Ein mit Lebensmittelfarbe behandelter Testfisch. Deutlich ist die blaue Urinwolke zu erkennen. © Institut für Ökologie und Evolution, Universität Bern.
Ein mit Lebensmittelfarbe behandelter Testfisch. Deutlich ist die blaue Urinwolke zu erkennen. © Institut für Ökologie und Evolution, Universität Bern.

Der Buntbarsch ist manchmal «angepisst»

  • Cécile Villiger
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Der Buntbarsch «Prinzessin vom Tanganjikasee» verfügt nicht nur über ein grosses Reportoire an Drohgesten, sondern kommuniziert seine Agressivität auch geruchlich. Hierzu verändert er während der Kämpfe ihr Urinierverhalten.

Aggressives Verhalten ist im Tierreich weit verbreitet. Tiere kämpfen, um einen hohen sozialen Status zu erlangen, Paarungspartner zu beeindrucken oder Territorien zu erobern. Oft sind solche Kämpfe kostspielig: die Kontrahenten können Verletzungen davon tragen oder durch ihr auffälliges Verhalten Konkurrenten oder Räuber anlocken. Um diese Kosten zu verringern greifen viele Arten auf eine Reihe von Drohgesten zurück: Katzen buckeln, Hunde knurren und Fische stellen ihre Flossen auf um grösser zu erscheinen.

In diesem Kontext sind bisher geruchliche Drohgebärden wenig untersucht worden. Forscher der Abteilung für Verhaltensökologie der Universität Bern sind dieser geruchlichen Kommunikation auf den Grund gegangen.

Geruchliche Kommunikation

Kommunikation durch Geruchsstoffe ist ein bekanntes Phänomen im Tierreich. Geruch wird zum Beispiel zum Aufspüren von potentiellen Paarungspartnern verwendet, oder zum unterscheiden von bekannten und fremden Individuen. Über die Rolle von geruchlicher Information während aggressiver Auseinandersetzungen ist jedoch weniger bekannt. Vor allem bei Tierarten mit komplexen Sozialsystemen würde man erwarten, dass Kommunikation zwischen Individuen auf vielen unterschiedlichen Kanälen statt findet.

Die Buntbarschart «Prinzessin vom Tanganjikasee» (Neolamprologus pulcher) lebt in komplexen sozialen Gruppen, in denen rangnidriege Tiere einem dominanten Brutpaar bei der Aufzucht der Jungen helfen. Unter diesen Umständen sind Streitigkeiten sowohl innerhalb der eigenen Gruppe als auch Nachbarn an der Tagesordnung. Bisher war vor allem bekannt, dass Streitigkeiten zwischen diesen Fischen mit auffälligen Drohverhalten entschieden werden.

Urin als Signal

Das Berner Forscherteam untersuchte nun, ob die Tiere auch über geruchliche Signale kommunizieren. Hierzu wurde den Tieren harmlose blaue Lebensmittelfarbe injiziert. Diese färbt den Fischurin innerhalb weniger Stunden blau, so dass jedes Urinieren im klaren Wasser sichtbar wurde. Danach wurden je ein grosser und ein kleiner Fisch in ein Aquarium gesetzt. Um Verletzungen zu vermeiden wurden sie durch eine Plexiglasplatte voneinander getrennt. In der Hälfte der Versuche befanden sich in der Platte Löcher, so dass Geruchaustausch zwischen den beiden Abteilen möglich war, in der anderen Hälfte war die Platte undurchlässig. Beide Abteile waren mit einer kleinen Höhle ausgestattet. Jeder Fisch besass so ein Territorium, welches er gegen den Artgenossen zu verteidigen hatte. Die Forscher notierten nun, wann die Fische Urin abgaben und wie sich der Kampf entwickelte. Die Kontrahenten gaben Urin ausschliesslich kombiniert mit visuellen Drohgesten ab. Wenn der Wasseraustausch unterbunden wurde, stieg die Menge des abgegebenen Urins und die Anzahl an Drohgesten deutlich an. Kleinere Fische zeigten unter diesen Umständen ausserdem unangemessen viele Angriffe auf grössere Fische, ein Verhalten dass unter natürlichen Bedingungen ein hohes Verletzungsrisiko mit sich bringen würde.

Die Forschenden schliessen aus diesen Ergebnissen, dass der Geruch des Urins eine wichtige Rolle in der richtigen Einschätzung des Kontrahenten während aggressiver Interaktionen spielt. Da der Mensch im Gegensatz zu visuellen und akustischen Drohgesten chemische Stoffe schlechter wahrnimmt, können geruchliche Informationen auch während Kämpfen anderer Tierarten eine wichtigere Rolle einnehmen als bislang angenommen.

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