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Der Umwelt im Kanton Zürich den Puls messen

  • Redaktion Naturschutz
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Wie steht es um die Umwelt im Kanton Zürich? Welche Umweltziele hat sich der Kanton gesetzt, und ist er auf Kurs? Der neueste Umweltbericht zeigt, dass in vielen Bereichen die Richtung stimmt. So wurden die Abwasserreinigung und Abfallverwertung weiter verbessert, und der CO2-Ausstoss konnte reduziert werden. In anderen Bereichen besteht aber weiterhin grosser Handlungsbedarf, beispielsweise beim Erhalten der Artenvielfalt

Der Artikel von Christina Bühler informiert im Journal „Zürcher Umweltpraxis“ der Baudirektion des Kanton Zürichs über Konsum, Verbrauch und deren Auswirkungen auf die Umwelt.

Der Kanton Zürich hat im Dezember 2014 den siebten Umweltbericht veröffentlicht. Dieser zeigt altbekannte und neue Herausforderungen auf, weist aber auch auf positive Veränderungen hin. Um die Umweltsituation stetig zu verbessern, hat sich der Kanton Zürich Ziele gesetzt. Im Bericht wird aufgezeigt, ob und wo diese Ziele erreicht worden sind.

Verkehr setzt Umwelt weiterhin unter Druck

Der Verkehr im Kanton Zürich hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Dies ist hauptsächlich auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen, denn es zeigt sich beim Mobilitätsverhalten ein kleiner Lichtblick: Die insgesamt zurückgelegte Wegstrecke pro Kopf hat sich seit Jahren erstmals stabilisiert, die motorisiert zurückgelegte Wegstrecke hat zwischen 2000 und 2010 sogar um knapp zehn Prozent abgenommen. Das hohe Verkehrsaufkommen führt zu einer anhaltend hohen Lärmbelastung der Bevölkerung. 42 Prozent der Ein- wohnerinnen und Einwohner sind Lärmbelastungen über dem Planungswert ausgesetzt. Vor allem der Anteil sehr stark vom Strassenlärm betroffener Bevölkerung über dem Alarmwert ist weiter angestiegen.
Die Luftqualität im Kanton Zürich hat sich trotz Verkehrswachstum leicht verbessert. Dies ist den weiterentwickelten und damit besser gewordenen Abgastechnologien der Fahrzeuge zu verdanken. Die Grenzwerte für Stickstoff, Feinstaub und Ozon werden jedoch immer noch zu oft überschritten. Vor allem in städtischen Räumen ist die Bevölkerung weiterhin hohen Luftschadstoffbelastungen ausgesetzt.

Fortschritte bei Abfallverwertung und Abwasserreinigung

Bisher konnten die Mikroverunreinigungen, das sind kleinste Spuren von organischen Stoffen wie zum Beispiel Pflanzenschutzmittel oder Medikamente, durch die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) nur ungenügend entfernt werden. Solche Mikroverunreinigungen können sich jedoch problematisch auf die Wasserlebewesen auswirken. Um dieser Problematik zu begegnen, wurden neue Reinigungsstufen getestet und zum Teil bereits erfolgreich eingeführt. Als Pionierin gilt die ARA Dübendorf, welche mit der zusätzlichen Ozonungsstufe auch die Mikroverunreinigungen grösstenteils entfernen kann.
Die Wiederverwertbarkeit von Abfällen konnte weiter verbessert werden. Auch die Energiegewinnung aus Kehrichtverbrennungsanlagen(KVA),Biomassenkraftwerken und Vergärungsanlagen konnte in den letzten Jahren stetig vergrössert werden. Fortschritte wurden auch bei der Rückgewinnung von Metallen aus dem Filterstaub und der Schlacke von KVA erzielt.

Klimawandel: Doppelstrategie ist gefragt

Der Klimawandel ist eine der grössten globalen Herausforderungen.EineTrendwende ist jedoch nur möglich, wenn auch lokal gehandelt wird. Der Kanton Zürich hat sich deshalb das Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoss pro Kopf zu reduzieren. Erfreulicherweise stimmt die Richtung: Dank verbesserter Energieeffizienz (z. B. von Fahrzeugen) und vermehrtem Einsatz erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung von Gebäuden, konnte der Pro-Kopf-Ausstoss von CO2 seit 1990 um eine Tonne auf aktuell fünf Tonnen gesenkt werden. Nicht nur pro Kopf, auch insgesamt sind die CO2-Emissionen zurückgegangen. Auch wenn der Ausstoss von CO2 in den nächsten Jahrzehnten verringert werden kann, wird der Klimawandel stattfinden – wenn auch weniger ausgeprägt. Der Kanton Zürich verfolgt deshalb eine Doppelstrategie: Neben einer Reduktion des CO2-Ausstosses braucht es in vielen Bereichen Massnahmen, um besser gegenüber dem Klimawandel gewappnet zu sein. So werden beim Hochwasserschutz Extrem- ereignisse berücksichtigt, Trinkwasserverbunde verhindern Engpässe, während Hitzeperioden, und ein naturnaher, mit verschiedenen Baumarten ausgestatteter Wald ist gegenüber Klima- änderungen besser gewappnet.

«Düngung aus der Luft» lässt Waldböden versauern

Aufgrund der Nutztierhaltung in der Landwirtschaft sowie durch Abgase von Motorfahrzeugen ist die Menge an Stickstoff, die über die Luft in die Böden gelangt, hoch geblieben. Dieser Stickstoffeintrag kommt einer Düngung gleich und lässt die Waldböden versauern. Dies führt zu einer Unterversorgung der Bäume mit lebensnotwendigen Nährstoffen wie zum Beispiel Phosphor und beeinträchtigt die Gesundheit der Wälder. Die Bäume werden dadurch anfälliger gegenüber Sturmschäden oder Schädlingsbefall. Auch artenreiche Biotope wie Moore oder Trockenwiesen leiden unter der unerwünschten Düngung aus der Luft. Nährstoffliebende Pflanzen breiten sich aus und verdrängen Arten, die auf nährstoffarme Biotope angewiesen sind. Der Kanton Zürich will mit seinem «Ressourcenprojekt Ammoniak», die Emissionen von Stickstoff aus der Landwirtschaft reduzieren. Unter anderem wird das Ausbringen der Gülle mit dem Schleppschlauch gefördert.

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Der Stickstoff-Eintrag in die Böden ist anhaltend hoch. Der Schleppschlauch beim Düngen reduziert die Emissionen aus der Landwirtschaft. © ALN

Schwindende Artenvielfalt

Die einheimische Artenvielfalt ist im Kanton Zürich erneut zurückgegangen. Viele Bestände haben weiter abgenommen oder sind zu klein, um ein langfristiges Überleben zu sichern. Dies ist in erster Linie auf die intensive Nutzung des Raums zurückzuführen, wodurch Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten verloren gehen. In vielen Lebensräumen verschwinden zunehmend die Spezialisten , gleichzeitig nehmen die «Generalisten» weiter zu. Um dem Verschwinden der Spezialisten unter den Arten entgegenzuwirken, werden verschiedene Fördermassnahmen umgesetzt. Diese Naturschutzmassnahmen führen jedoch nur punktuell zu Erfolgen, sie vermögen den Verlust der Artenvielfalt und die weitere Ausbreitung von «Allerweltsarten» nicht zu stoppen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Journal Zürcher Umweltpraxis (ZUP) 22. Jahrgang

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