Lebensraumverlust und Wilderei sind die größten Gefahren für die Orang-Utans. © Fotocitizen [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Lebensraumverlust und Wilderei sind die größten Gefahren für die Orang-Utans. © Fotocitizen [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Dramatischer Rückgang von Orang-Utans auf Borneo

  • Selina Fehr
  • 2

Die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen liess die Zahl der Borneo-Orang-Utans in den letzten 16 Jahren um mehr als 100’000 Tiere sinken. Ein Hoffnungsschimmer: Laut Forschenden ist die Art anpassungsfähiger als bisher gedacht. Zudem ist die weltweite Population grösser als zuvor angenommen.

Eine Untersuchung der bislang umfassendsten Datensammlung zum Borneo-Orang-Utan kommt zum Ergebnis, dass einerseits auf Borneo ursprünglich mehr Orang-Utans lebten als bisher angenommen. Andererseits verschwinden die Tiere aber auch schneller als vermutet. Die Studie bestätigt damit die Neueinstufung des Borneo-Orang-Utans als stark gefährdete Art auf der Roten Liste der IUCN (naturschutz.ch berichtete).

Der Rückgang ist am dramatischsten in Gebieten, die abgeholzt oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt wurden, berichten die Wissenschaftler in einer Mitteilung. Überraschenderweise war jedoch der zahlenmässige Verlust von Orang-Utans am grössten in Primärwäldern und Wäldern, in denen selektiv Holz geschlagen wird. Also dort wo die meisten Orang-Utans vorkommen. Hauptgrund für den Rückgang in diesen Waldgebieten ist wohl die Verfolgung durch den Menschen. Diese töten die Tiere in Konfliktsituationen und jagen sie für Fleisch und den Haustierhandel.

Anpassungsfähige Art

Orang-Utans wurden oft als eine sehr sensible Art beschrieben, die nur unter den besten ökologischen Bedingungen überleben kann. Doch je mehr Forscher über Orang-Utans lernen, desto mehr stellen sie fest, wie widerstandsfähig und anpassungsfähig die Tiere sind. So bewegen sich Orang-Utans zum Beispiel häufiger auf dem Boden fort als bisher angenommen. Ausserdem können sie sich von Pflanzen ernähren, die ursprünglich nicht zu ihren natürlichen Nahrungsquellen gehörten, wie etwa Akazie oder Ölpalme.

Diese Verhaltensweisen ermöglichen es den Orang-Utans, auch in zerstückelten Landschaften und kleinen Waldgebieten zu überleben. So kommen sie auch in stärker degradierten Waldgebieten und sogar in einigen Plantagen vor. Die Orang-Utans sind deshalb viel weiter verbreitet als bisher angenommen. Auch gibt es insgesamt mehr Orang-Utans. Einige Populationen scheinen relativ stabil zu sein.

«Was die Orang-Utans aber nicht verkraften können, sind die hohen Tötungsraten, die wir derzeit beobachten», erklärt Ko-Autor Serge Wich von der Liverpool John Moores University.

«Orang-Utans haben nur selten und wenig Nachwuchs. Eine frühere Studie zeigt: Wenn nur einer von 100 ausgewachsenen Orang-Utans pro Jahr aus einer Population entfernt wird, stirbt diese Population sehr wahrscheinlich aus.»

Eine andere Studie zu Tötungsraten hat ergeben, dass in manchen Gebieten Borneos von 100 erwachsenen Orang-Utans pro Jahr drei bis vier getötet oder gefangen wurden. Diese Ergebnisse würden den hohen Populationsrückgang in Borneos Waldgebieten erklären.

Weiterer Rückgang durch Habitatverlust

Da es stabilere Populationen in Teilen des malaysischen Borneos und den grösseren Nationalparks im indonesischen Borneo noch gibt, scheint es unwahrscheinlich, dass der Borneo-Orang-Utan in absehbarer Zeit aussterben wird. Trotzdem ist es dringend notwendig, zusätzliche Verluste zu verhindern. Weitere 45’000 Orang-Utans könnten in den nächsten 35 Jahren allein durch die Zerstörung ihrer Lebensräume verschwinden.

Heute kommen etwa 10’000 Orang-Utans in noch bewaldeten Gebieten vor, die für die Entwicklung von Palmölplantagen vorgesehen sind. Werden diese Gebiete umgewandelt, dann sterben die meisten dieser Tiere. Die Jagd auf Fleisch, das Töten der Tiere in Konfliktsituationen und der Haustierhandel müssen durch Öffentlichkeitsarbeit, Hilfsangebote zur Konfliktlösung in den Gemeinden und im Rahmen der Strafverfolgung angegangen werden. Darüber hinaus muss weiter erforscht werden, warum Menschen Orang-Utans überhaupt töten.

Die Studie wurde in «Current Biology» veröffentlicht.

2 Kommentare

  • Asli Yergin

    Das sollte sofort gestoppt werden!!!!!

    Antworten
  • Spinnler Florian

    Es gibt zu viele unserer eigenen Art.

    Antworten

Beitrag kommentieren