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© Martha de Jong-Lantink [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Die lange Wanderung des Berner Bären

  • Julia Hatzl
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Im Mai 2017 ereignete sich im Raum Emmental – Berner Oberland Historisches: Nach mehr als 190 Jahren kehrte das Wappentier Berns in den Kanton zurück. Dank Spuren und Beobachtungen konnte seine Reise nun nachverfolgt werden.

Am 26. Mai 2017 machte ein Mann in der Gemeinde Eriz eine erstaunliche Beobachtung: Ein Bär war im Kanton Bern unterwegs. Dank seinem raschen Griff zum Fotoapparat konnte er den ersten Beweis erbringen, dass der Bär nach mehr als 190 Jahren in den Kanton Bern zurückgekehrt war. Bei dem Tier handelt es sich um das Männchen M29. Die Koordinationsstelle für Raubtiermonitoring (Kora) hat aufgrund von Spuren, Beobachtungen und genetischen Nachweisen den Lebenslauf des Tiers nachverfolgen können, wie in einer Medienmitteilung der Volkswirtschaftsdirektion des Kanton Bern berichtet wurde.

Geboren im Winter 2013 im Trentino

Der Bär mit der wissenschaftlichen Bezeichnung M29 wurde wahrscheinlich im Winter 2013 als Sohn der Bärin F09 im italienischen Naturpark Adamello-Brenta geboren. Im September 2014 wurde er erstmals genetisch identifiziert. Nach der Trennung von seiner Mutter wanderte M29 Richtung Westen und wurde im April 2016 südlich von Chiavenna erneut genetisch nachgewiesen. Von hier an wird seine Wanderung spekulativ, da der nächste genetische Hinweis erst im Herbst 2017 im Gental (Gemeinde Innertkirchen) gelang. Bärenbeobachtungen in den Kantonen Graubünden, Uri, Schwyz und Bern ermöglichen aber Vermutungen über seine Route.

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Die lange Wanderung von M29. Kora©GIS | Zum Vergrössern bitte anklicken.

Danach ging es über Graubünden nach Uri

Mit grosser Wahrscheinlichkeit überquerte M29 die Schweizer Grenze Ende April 2016 westlich des Splügenpasses. Der Bär wurde auf rund 2900 Meter von einem Berggänger beobachtet und fotografiert. Anfang Mai wurden Bärenspuren im Val Curciusa gefunden und kurz darauf war ein Bär in der Region Thusis unterwegs. Am 11. Mai 2016 tappte er in eine Fotofalle eines Wildhüters bei Trun. Zehn Tage später wurde der Bär von einem Autofahrer in der Schöllenen im Kanton Uri beobachtet. Danach kehrte er offenbar nochmals in die Surselva zurück, wo er am 24. Mai unterhalb des Oberalppasses gesehen wurde. Nur einen Tag später wurden Bärenspuren am Hoch-Ybrig, im Kanton Schwyz beobachtet. Vermutlich hat M29 die Distanz von 40 Kilometer Luftlinie in weniger als 24 Stunden zurückgelegt.

Von Juni 2016 bis April 2017 wurde M29 mehrmals im östlichen Teil des Kantons Uri nachgewiesen. Anfang Dezember 2016 wurden im Val Maighels im Grenzgebiet Graubünden/Uri Bärenspuren dokumentiert. Sicher ist, dass M29 Ende März 2017 wieder im Kanton Uri auftauchte, wo er am 17. April 2017 in ein Bienenhäuschen einbrach. Das ist der einzige bekannte Schaden von M29 in der Schweiz. Ende April 2017 fing der Bär an, sich grossräumiger zu bewegen. Er wurde im Urseren-, Göschenen- und Meiental (Kanton Uri) beobachtet.

Genetischer Nachweis im Gental

Am 14. Mai 2017 wurden Spuren auf dem Susten-, am 23. Mai 2017 auf dem Grünenbergpass gefunden, wo M29 am 26. Mai 2017 auch beobachtet und fotografiert werden konnte. Neben mehreren Hinweisen und einem genetischen Nachweis im Gental gelang eine spektakuläre Beobachtung, als M29 auf dem Gletscher des Sustenhorns beobachtet wurde und in der Nähe der Tierberglihütte Spuren hinterliess.

Seit dem 11. September 2017 fehlen Hinweise auf den Aufenthaltsort von M29. Ob er sich noch im Kanton Bern aufhält oder ob er sich erneut auf Wanderschaft begeben hat, ist nicht bekannt. Voraussichtlich wird er sich in den kommenden Wochen in ein Winterlager zurückziehen.

M29 ist ein scheuer Bär. Hinweise auf seinen Aufenthaltsort sind selten und oft wird er während mehreren Wochen nicht gesehen. Er ist nun vier Jahre alt und gilt als erwachsen.

Wo M 29 wohl jetzt ist? © Gunnar Ries
Wo M29 wohl jetzt ist? © Gunnar Ries

2 Kommentare

  • Loriana

    Danke, Brigitte Zehnder. Auch ich teile den Wunsch.

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  • Brigitte Zehnder

    Respekt und Wertschätzung ist das ,was wir menschen der Natur und all den mit uns lebenden Wesen entgegenbringen können. Dieser Artikel informiert sorgsam und kann dazu beitragen,falls die Lesenden die erwähnte grundhaltung mitbringen. Ich wünsche mir,dass sich Mensch und Natur wieder auf Augenhöhe begegnen,in einer Ordnung,die für alle Raum und Interesse hat.

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