© Baudirektion Kanton Zug
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Der Wildtierkorridor bei Cham funktioniert

  • Nicole Wabersky
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Die kleinen Wildtiere haben den speziell für sie gebauten Korridor auf der Städtlerwaldbrücke bei Cham angenommen. Das zeigen die ersten Feldaufnahmen der Baudirektion zur Nutzung des 2012 eröffneten A4-Übergangs nahe der sogenannten Blegikurve.

Wird sie von den Tieren angenommen? Die Frage löste im Zuger Kantonsrat 2010 einige Kontroversen aus, als es darum ging, den Bau einer Wildtierbrücke über die A4 bei Cham zu bewilligen. Der Rat stimmte dem Vorhaben schliesslich zu; er verband den Beschluss jedoch mit dem Auftrag an die Baudirektion, den Wildtierübergang in den ersten zehn Jahren systematisch zu beobachten und regelmässig Bericht zu erstatten. Nun liegt der erste Zwischenbericht vor.

Positive Gesamtbilanz

Für Baudirektor Heinz Tännler ist es ein erfreulicher Bericht: „Die wissenschaftlich erhobenen Daten zeigen, dass die kleinen Wildtiere die Brücke angenommen haben. Der Vernetzungsprozess zwischen dem Städtlerwald im Süden der Autobahn und dem Gebiet Pfad nördlich der A4 ist wie gewünscht im Gang. Damit erfüllt der neue Wildtierkorridor auch eine wichtige ökologische Forderung des Richtplanes.“ Das Ja von Regierung und Parlament zum Bauwerk erweise sich – so der Baudirektor – aus heutiger Sicht als weitsichtig und klug.

„Dazu kommt, dass wir den bewilligten Objektkredit von 9,831 Millionen Franken deutlich unterschreiten konnten. Dank günstiger Arbeitsvergaben und einer optimalen Koordination mit dem 6-Spur-Ausbau der A4 war es möglich, mehr als drei Millionen Franken einzusparen. Davon profitiert notabene auch der Bund, der mit einem Drittel an den Kosten beteiligt ist.“

Reges Leben auf der Brücke

Die Ergebnisse der ersten Erfolgskontrolle basieren laut Mitteilung der Baudirektion Kanton Zug auf Feldaufnahmen in den Jahren 2012 und 2013. Sie belegen, dass der Wildtierübergang bereits von einem grossen Teil der Zielarten genutzt wird.

Martina Brennecke, stellvertretende Leiterin des Amtes für Raumplanung, nennt die wichtigsten Erkenntnisse:

Fuchs auf der Wildtierbrücke über der A4 bei Cham, © Cristina Boschi, Gränichen
Fuchs auf der Wildtierbrücke über der A4 bei Cham, © Cristina Boschi, Gränichen

„Besonders schnell haben sich die Füchse an die Autobahnpassage gewöhnt. Das erstaunt insofern nicht, als der Fuchs generell als flexibel und anpassungsfähig gilt. Neben den Füchsen haben auch weitere Säugetiere den neuen Übergang benutzt, so etwa Marder, Igel und auch ein Hermelin.

Rehbock auf der Wildtierbrücke über der A4 bei Cham, © Cristina Boschi, Gränichen
Rehbock auf der Wildtierbrücke über der A4 bei Cham, © Cristina Boschi, Gränichen

Dass auch Rehe beobachtet wurden, ist eher überraschend. Sollten sie die Brücke künftig regelmässig queren, wäre das ein schöner Erfolg für die Vernetzung. Identifiziert wurden die verschiedenen Säuger mit Hilfe von Tritt- und Fotofallen sowie anhand von Kotspuren. Ebenfalls gut angenommen wurde die Brücke von den Wirbellosen, sprich von Faltern und Heuschrecken. Ausgeblieben sind bisher einzig die Reptilien. Es ist anzunehmen, dass in Brückennähe keine Populationen existieren und eine Besiedlung somit ungewiss bleibt.“

Waldgenossenschaft gab den Anstoss

Dass die Wildtierbrücke heute steht, ist nicht zuletzt der Chamer Waldgenossenschaft Städtli zu verdanken. Sie wandte sich mit einer Einsprache gegen die ursprünglichen Pläne des Bundes, beim Städtlerwald nur eine Fuss- und Radwegpassage zu bauen.

In ihrem Rechtsmittel verlangte die Organisation, dass die Brücke auch der ökologischen Vernetzung und der forstwirtschaftlichen Erschliessung dienen müsse. Dank einer Einigung mit den Behörden konnte das Bauwerk schliesslich als Mehrzweckübergang realisiert werden.

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Somit ist die Brücke im Querschnitt zu einem Viertel bekiest und dem Personenübergang vorbehalten. Die übrigen drei Viertel sind für die kleinen Wildtiere reserviert. Dieser Grünstreifen ist als Naturboden angelegt und mit Ast- und Steinhaufen durchsetzt.

Weiteres Vorgehen

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Gerade diese Strukturelemente wie Ast- und Steinhaufen gilt es in Zukunft zu unterhalten und zu ergänzen, damit die kleinen Säugetiere und Reptilien die nötige Deckung finden. Im Weiteren empfiehlt der erste Untersuchungsbericht, die Grünfläche zweimal pro Jahr zu mähen und dabei den ersten Schnitt nicht zu spät vorzunehmen, damit die Blütendichte erhöht werden kann.

1 Kommentar

  • Grob Andrea

    Super!!!!! Tolle Projekt ,das freut einem sehr.Gratulation…

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