbieten und auch kontrollieren was und wie produziert wird. Produkte von Hochleistungs- Milchmonstern sind nicht gefragt und diese Tierquälerei ist eine Schande. Viel zu viele Beamte in Büros versuchen jedes Jahr die Landwirtschaft auf den Kopf zu stellen und erreicht wir nichts ausser Steuergelder verschwenden. Einfuhr von teuren Futtermitteln mit hohen Zöllen verhindern und verbieten.
    Bio Betriebe sollten für ihre kontrollierten Umwelt-Leistungen mehr unterstützt werden. Betriebe die ohne kontrollierte Bio-Label produzieren nicht mit Steuergeldern unterstützen. In Bern ist die Bauern-Lobby viel zu stark vertreten und diese Volks-Vertreter schauen nur für sich und ihre Betriebe. In der Landwirtschaft braucht es einen Richtungsswechsel zu Gunsten der Umwelt.

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