Kalapalo Kayapo Indianer Xingu Para Brasilien

Doch kein Land Unter am Xingu?

  • Nora Kieselbach
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Der Bau des Mega-Staudammes Belo Monte in Brasilien wurden erneut gestoppt, wie Klimaretter.info berichtet. Ein Gericht gab der Klage des Bundesstaates Pará Recht: die Interessen der indigenen Einwohner in der betroffenen Region seien bei der Ausarbeitung des Mega-Projekts nicht ausreichend berücksichtigt worden. Ausserdem müssten die Konsequenzen für Umwelt und Anwohner VOR dem Bau geklärt werden – nicht daNACH, erklärte der vorsitzende Richter und verhängte einen sofortigen Baustopp.

Damit kommt der staatliche Energiekonzern Norte Energía ziemlich in Bedrängnis, denn die Baugenehmigung ist folglich wegen Formfehlern nicht mehr rechtskräftig. Seit Jahren wird der Bau des Staudamms juristisch bestritten, vielfach wurden die Arbeiten gestoppt und nachträglich wieder freigegeben.

Bereits seit Jahrzehnten wehren sich Ureinwohner und Umweltschützer – auch juristisch – gegen das Megaprojekt, für das Zehntausende Menschen umgesiedelt werden müssten. Zuletzt waren die Arbeiten Wochen lang eingestellt worden, da rund 600 Indigene die Baustelle besetzt hielten. Das 8,5 Milliarden Euro teure Projekt sollte ursprünglich 2015 ans Netz geschaltet werden – mit einer Kapazität von mehr als 11’000 Megawatt. Belo Monte wäre damit das drittgrösste Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Itaipú-Wasserkraftwerk an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay und dem „Drei-Schluchten-Damm“ in China.

Die ökologischen und sozialen Risiken von Belo Monte wären enorm, wie der Verein Rettet den Regenwald e.V. schreibt: Für das Staubecken müsste eine Regenwaldfläche grösser als der Bodensee geflutet werden, wobei die verrottenden Pflanzen grosse Mengen des klimafeindlichen Methangasses freisetzen würden. Und nicht nur die Artenvielfalt im Wald, sondern auch die des gestauten Flusses Xingu wäre bedroht. Etwa 100 Kilometer des mächtigen Seitenarms des Amazonas würden nahezu trocken gelegt und die Dämme wichtige Routen für wandernde Fischarten blockieren.

Experten stellten aufgrund der geringen Fliessgeschwindigkeit des Xingu sogar die Wirtschaftlichkeit von Belo Monte in Frage und das Fachmagazin der brasilianischen Ingenieure bezeichnete deshalb Belo Monte bereits als „die schlechteste Ingenieursarbeit in der Geschichte des brasilianischen Wasserbaus, wenn nicht gar der Welt“. Von den versprochenen 11’000 Megawatt Leistung würde Belo Monte durchschnittlich nicht mehr als 4419 Megawatt erzeugen können, so die Experten.

Weitere Informationen

Rettet den Regenwald e.V.

Bild: Eduardo Giacomazzi [CC-BY-2.5] via Wikimedia Commons

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