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Die Landwirtschaftslobby blockiert den Gewässerschutzvollzug

  • Kathrin Ruprecht
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Bis Ende 2018 müssen die Gewässerräume an Bächen, Flüssen und Seen im Kanton Zürich ausgeschieden sein. Das AWEL hat nun einen Vorschlag ausgearbeitet, welcher aber vom Landwirtschaftsverband boykottiert wird. Dies obwohl der Verlust von Kulturland an die Revitalisierungsprojekte sehr gering ist.

Die Gewässerschutzgesetzgebung schreibt die Ausscheidung der Gewässerräume bis Ende 2018 vor und macht Vorgaben zur Breite des Gewässerraumes und zum Vorgehen der Ausscheidung. Unter der Leitung des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich wurde in den vergangenen zwei Jahren ein Vorschlag zur Festlegung der Gewässerräume im Siedlungsgebiet erarbeitet. Aqua Viva begrüsst das gewählte Vorgehen und die vom Kanton sorgfältig erarbeite Vollzugshilfe.

Die eigentliche Herkules-Arbeit folgt nun, schreibt der Verein Aqua Viva. Mit dem nächsten Schritt des Vollzugs des Gewässerschutzgesetzes: die Ausscheidung der Gewässerräume im Landwirtschaftsgebiet. Denn bereits haben Vertreterinnen und Vertreter des kantonalen Landwirtschaftsverbandes dazu aufgerufen, die Umsetzung zu blockieren. Mit politischen Vorstössen und Anleitungen zur „Bekämpfung“ von Gewässerräumen und Revitalisierungen will der Verband verhindern, dass landwirtschaftlich genutzte Flächen dem Gewässer zurückgegeben werden.

Die Kampagne gegen die Umsetzung des Gewässerschutzgesetzes mutet umso unverständlicher an, als dass der jährliche, durch das Siedlungswachstum verschuldete Kulturlandverlust, schweizweit rund 3000 Hektaren beträgt. Für die geplanten Revitalisierungen dagegen wird mit einem „Verlust“ von 2000 Hektaren in 80 Jahren gerechnet, also 25 Hektaren pro Jahr oder weniger als ein Prozent des „üblichen“ Landverlusts. Kommt dazu, dass Fruchtfolgeflächen, die teilweise im Gewässerraum liegen, anders als mit Strassen oder Neubauten verbetonierte Flächen, in Notzeiten innert kurzer Frist wieder intensiviert werden könnten.

Der heute vorliegende Kompromiss bei der Ausscheidung der Gewässerräume im Landwirtschaftsgebiet wird auch von den Landwirtschaftsdirektoren der Kantone mitgetragen. Aqua Viva fordert den kantonalen Landwirtschaftsverband auf, die Umsetzung des Gewässerschutzgesetzes mitzutragen und sich auf konstruktive Art und Weise am Vollzug zu beteiligen.

Aqua Viva ist überzeugt, dass schöne Landschaften – und dazu gehören intakte Gewässer mit Sicherheit – die Wertschätzung gegenüber den Leistungen der Bauernschaft steigern. Die Ausscheidung der Gewässerräume und damit verbunden die Revitalisierung von Bächen, Flüssen und Seen bietet eine einmalige Chance, die Hochwassersicherheit zu verbessern und gleichzeitig die Biodiversität zu steigern.

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