© Patrick Bürgler CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
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Die Titanwurz spielt verrückt             

  • Julia Hatzl
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Die Titanwurz im Papiliorama Kerzers hat in den letzten Wochen acht neue Knospen gebildet. «Normal» wäre eigentlich eine Knospe, aus der sich dann ein Blatt oder eine Blüte entwickelt. Ob aus dieser Knospenvielfalt eine Blume wächst, ist zur Zeit aber noch unklar.

Die Titanwurz im Papiliorama in Kerzers ist aktiver, als alle erwartet haben. In den letzten Wochen haben sich insgesamt acht neue Knospen gebildet. Aus vier Knospen wachsen im Moment Laubblätter. Ob sich aus den restlichen Knospen weitere Blätter entwickeln werden oder ob die Titanwurz sogar noch blühen wird, ist im Moment noch nicht sicher. Doch bereits die riesigen Blätter der Titanwurz sind eine Augenweide, die man unter der Kuppel des Jungle Treks bestaunen kann.

Die Aktivität der Pflanze ist sehr ungewöhnlich. © Papiliorama

Unnatürliches Verhalten

Acht Knospen sind bereits einzigartig. Aber dass gleich fünf Blätter gleichzeitig wachsen, ist laut dem Botanischen Garten der Universität Basel, wo die Titanwurz normalerweise ist, noch nie vorgekommen. Die Titanwurz verhält sich im Moment also komplett entgegen allen Erfahrungen und Erwartungen. Die Freude darüber ist beim Papiliorama-Direktor Caspar Bijleveld gross:

«Wir sind sehr erleichtert, dass es der Titanwurz offenbar gut geht. Dass die Knolle gleich acht Knospen bildet, ist eine botanische Sensation.»

Vor einem Jahr, als die Knolle ins Papiliorama einzog, bewegte sich danach lange nichts mehr. «Wir hatten schon Angst, dass die Titanwurz durch den Umzug von Basel nach Kerzers Schaden genommen hat», so Bijleveld. Als dann nach langen Wochen des Wartens im Frühsommer eine Knospe aus dem Boden stiess, war sie von Fäulnis befallen und musste gekappt werden.

Die Erleichterung ist also gross, dass die Knolle im Moment aktiver als erwartet ist und mit acht neuen Knospen schon fast verrückt spielt. «Jetzt wäre es schön, wenn sich aus einer der Knospen eine Blume entwickeln würde – notabene die grösste Blume der Welt», so Bijleveld. Aber bereits die Blätter, die momentan in verschiedenen Grössen wachsen, sind gigantisch. «Die Saga der grössten Kartoffel der Schweiz geht also weiter, mit oder ohne Blüte», meint Caspar Bijleveld lachend.

Die Titanwurz

Die Titanwurz, Amorphophallus titanum auf lateinisch, hat bereits drei Mal im Botanischen Garten der Universität Basel geblüht, das letzte Mal im Jahr 2014. Die Blume befindet sich seit September 2016 in Kerzers, da im Botanischen Garten in Basel Renovationsarbeiten stattfinden. Die Verantwortlichen in Basel suchten für diese Zeit eine Ferienresidenz für die Titanwurz und fanden im Jungle Trek des Papiliorama einen optimalen Ort. Im Jungle Trek herrschen annähernd die gleichen Bedingungen wie in der tropischen Heimat der Pflanze.

Die Titanwurz ist eine Regenwaldpflanze aus Sumatra (Indonesien) und gilt als die grösste Blume der Welt. Das Material für die gigantische Blüte stammt aus einer unterirdischen Knolle. Die Pflanze kann nur blühen, wenn die Knolle mehr als 20 Kilogramm schwer ist. Die Blume spriesst erst nach einer Ruhephase der Knolle. Sie braucht für ihre Entwicklung rund sechs Wochen. Dennoch blüht sie anschliessend nur wenige Tage. Der gigantische, bis zu drei Meter lange Blütenstand lockt Aaskäfer als Bestäuber an. Sinnigerweise heisst die Pflanze auf Indonesisch «bunga bangkai», was so viel wie Leichenblume heisst. Die Basler Pflanze, welche diesen Herbst voraussichtlich in Kerzers blühen wird, ist über 20 Jahre alt und das einzige blühfähige Exemplar in der Schweiz.

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