© Kecko [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Der Streit um die Röhre geht in eine neue Runde

  • Judith Schärer
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Der Abstimmungskampf zur Vorlage für eine zweite Gotthardröhre ist eingeläutet: Bundesrätin Doris Leuthard gab am Dienstag den Startschuss dazu. Sicherheit und Nachhaltigkeit waren dabei die Schlüsselargumenten für die Rechtfertigung des Baus einer 2. Röhre. Kaum überzeugend, wie viele Kritiker sich einig sind.

Zwei Tunnelröhren mit nur je einer Spur sollen dem in der Verfassung verankerten Ausbauverbot für Transitstrassen im Alpenraum entsprechen. Dieser Ansatz sei aber teuer, ineffizient und in dreifacher Hinsicht ungeeignet, schreibt beispielsweise die NZZ. Erstens liesse sich der Ansatz an Tagen mit Stau kaum aufrechterhalten, wenn zwischen Göschenen und Airolo effektiv vier Spuren zur Verfügung stehen. Zweitens würde die physische Existenz einer zweiten Röhre die Schweiz in Transitfragen erpressbar machen, was angesichts der ungeklärten Zukunft des Verhältnisses mit der EU wesentlich ist. Drittens sei die postulierte maximale Sicherheit relativ – die Beratungsstelle für Unfallverhütung beispielsweise könne darin in einer nationalen Betrachtung nur einen geringen Effekt erkennen.

Der Bundesrat stelle mit der vorgeschlagenen Sanierung des Gotthard-Strassentunnels durch den Bau einer 2. Röhre seine eigenen Verkehrsziele auf den Kopf, ist sich auch der VCS sicher. Die 24 Milliarden Franken, welche die Schweizer Bevölkerung für den des Eisenbahn-Jahrhundertprojekts NEAT aufgewendet hat, würden durch eine 2. Röhre untergraben und die versprochene Verlagerung von der Strasse auf die Schiene zunichte gemacht. Mit den Plänen für eine zweite Gotthard-Strassenröhre würden im Inland und in der EU falsche Signale gesendet. Eine zweite Strassenröhre am Gotthard würde die Transportbranche animieren, ihre Transportvolumen auf der Strasse weiter auszubauen. Der VCS bedauert, dass der Bundesrat sich dazu hinreissen liess, auf einen zweiten Autobahntunnel zu setzen. Eine klare Fehlinvestition.

Zudem würden künftig 2 statt 1 Million Lastwagen durch die Alpen fahren, denn der Gotthard würde zur kürzesten und attraktivsten vierspurigen Verbindung zwischen Nord- und Süd-Europa, wie der Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» feststellt. Der Mehrverkehr von EU-Lastwagen wäre der Sicherheit am Gotthard abträglich, hinzu kommt, dass der Mehrverkehr mehr Lärm und eine stärkere Luftverschmutzung nach sich zieht – zu Lasten unserer Gesundheit.

«Der  Verfassungsartikel zu Verlagerung und Alpenschutz wird seit 20 Jahren nicht durchgesetzt, sondern verschleppt und verwässert, das ist inakzeptabel.» sagt Jon Pult, Co-Präsident Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» und Präsident der  Alpen-Initiative. Am 20. Februar 1994 hatten 52 Prozent der Stimmenden, der Kanton Tessin und alle Deutschschweizer Kantone ohne Aargau den Alpenschutzartikel angenommen. Er verankerte die Verlagerung des alpenquerenden Transitverkehrs auf die Schiene in der Bundesverfassung; seither ist dort die Erhöhung der Transitstrassenkapazität im Alpenraum explizit untersagt.

Über 50 Organisationen setzen alles daran, dass die Stimmbevölkerung am 28. Februar 2016 eine 2. Röhre ablehnen wird.

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