© ponte1112 [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Doris Leuthard macht die Schweizer Verlagerungspolitik unglaubwürdig

  • Kathrin Ruprecht
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Bundesrätin Doris Leuthard präsentierte letzen Freitag am BrennerCongress in Innsbruck die Schweizer Verlagerungspolitik. Ein Kernelement ist der Gotthard-Basistunnel. Dank diesem kann der alpenquerende Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Doch der Bundesrat begünstigt mit der geplanten 2. Gotthard-Strassenröhre die Rückverlagerung der Gütertransporte auf die Strasse, gefährdet dadurch die NEAT und macht sich selber unglaubwürdig.

Im Rahmen des BrennerCongress traf Doris Leuthard letzen Freitag die Verkehrsminister der EU-Länder sowie die neue Verkehrskommissarin Violeta Bulc. Thema ist der alpenquerende Schienengüterverkehr, schreibt der Verein Alpen-Initiative. Anders als Österreich, Italien und Frankreich, die noch um die Finanzierung der Basistunnel am Brenner oder Mont-Cénis streiten, hat die Schweiz mit der NEAT schon ein zukunftsweisendes Projekt realisiert. 2016 wird als Herzstück der Gotthard-Basistunnel – der längste Tunnel der Welt – eröffnet.

Doch das grösste Infrastrukturprojekt der Schweizer Geschichte droht abgewertet zu werden. „Eine 2. Strassenröhre am Gotthard würde zu einer Rückverlagerung der Gütertransporte auf die Strasse führen“, sagt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative: „Schon allein die von Bundesrat und Parlament geäusserte Absicht, eine 2. Röhre zu bauen, schadet der Schweizer Glaubwürdigkeit in Sachen Güterverkehrsverlagerung auf die Schiene.“

Eine 2. Strassenröhre verdoppelt die Kapazitäten auf der Strasse. Das Verkehrsaufkommen am Gotthard könnte sich so dem Brenner-Niveau annähern, sodass jährlich 2 Millionen Lastwagen durch die Schweizer Alpen fahren und an Spitzentagen – wie am Brenner – alle 15 Sekunden ein Lastwagen zwischen Basel und Chiasso unser Land durchquert. „Das widerspricht dem Willen des Volks, das hinter der Verlagerungspolitik steht und die internationalen Gütertransporte auf der Schiene abwickeln will“, sagt Manuel Herrmann, Leiter Politik der Alpen-Initiative.

Ein Nein zur 2. Röhre wäre hingegen eine Chance für die Verlagerung. Das Einrichten einer Lang-Rola hätte Potential für ein längerfristiges Angebot von Grenze zu Grenze. Die Firmen Modalohr und Cargobeamer etwa haben bereits ihr Interesse angemeldet, während der Sanierung des Gotthard- Strassentunnel den Lastwagenverkehr auf der Schiene durch den neuen Basistunnel zu führen.

Für die NEAT wäre der Bau einer 2.Gotthard-Strassenröhre fatal. „Ein Ja zur 2. Röhre ist ein Nein zur Verlagerung, ein Nein zur NEAT und ein Nein zum Schutz der Alpen“, fasst Jon Pult die Konsequenzen zusammen. Mit dem Ablehnen einer 2. Röhre jedoch wird dem Willen des Volks, den alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, endlich Rechnung getragen.

Aga - Trigon Film

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