Dieselauto besser als Elektromobil?

  • Redaktion Naturschutz
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Stellungnahme der Mobilitätsakademie zum Artikel in der NZZ am Sonntag vom 22.04.2012: „Elektroauto schadet der Umwelt mehr als das Dieselauto“

„Methodisch fragwürdig, Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar und als Grundlage für politische Entscheide ungeeignet “, so fasst der Direktor der Mobilitätsakademie, Jörg Beckmann, die esu-Studie zusammen, die in der NZZ am 22. April Schlagzeile machte.
In der vom Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegebenen Studie kommen die Autoren von esu-services in Uster unter anderem zum Ergebnis, dass ein VW Golf eine „deutlich bessere Ökobilanz als ein Elektroauto habe“. Diese Ökobilanz folgt jedoch methodisch einem von esu entwickelten Ansatz, der in der Fachwelt für diese Fragestellung als fragwürdig gilt. Die bekannteren, breiter abgestützten und wissenschaftlich plausibleren Modelle der Lebenszyklusmethode und des Well-to-Wheel-Ansatzes haben in den letzten Jahren andere Ergebnisse geliefert. Dank der Effizienz des Elektroantriebes ist dieser dem verbrennungstechnischen zwei- bis dreimal überlegen. Und wenn der Strom künftig dank regenerativer Energien weiter sauberer wird, was der gesamten E-Flotte zugute kommen wird, wächst der ökologische Vorteil weiter zugunsten des elektrischen Antriebes.

„In der Studie wurde hingegen für alle Parameter jeweils die ungünstigste und zudem meist völlig realitätsfremde Variante gewählt“, schreibt die Mobilitätsakademie weiter. So wurde der Produktionsprozess der Batterien allein unter Bedingungen des CO2-reichen chinesischen Strommixes angenommen und die Lebensdauer einer Batterie auf willkürliche 75’000 Kilometer begrenzt, während internationale Normierungen von 160’000 Kilometern ausgehen. „Die Schweiz gilt im Ausland als elektromobile Ideenschmiede, aus der immer wieder wegweisende Forschungsergebnisse zur Elektromobilität in die Fachwelt getragen wurden. Derartige Betrachtungen untergraben nicht nur den Ruf wissenschaftlicher Forschung in der Schweiz, sondern spiegeln keinesfalls den breiten gesellschaftlichen Konsens hinter dieser markfähigen und umweltfreundlichen Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor wieder, wie er sich beispielsweise in der vom Forum Elektromobilität verfassten und von 30 Schweizer Unternehmungen und Verbänden getragenen „Road Map Elektromobilität“ darstellt. “, analysiert Jörg Beckmann diese Untersuchung.

Der Artikel der NZZ am Sonntag ist hier zu finden.

Mobilitätsakademie

Bild: G. Strebel

3 Kommentare

  • Daniel Savi

    Vielen Dank für die Klarstellung. Beim lesen des Artikels war mir nicht klar, dass hier nur die Meinung der Mobilitätsakademie wiedergegeben werden soll. Auch jetzt, nach nochmaligem lesen, muss ich festhalten, dass der von mir kritisierte Satz nicht als Zitat ausgewiesen wird. Der gesamte Abschnitt ab „Diese Ökobilanz folgt jedoch…“ wirkt auf mich wie eine redaktionelle Leistung. Deshalb kam auch meine Kritik am Artikel zustande.

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  • naturschutz.ch

    Lieber Herr Savi
    Dieser Artikel ist wie geschrieben eine Stellungnahme, also ein Kommentar. Daher dürfen Sie hier auch keine Sachlichkeit im journalistischen Sinn erwarten, wie es unser Anspruch bei normalen Einträgen ist. Der Link auf die Fanseite wurde deshalb angefügt, weil diese Seite der einzige Ort ist, wo man den Artikel lesen kann.

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  • Daniel Savi

    Dieser Artikel ist qualitative nicht gerade eine Glanzleistung. Was soll es heissen, dass die „wissenschaftlich plausibleren Modelle der Lebenszyklusmethode und des Well-to-Wheel-Ansatzes (…) in den letzten Jahren andere Ergebnisse geliefert (haben)“? Die Studie von Frischknecht ist eine Lebenszyklusanalyse. Natürlich muss eine Studie diskutiert und kritisiert werden, das solle dann aber mit einem Mindestmass an wissenschaftlicher Relevanz erfolgen.

    Hier noch der Link zur Studie von esu-services:
    http://www.esu-services.ch/fileadmin/download/frischknecht-2012-Umweltaskpekte-Elektroautos.pdf

    Der Link zum NZZ-Artikel in einem E-Auto-Fanclub ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig, wenn man sachlich informieren will.

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