Canis lupus Wolf Wolfsspuren

Der Wolf und die zwei Geisslein

  • Nora Kieselbach
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Wie die Berner Zeitung heute schreibt, wurde auf der Alp Tannisboden, am südöstlichen Ende des Emmentals im Grenzgebiet der Kantone Bern und Luzern, mutmasslich wieder eine Ziege von einem Wolf gerissen. Seit einigen Tagen streift ein Wolf an der Nordflanke des Tannhorns umher und reisst Kleinvieh, bis anhin ein Schaf und vier Ziegen (wie die Luzerner Jagdverwaltung bestätigte). Auch Familie Gfeller, die Betreiber der Tannisboden-Alp, büsste zwei Gitzis ein, die auf der Alp sömmerten.

Am Morgen des 1. August bemerkten Gfellers, dass eine junge Ziege fehlt. Sie sind sich sicher: es war wieder der Wolf. Denn Landwirt Ulrich Gfeller hat bereits Erfahrung mit Wolfsrissen. In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli verlor er schon einmal eine junge Ziege. Eine Tat mit Ansage, denn der Landwirt wusste, dass ein Wolf umherstreift. Vor 10 Tagen wurde das Raubtier erstmals im Gebiet des Tannhorns gesichtet, bevor es in der Nacht auf den 23. Juli in der Nähe von Gfellers Alp erstmals ein Schaf riss.

Gfeller, der auch als Gemeindepräsident von Schangnau amtet, bekommt den Verlust seines ersten Tieres entschädigt – obwohl anfangs eine Zeit lang nicht klar war, ob die zuständigen Luzerner Behörden das verschwundene Gitzi als Wolfsriss akzeptieren und entsprechend entschädigen würden. Mittlerweile beschied ihnen jedoch der Wildhüter, dass das Gitzi, dessen Kadaver nicht mehr gefunden wurde, eindeutig dem Wolf zum Opfer gefallen sei. Auf Anfrage erklärte der Luzerner Jagdverwalter Otto Holzgang, dass bei einem Kadaverfund noch an Ort und Stelle beurteilt werde, ob das Tier einem Grossraubtier zum Opfer gefallen sei; fehle jedoch wie bei Gfellers das tote Tier, müsse aufgrund von „Indizien“, das heisst Beobachtungen und/oder Spuren, entschieden werden – was etwas länger dauern kann.

Auf Anraten der Behörden sollte Gfeller nach dem ersten Wolfsriss seine Tiere über Nacht in den Stall nehmen. Das tat der Landwirt auch eine Woche lang –kam dann aber wieder davon ab, da dies „keine praktikable Lösung sei, weil die Tiere in der sommerlichen Hitze nachts raus wollten“. Jetzt, nach dem zweiten Wolfsriss, bleibt ihm jedoch keine andere Wahl als seine Tiere – zwei Dutzend Kälber und Rinder sowie zwei Dutzend Kühe und vier Ziegen – über Nacht im Stall einzusperren, denn ein Herdenschutzhund lohne sich bei einem derart kleinen Tierbestand nicht, so Gfeller. Obwohl sich seine Tiere bei Hitze tagsüber eigentlich lieber im Stall aufhalten und dann dafür nachts nach draussen gehen würden.

Für Landwirt Gfeller ist daher klar: der Wolf hat hier in der kleinräumigen Schweiz keinen Platz. Anderswo, wo es mehr Raum und weniger Leute gibt, dort könne der Wolf leben.

Weitere Informationen

Luzerner Jagdverwaltung

Bild: U.S. Fish & Wildlife Service [PD] via Wikimedia Commons

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