© Lukas Litz Obb [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
© Lukas Litz Obb [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Der (Oster-)Hase im Portrait                     

  • Mélanie Guillebeau
  • 2

Jährlich werden Tausende Feldhasen rekrutiert, um Kinder und auch Erwachsene weltweit mit Schokolade und Zuckereiern zu bereichern. Lernen Sie mehr über den hoppelnden Schokoladen-Kurier und erfahren Sie, wieso bereits jetzt Personalmangel bei den Osterhasen herrscht. 

„Auf meinen Ostereinsätzen bin ich, wie auch sonst, lieber alleine unterwegs. Dank meinen kräftigen Hinterbeinen kann ich auf eine Geschwindigkeit von fast 70 Kilometern pro Stunde beschleunigen und bin daher bei meiner Arbeit, und auch auf der Flucht vor Feinden, besonders effizient.“ – Der Feldhase Lepus europaeus.

Verbreitung: In ganz Europa ist der Feldhase unterwegs, um uns Ostern zu versüssen. Lediglich in den arktischen Teilen Skandinaviens und weiten Teilen der Iberischen Halbinsel müssen die Bewohner auf die Dienste der Osterhasen verzichten.

Lebensraum: Feldhasen waren früher in Steppen zu Hause. Dementsprechend besiedeln sie bevorzugt offene Landschaften wie Äcker, Wiesen, Weiden und Brachen. Er ist vorwiegend im Tieflandbereich, wie zum Beispiel im Schweizer Mittelland, aber auch in Alpengebieten auf bis zu 1800 Metern über Meer anzutreffen.

Aussehen: Rund 60 bis 70 Zentimeter gross werden Hasen. Seine langen Ohren, deren Spitzen dunkel gefärbt sind, machen wohl den Grossteil. Sein Fell ist schokoladenbraun bis leicht gräulich gefärbt.

Dank seiner Fellfärbung ist er gut getarnt. | © Corine Bliek [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Dank seiner Fellfärbung ist er gut getarnt. | © Corine Bliek [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Behausung: Feldhasen ziehen sich in sogenannte Sassen zurück. Dabei handelt es sich um Mulden, die vorzugsweise durch Gräser oder eine Hecke vor den ungewollten Blicken der Fressfeinde geschützt sind.

Nachwuchs: Von Januar bis März, rechtzeitig bevor das Ostergeschäft startet, findet bei den Feldhasen die Paarungszeit statt. Rund sechs Wochen später erblicken die Nachwuchs-Osterhasen das Licht der Welt. Bis zu viermal kann eine Häsin zwischen Februar und August Junge austragen, womit sie im Ausnahmefall 20 Jungen gebären kann.

Nahrung: Die Nahrung von Feldhasen besteht zwar hauptsächlich aus Kräutern und Gräsern, ist aber dennoch sehr artenreich. Bei Hasen, wie auch Kaninchen, durchläuft die Nahrung den Darm zweimal. Wird die Nahrung zum ersten Mal ausgeschieden, ist der Kot sehr weich (Blinddarmkot) und wird vom Feldhasen sogleich verspeist. Erst beim zweiten Darmdurchgang können alle Nährstoffe aufgenommen werden und ein kompakter und fasriger Kot wird ausgeschieden.

Kot von einem Feldhasen, der bereits zum zweiten Mal verdaut wurde. | © Jon Sullivan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Kot von einem Feldhasen, der bereits zum zweiten Mal verdaut wurde. | © Jon Sullivan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wie kam der Feldhase zu seinem Job?

Feldhasen waren zu Beginn nicht die einzigen Kandidaten für die Stelle als Osterhase. Auch der Fuchs, der Esel, der Kuckuck und der Storch buhlten um den begehrten Job. Schlussendlich empfand man den Feldhasen als passendsten Aspiranten aufgrund seiner hohen Fortpflanzungsrate. Schliesslich ist im Frühling und an Ostern, dem Fest der Auferstehung und des Lebens, die Fruchtbarkeit ein zentraler Aspekt.

Osterhasen-Nachahmer

Es gibt zwei weitere Tierarten, die dem Feldhasen im Aussehen ähneln und durchaus als Osterhasen durchgehen könnten. Zum einen ist dies der Schneehase, welcher in Alpentälern seinen Lebensraum mit dem Feldhasen teilt. Im Winter trägt der Schneehase sein unverkennbares, weisses Fell, im Sommer jedoch hüllt er sich in sein graubraunes Gewand. Während dieser Zeit kann man ihn aufgrund der kürzeren Ohren und dem kleineren Schwanz vom Feldhasen unterscheiden.

