© Pascal Junod
© Pascal Junod

Der Binding Waldpreis 2015 geht an einen Wirtschaftswald mit Uraltbäumen

  • Kathrin Ruprecht
  • 1

Uraltbäume spielen für den Artenschutz eine grosse Rolle und erhöhen die Stabilität des Waldes. Dies hat die Waadtländer Gemeinde Baulmes früh erkannt und schützt die Baumriesen seit langem. Sie erhält für ihre Pionierarbeit den mit 200’000 Franken höchstdotierten Umweltpreis der Schweiz – den Binding Waldpreis.

Uraltbäume im Schweizer Wald heutzutage selten

Gestiegene Nachfrage nach Energieholz, sinkende Holzpreise und rationell geführte Forstbetriebe verdrängen heute ganzheitliche Waldbewirtschaftungsformen mit ökologischen Ansätzen, schreibt die Sophie und Karl Binding Stiftung. Ein Nebeneinander von Holznutzung und Artenschutz, im Fachjargon integrative Bewirtschaftung genannt, verliert an Interesse. Durch intensivierte Holznutzung erreichen Bäume nur noch selten hohes Alter und werden bereits in ihrer ersten potentiellen Lebenshälfte gefällt. Doch Uraltbäume erhöhen den ökologischen Wert des Waldes markant. Je älter ein Baum ist, desto mehr Mikrolebensräume für Insekten, Vögel, Flechten etc. trägt er. Uralte Habitatsbäume sind mit ihren Höhlen, Rissen, Rindenschürfungen und ihrem Kronentotholz für viele Arten lebenswichtig.

Schutz der Baumriesen hat in Baulmes Tradition

Diesen ökologischen Wert sowie die soziale Bedeutung von Uraltbäumen hat die Waadtländer Gemeinde Baulmes bereits früh erkannt. Sie schützt diese seit hundert Jahren. Geeignete Uraltbäume werden seit 1966 gekennzeichnet und dürfen ihren biologischen Kreislauf bis zum Absterben und Verrotten vollenden. Über 7000 Bäume haben inzwischen Stämme mit einem Umfang von mehr als zwei Metern. Sie stehen verteilt auf der 954 Hektaren grossen Waldfläche und den 318 Hektaren umfassenden Wytweiden von Baulmes.

Prachtsexemplare unter ihnen erhalten Namen wie „Président d’honneur“, „Sapin Président“, oder „Chêne Président“ und werden von der Bevölkerung jährlich besucht und gewürdigt. Eindrückliche Begegnungen mit den Baumriesen erleben die Waldbesucher auch auf dem Lehrpfad der Baumriesen, dem „Sentier des géants“. Mächtigkeit und Magie der Methusalembäume werden dort emotional spürbar.

Baumschutz und Holznutzung fein austariert

Baulmes setzt sich nicht nur für den langjährigen Schutz einzelner markanter Uraltbäume ein. Die Gemeinde zeigt auch, dass neben Schutz und Vernetzung von Uraltbäumen eine erfolgreiche Holzproduktion möglich ist – trotz widrigen Umständen auf dem Holzmarkt. Baulmes praktiziert bewusst integrative Waldbewirtschaftung.

Selbst zwei Waldreservate und ein 50-jähriger Nutzungsverzicht eines Eichenbestandes haben Platz neben ihrer aktiven Bewirtschaftung des Holzvorrates und dem optimalen Ausschöpfen des Holzzuwachspotentials.

Die vorbildhafte Integration von Uraltbäumen im Wirtschaftswald wird sich auch zukünftig bewähren. Laut Studien erreichen Waldbestände mit Uraltbäumen im Hinblick auf den Klimawandel eine grössere Stabilität. Durch ihren höheren Artenreichtum werden sie resistenter gegenüber Krankheiten oder Insektenbefall und erholen sich auch schneller wieder.

1 Kommentar

  • marco altorfer

    Bravo. Aber meist fehlen an den ausschlaggebenden Posten die dazugehörigen schlauen Köpfe. In Baulmes wurde schon früh mit Weitsicht und Naturverständnis der Wald bewirtschaftet.
    Es gibt auch hier im Appenzeller Vorderland einige Stellen mit riesigen Buchen und Weisstannen, aber ob diese Bäume geschützt sind entzieht sich meiner Kenntnis. Im nahen Umkreis wurden in den letzten Jahren eine alte Eiche und gigantische Lärchen gefällt.

    Antworten

Beitrag kommentieren