Schulklassen aus dem Reusstal sind eingeladen beim Biber-Wettbewerb von Pro Natura mitzumachen. © Dierk Schäfer, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Schulklassen aus dem Reusstal sind eingeladen beim Biber-Wettbewerb von Pro Natura mitzumachen. © Dierk Schäfer, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Die Revision des Jagdgesetzes ist naturfeindlich und auf Abschüsse fokussiert

  • Cécile Villiger
  • 4

Die Ende November ablaufende Revision des eidgenössischen Jagdgesetz regelt nicht nur die durch die Motion Engler vom Parlament in Auftrag gegebene Wolfsregulation auf ungenügende Weise. Sie würde auch den Schutz weiterer geschützter Arten stark schwächen. Es droht ein massiver Rückschritt im Artenschutz. Pro Natura, BirdLife und der WWF Schweiz lehnen die am Revision in dieser Form dezidiert ab.

Die Motion von Ständerat Stefan Engler (CVP, GR) für ein Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung hat dem Bundesrat den Auftrag für eine Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes gegeben. Neu sollten darin Möglichkeiten geschaffen werden, den Wolfsbestand zu regulieren, um ein konfliktärmeres Zusammenleben zu ermöglichen. «Regulieren» ist dabei die schönfärberische Umschreibung von Dezimierung durch Tötung. Erfahrungen im Ausland zeigen deutlich, dass die Bestandesdezimierung weder zu weniger Konflikten noch zu mehr Akzeptanz gegenüber dem Wolf führt – Konflikte nahmen sogar oft zu. Für Pro Natura, BirdLife und den WWF Schweiz ist klar, dass als Grundvoraussetzung für jegliche Dezimierung ein überlebensfähiger Wolfsbestand vorhanden sein muss. Gegen den Abschuss von tatsächlich problemstiftenden Wolfsindividuen stellen sich die Organisationen jedoch nicht.

Der Vorschlag zur Revision des Jagdgesetzes erfüllt diese Bedingung aber in keiner Weise. Die neue Regelung für Dezimierungsabschüsse von Wölfen gibt zwar vor, dass der Bestand nicht gefährdet werden darf. Diese Formulierung ist jedoch eine Farce, da man nach Inkrafttreten dieser Revision bereits mit aktuell drei Rudeln den Bestand dezimieren dürfte. Und dies sogar ohne dass bereits ein Schaden eingetreten ist. Unter diesen Voraussetzungen ist das langfristige Überleben der Wölfe in der Schweiz nicht gesichert.

Der Gesetzesentwurf geht zudem weit über den Auftrag des Parlaments hinaus, da er in den Ausführungsbestimmungen viele weitere geschützte Arten nennt, die in Zukunft «reguliert» werden sollen. Was einer Interessensgruppe in die Quere kommt, soll dezimiert werden können. Solche Abschussregime sind weder fachlich begründbar noch zielführend. Beim Biber beispielsweise können Konflikte mit Abschüssen kaum gelöst werden, da Reviere schnell wieder von neuen Tieren besetzt werden. Beim Luchs sind der Bestand und die genetische Basis so klein, dass die akute Gefahr einer Wiederausrottung bestehen würde.

Eine zusätzliche massive Verschlechterung bringt die Verschiebung der abschliessenden Bewilligungskompetenz für Regulationseingriffe vom Bund zu den Kantonen. Ein gegenseitiges Hochschaukeln durch abschussfreudige Kantonsregierungen wäre zu befürchten. Damit könnte der Bund seinem verfassungsmässigen Artenschutzauftrag nicht mehr nachkommen.

Die Naturverbände erwarten von Bundesrat und Parlament eine deutlich naturfreundlichere, fachlich fundiertere Revision des Jagdgesetzes, die einer modernen Gesellschaft angemessen ist.

4 Kommentare

  • Ferdi Projer

    Unser eingreifen in die Natur ist absolut unnötig und in jedem Fall daneben. Da wir das Geld wichtiger finden als die Natur erfinden wir immer wieder neues und abartigeres um uns zu bereichern.
    Eine „vernünftige“ Jagd mit vernünftigen Jägern finde ich den Umständen entsprechend akzeptabel.

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  • Walter Huber

    Es ist gut, dass die Gewichte wieder richtig verteilt werden.

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  • Ueli Jordi

    Wir sollten dringenst ein Referendum gegen die Jagd in der Schweiz
    wiederholen.
    Die Jagd in der Schweiz muss verboten werden.

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    • Simon

      Da muss ich Ihnen leider widersprechen Herr Jordi.
      Eine sorgfältige und tierschutzkonforme Jagd ist nicht nur absolut notwendig sondern auch wichtig und sinnvoll.


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