Im Sommer ist der Schneehase leicht mit einem Feldhasen zu verwechseln. Ein wichtiger Unterschied sind aber seine kurzen Ohren. | © Andrew [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Im Sommer ist der Schneehase leicht mit einem Feldhasen zu verwechseln. Ein wichtiger Unterschied sind aber seine kurzen Ohren. | © Andrew [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Zum anderen treffen Feldhasen auf Wildkaninchen, wenn auch äusserst selten. Der Körperbau von Wildkaninchen ist aber im Allgemeinen viel zierlicher und die Ohren zudem kürzer.

Wildkaninchen gleichen dem Feldhasen ebenfalls, sind aber weit zierlicher gebaut. | © Jochen Bullerjahn [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Wildkaninchen gleichen dem Feldhasen ebenfalls, sind aber weit zierlicher gebaut. | © Jochen Bullerjahn [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Personalmangel beim Osterhasen

Wie der WWF Schweiz verlauten lässt, nehmen die Bestände des langohrigen Gesellen leider seit den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts massiv ab: Wurden in den 90er Jahre noch durchschnittlich 4.5 Feldhasen pro Hundert Quadratkilometer gesichtet, sanken die Beobachtungen im Jahr 2010 auf 2.3 Feldhasen. Ein starker Abwärtstrend zeigt sich vor allem in Grünlandgebieten, wo nur noch 1.3 Feldhasen pro Hundert Quadratkilometer anzutreffen sind. In diesem Habitat ist das häufige und frühe Mähen für viele Jungtiere tödlich und damit ein stark limitierender Faktor.

In der Zentralschweiz kommt es aber noch schlimmer. In der Umgebung Luzern ist der Feldhase in vier von sechs untersuchten Gegenden beinahe verschwunden. Ein Grund für den starken Rückgang ist die intensivierte Landwirtschaft, die mit abnehmenden Versteckmöglichkeiten und Nahrungsquellen einhergeht.

„Man weiss heute, wie dem Feldhasen zu helfen ist“, sagt Kurt Eichenberger, Leitung Regionalstellen WWF Uri und Luzern. „Dieses Jahr suchen wir in einem ersten Schritt innovative Landwirte im Kanton Luzern und Zug, die ihr Getreide dünner aussähen oder bereit sind, Buntbrachen anders anzulegen.“

Und für Feldhasen, wie auch für Frösche und Wildtiere, stellt die Fragmentierung der Lebensräume aufgrund von Siedlungen und Strassen ein grosses Problem dar. Hinzu kommt, dass Populationen von Füchsen, Hunden und Katzen, die Jagd auf Feldhasen machen, zugelegt haben. Alles in allem hat dies soweit geführt, dass der Feldhase auf der Roten Liste der gefährdeten Säugetiere der Schweiz steht.

Weitere Informationen zum Feldhasen finden Sie auf der Website von Pro Natura und des NABU.

2 Kommentare

  • Ernst Leuenberger

    Leider wird die Chemie nirgends erwähnt ! Ganz schlimm ist die Unsitte der Landwirtschaft, ganze Felder abzutöten. Der Feldhase frisst gerne Wildkräuter, und diese wiederum nennt der Mensch Unkraut. Es ist schlimm, was da abgeht. Was sollen die Hasen in den leeren Getreide – Reihen ? Da gibt es sicher nichts spezielles zu fressen. Und die nächste Buntbrache ist km-weit entfernt. Da kommen dann die lieben Hunde und Katzen ins Spiel. Ich weiss wovon ich schreibe, als ehem. Jagdaufseher. In unserer Gemeinde ist die Bach-und z.T. Heckenpflege (den Strassen entlang) in den Händen des Bauamtes. Diese Leute nehmen nun keine Rücksicht ! Sauber muss es sein, kein Ast-kein Steinhaufen. Gemulcht wird bis unter die Grasnarbe ! Weder bodenbrütende Insekten, Bodenbrüter, wie Vögel, Kleinsäuger usw. haben grossräumig keine Überlebenschance.
    Ernst Leuenberger

    Antworten
  • Päsc

    1 Hase pro Hundert Quadratkilometer ist wirklich nicht viel.
    Dann haben wir in der Schweiz nur 400 Hasen.

    Antworten

Beitrag kommentieren


Rolling Stones - Grächen Tourismus