Druck auf wertvollste Landschaften nimmt zu

  • Barbara Darani
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lungernsee_ow_pixelioDie 162 Objekte des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) sind die eigentlichen Aushängeschilder der Schweizer
Landschaften. Doch diese sind bei weitem nicht genügend vor Zersiedelung und
Zerschneidung geschützt, wie eine neue Studie im Auftrag von Pro Natura und der
Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL zeigt. Der Nutzungsdruck auf die geschützten
Landschaften nimmt zudem wieder zu: Neue Höchstspannungsleitungen sowie Wasser- und Windkraftprojekte bedrängen zunehmend unsere national geschützten Landschaften.

Dringliche Schutzmassnahmen für unsere wertvollsten Landschaften sind nötig. Dies zeigt eine aktuelle Studie zum Zersiedelungs- und Zerschneidungsgrad in den BLN-Objekten (Christian Schwick 2009). Die Studie im Auftrag von Pro Natura und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL vergleicht den Landschaftszustand 1960, 1980 und 2002. Die Ergebnisse zeigen, dass der Zersiedelungsgrad (Urbanisierung und Streuung der Siedlungsflächen) und der Zerschneidungsgrad (Vorhandensein von Trennelementen wie Strassen) der Schweizer Landschaften weiter zunehmen und untragbare Ausmasse annehmen. Die BLN-Gebiete sind von dieser Entwicklung ebenfalls und teilweise sehr stark betroffen. «Das ist besorgniserregend für national geschützte Landschaften und muss den Behörden ein dramatisches Signal sein», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der SL. Zumal der Nutzungsdruck auf die wertvollsten Landschaften der Schweiz rasant zunehme.

In jüngster Zeit ist eine Zunahme von Bauvorhaben innerhalb der BLN-Objekte feststellbar. Beispielsweise soll eine neue 380 kV-Stromleitung Chippis-Mörel VS innerhalb des BLN-Objektes Pfynwald gebaut werden und im BLN-Objekt Verzasca-Tal drohen die letzten wilden Wasser durch ein Kleinwasserkraftwerk aus der Landschaft zu verschwinden. Diese Beispiele sind keine Einzelfälle. Pro Natura und die SL sind äusserst besorgt über diesen zunehmenden Druck auf unsere landschaftlichen Kronjuwelen.

BLN-Landschaften stellen auch ein unveräusserliches Kapital unseres Tourismus dar. Der Naturtourismus in der Schweiz generiert gemäss einer Studie des SECO 2.5 Milliarden Franken jährlich. Eine Abwertung dieser Landschaften käme uns, der Natur und späteren Generationen teuer zu stehen.

Die beiden Verbände fordern daher die Behörden auf, sich für den Schutz unseres
wichtigsten Landschaftserbes einzusetzen. «Vorbild könnten Deutschland und Österreich sein. Dort gelten nationale Schutzgebiete als Tabuzonen für neue Kraftwerkprojekte», so Marcus Ulber, Projektleiter Naturschutzpolitik bei Pro Natura.

Medienmitteilung
Studie

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