© Lorna Mitchell, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
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Der Wert des Kükenleben steigt                    

  • Cécile Villiger
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Was vom Konsumenten von Bioprodukten gerne verdrängt wird; für die Bio-Eierproduktion werden in der Schweiz jährlich eine halbe Million Küken getötet. Alnatura Deutschland startete Anfang Oktober die Bruderküken-Initiative. Das Ziel: Das Bio-Handelsunternehmen will langfristig nur noch Eier von Legehennen anbieten, deren männliche Geschwister („Bruderküken“) als Mastpoulet aufgezogen werden.  In der Schweiz gibt es ähnliche Ansätze, Biosuisse hinkt noch hinterher.

Bio = glückliche Tiere?

Wer Bio kauft ist meist auch an artgerechter Haltung der Tiere interessiert. Doch biologisch produziert heisst nicht umbedingt, dass das Tierleben mehr Wert hat, jedenfalls bislang nicht für die Brüder der Bio-Legehennen. Jährlich werden in der Schweiz 500’000 männliche Bio-Küken vergast, in Deutschland sind es sogar acht Millionen. Dies will nun Alnatura Deutschland ändern. Die ersten Bruderküken-Eier wurden bereits in zwei Bundesländer ausgeliefert. Das neue Konzept soll nach und nach ausgeweitet werden.

Was in Deutschland beginnt, kennt man in Österreichs Bio-Branche schon lange. Dort werden die männlichen Küken seit Anfang dieses Jahres zu Masthähnchen aufgezogen. Meist landet das Fleisch in Wurstwaren, da die Hähne zu wenig Fleisch ansetzen für die beliebten Poulet-Brüste, schreibt die NZZ.

Bio-Labels versprechen artgerechte Tierhaltung und Produkte von glücklichen Tieren. So ist das Schicksal der männlichen Küken bei den Bio-Konsumenten ein Dorn im Auge und das Image der Branche leidet. Nach unseren Nachbarländern möchte auch Biosuisse bis Ende Jahr ein Plan für weiteres Vorgehen ausgereift haben.

Zuchtlinie mit wenig Fleisch am Knochen

Bislang  kommen sowohl in konventionellen als auch in Bio-Ställen fast nur noch Hennen zum Einsatz, die ausschliesslich zum Eierlegen gezüchtet sind. Durch diese Spezialisierung in der Zucht haben Legehennen ihre ursprüngliche Eigenschaft verloren, sowohl Eier als auch Fleisch zu liefern, und sind damit als Masttiere nicht mehr geeignet. Folglich setzen auch deren männlichen Nachkommen zu wenig und nur sehr langsam Fleisch an. Damit sind sie unwirtschaftlich, sie werden als Eintagsküken getötet.

Bruderhahn-Poulet

Einige Schweizer Bauern verkaufen aus eigener Initiative Bruderhähne oder sind Mitglied bei der gemeinnützigen Organisation KAGfreiland. Dieses  verkauft seit Beginn 2016 ein Teil Eier unter dem Label „Henne und Hahn„. Die Junghähne werden aufgezogen und dann zum Verzehr verkauft.

Bei Coop gibts Kompromisshühner

Coop hat ein anderes Konzept. Für einen Aufpreis kann man seit zwei Jahren Eier und Fleisch von sogenanntes Zweinutzungshühner kaufen. Das sind Hennen und Hähne aus einer Zuchtlinie, bei der auf Eier- und Fleischleistung geachtet wird. Die Legehennen legen 60 bis 70 weniger Eier pro Jahr und die Hähne setzen rund zehn Prozent weniger Fleisch an.

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