© Tognopop (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Die Mauer fiel, das Grüne Band überdauerte

  • Julia Hatzl
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Genau heute vor 28 Jahren fiel die Berliner Mauer. Was zurückblieb ist einer der wichtigsten Korridore in Europa, der Lebensräume, Tiere und Pflanzen vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer miteinander in Verbindung stellt: Das Grüne Band Europas.

Entlang der Grenze, die einst der Eiserne Vorhang bildete, reiht sich heute ein wertvoller Lebensraum an den anderen. Insgesamt erstreckt sich dieses Band aus Lebensräumen über eine Länge von 12’500 Kilometern und verläuft durch 24 Staaten. Das Grüne Band Deutschland stand Vorbild für ein Grünes Band durch ganz Europa. Noch gibt es grosse Lücken im Band, die verbaut oder beeinträchtigt sind.

Grünes Band durch Europa @ NordNordWest [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Grünes Band durch Europa @ NordNordWest [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Grünes Band Deutschlands

Allein in Deutschland ist es 1’393 Kilometer lang und stellt immer noch den einzigen länderübergreifenden Biotopverbund Deutschlands dar. Durch die Funktion als Sperrzone wurde das Gebiet des Eisernen Vorhangs stets von Menschen gemieden und die Natur konnte sich behaupten und überdauern. Mit 146 verschiedenen Biotoptypen in Deutschland allein stellt es einen unersetzlichen Lebensraum für mehr als 1’200 gefährdete und teils vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten dar. Es ist Leuchtturmprojekt in der «Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt» und Rückgrat des im Bundesnaturschutzgesetz angestrebten deutschlandweiten Biotopverbundsystems. Insgesamt 850 Hektar Fläche hat der BUND im und am Grünen Band erworben, um die wertvollen Biotope langfristig zu sichern.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks beschrieb das Grüne Band mit folgenden Worten: «Das Grüne Band ist von herausragender Bedeutung für den Naturschutz. Deutschlands einziger länderübergreifender Biotopverbund besteht in großen Teilen aus wertvollen Grünlandbiotopen. Diese sind aber bundesweit von Vernichtung bedroht. Dass sie im Grünen Band noch vorhanden sind, ist der langjährigen Zusammenarbeit des BUND mit extensiv arbeitenden Landwirten zu verdanken. Das Grüne Band ist ein Leuchtturmprojekt, das auch in der Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft Vorbildcharakter für gutes Zusammenwirken von der Landwirtschaft mit Naturschutz entfalten kann.»

Lückenschlussprojekt trägt Früchte

In einem Lückenschluss-Projekt, das im Grünen Band Sachsen-Anhalts und Thüringens durchgeführt wird und die bestehenden Lücken oder Beeinträchtigungen überbrücken soll, wurden vom BUND bisher 92 Hektar vornehmlich landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen erworben und in enger Kooperation mit örtlichen Landwirten in naturschutzgerechte Bewirtschaftung überführt. Der Erfolg lässt sich eindrücklich an den Entwicklungen der Zahlen der brütenden Braunkehlchen, dem Charaktervogel des Grünen Bandes, in der Region ablesen. Deutschlandweit sind die Bestände rapide im Abnehmen begriffen, und drohen in vielen Regionen ganz zu verschwinden. Nicht so in der Projektregion am Grünen Band: Hier konnte eine Stabilisierung der Bestände erreicht werden und es zeichnet sich sogar wieder ein Wachstum ab. „Die Zunahme des Braunkehlchen-Bestands basiert auf unseren engen Absprachen mit den Landwirten, die bereit sind, die Grünlandnutzung in Bereichen mit den am Boden befindlichen Nestern an den Brutverlauf anzupassen. So lange, bis ungefähr Mitte Juli die Jungen flügge geworden sind. So fanden z.B. 2015 13 erfolgreiche Bruten inmitten von Flächen statt, die von den Bewirtschaftern dank unserer Hinweise später als ursprünglich vorgesehen bearbeitet wurden. In diesem Jahr waren es sogar 19 Bruten mit mindestens 56 flügge gewordenen Jungvögeln, deren Bruterfolg auf die Absprachen und Anpassungen der Nutzung zurück zu führen ist“, erklärt Dieter Leupold, Projektleiter Grünes Band des BUND in Sachsen-Anhalt.

Braunkehlchen © Frank Vassen CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Braunkehlchen © Frank Vassen CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Vom Lückenschluss im Grünen Band Sachsen-Anhalt profitieren eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten, darunter Salzschwaden, Schachbrettblume, Silbergras, Kiebitz, Kreuzkröte, Kreuzotter, Ortolan, Vogelazurjungfer, Ziegenmelker und Wildbienen. Neben der angepassten Nutzung schafft der BUND auch durch die Anlage von Kleingewässern, das Auflichten dichter Kiefernbestände oder das Pflanzen von Dornenhecken geeignete Lebensräume für diese Arten. Dabei berücksichtigt der BUND z.B. beim Monitoring der Vogelazurjungfern auch angrenzende Flächen auf niedersächsischer Seite. «Vielerorts liegen wertvolle Lebensräume benachbart zum Grünen Band und stellen bedeutende Quervernetzungselemente dar. So auch in Niedersachsen. Deshalb haben wir eine Fachkonzeption in Auftrag gegeben, die übergeordnete Ziele für die Entwicklung von Teilräumen in Niedersachsen am Grünen Band definiert und als Arbeitsgrundlage für weitere Aktivitäten dient», so Almut Kottwitz, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Grosse Ziele

Seit 2003 engagieren sich viele Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Behörden, Universitäten und Raum­pla­ner aus allen angrenzenden Ländern an der Umsetzung der Vision eines «Grünen Bands Europas» und haben sich als «Initiative Grünes Band Europa» zusammengeschlossen. Ein großes Ziel der Initiative ist es, das in Deutschland bereits stark ausgebaute Biotopennetz auf ganz Europa weiter auszuweiten und das Grüne Band Europa als UNESCO Weltnatur- und -kulturerbe zu sichern.

Quelle: Medienmitteilung BUND

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