© Ján Svetlík [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Die Fledermäuse in der Schweiz sind bedroht

  • Kathrin Ruprecht
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Die Fledermausarten in der Schweiz sind häufig stark bedroht. Im Vergleich zu 1994 ist aber kein genereller Rückgang bestätig worden auch wenn die Situation kritisch bleibt.

Die Rote Liste der Fledermausarten der Schweiz des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) wurde aktualisiert. In Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft(WSL), der Schweizerischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz (CCO/KOF) und des Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna (CSCF) ist die Einstufung der 30 einheimischen Arten anhand der internationalen Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN erneut durchgeführt worden und ersetzt die Rote Liste von 1994.

Der Bericht gibt zudem Empfehlungen für Massnahmen zum Schutz der Fledermäuse und macht eine Einschätzung des Ist-Zustandes der Gefährdung der verschiedenen Fledermausarten.

Von den 30 in der Schweiz einheimischen Fledermausarten konnten 26 bewertet werden und davon erfüllen 15 die Kriterien der Roten Liste. Die gute Nachricht: keine dieser Arten ist ausgestorben. Andererseits werden 3 Arten als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft, 5 als „stark gefährdet“, 7 als „verletzlich“ und 7 als „potentiell bedroht“. Gemeinsam diesen Arten ist die Nutzung von Häuser als Geburtsort und Ort für die Jungenaufzucht.

Das enge Zusammenleben dieser wild lebenden Tiere ist mitunter ein Grund für ihren Rückgang. Denn viele Renovationen an Bauten bedeuten für die Fledermäuse einen Verlust ihrer Quartiere weil diese häufig verschlossen oder sonst Zerstört werden. Ihre Schlafplätze, wie Fassadenspalten und offene Dachstöcke werden weg renoviert.

Auch der Einsatz von Insektiziden setzt ihnen zu, da Insekten ihre Hauptnahrungsquelle darstellen. Dazu kommt der allgemeine Verlust von Beutetieren, wenn diesen der Lebensraum weggenommen wird. Auch Lichtemissionen, veränderte Waldbewirtschaftung und die Ausräumung und Zersiedlung der Landschaft sind mögliche Ursachen für die tiefe Fledermausanzahl in der Schweiz.

Besonders anfällig sind sie auch auf Grund ihrer geringen Fortpflanzungsrate. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren bringen die Weibchen nur eins bis selten zwei Jungtiere pro Jahr zur Welt. Dafür können diese bis zu 30 Jahre alt werden. Wenn die Zahl der Fledermäuse aber mal tief ist, braucht es deshalb länger bis sie wieder angestiegen ist.

Die Massnahmen zum Schutz der Fledermaus können je nach Fledermauspopulation und Region verschieden sein. Dabei können die Massnahmen einer der drei Lebensraumtypen der Fledermaus betreffen. Darunter versteht man das Quartier, der Jagdlebensraum und der Flugkorridor, welche verschiedene Funktionen erfüllen. Im Quartier, zum Beispiel in Höhlen oder Dachstöcken, bilden sich im Frühjahr Kolonien und die Jungenaufzucht findet hier statt. Auch der Winterschlaf, welcher die Fledermäuse aus Mangel an Nahrung halten, wird in einer Art Quartier gehalten. Zusätzlich spricht man von „Quartier“ wenn von den Paarungslebensräumen gesprochen wird. Ein Jagdlebensraum ist je nach Fledermausart zum Beispiel der freie Luftraum oder die Zone entlang dichter Vegetation. Grundsätzlich stellen Feuchtgebiete, Gewässer, Uferbestockungen und Altholzwälder eine gute Nahrungsquellen dar. Für die Orientierung und zum Schutz, zum Beispiel beim Wechsel vom Quartier- zum Jagdlebensraum, brauchen Fledermäuse eine Art Flugkorridor. Strukturen wie Bäume oder Büsche sind nötig damit sie ihren Weg finden und sich vor Fressfeinden wie die Eule schützen können.

Allgemeine Schutzmassnahmen betreffen unter anderem die Begleitung der Sanierungen von Gebäuden mit Fledermausquartier-Lebensräumen, das Lösen von Konflikten mit Fledermäusen (z.B. störende Kotansammlungen am Haus) und das vernetzen der Bestände schützenswerter Fledermausarten. Auch die Sensibilisierung der Bevölkerung nimmt eine wichtige Position ein, was durch Ausbildung von ehrenamtlichen Mitarbeitenden und Aktivitäten zur Information der Bevölkerung, gewährleistet wird.

Die Fledermauspopulationen in der Schweiz konnten sich in den letzten 20 Jahren, dank den getroffenen Schutzmassnahmen, halten aber die Situation bleibt für mehret Arten kritisch. Der Rückgang einiger Arten zeichnet aber eine Verschlechterung der Situation ab. Der Verlust einiger gebäudebewohnender Fledermausarten konnte allerdings durch den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeitenden abgebremst oder sogar verbessert werden.

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