Biber

Dem Biber den Marsch geblasen?

  • Nora Kieselbach
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Pro Natura zeigt sich in einer aktuellen Pressemitteilung enttäuscht über die Revision der heute in Kraft gesetzten Jagdverordnung. Neu kann ein Kanton, wenn er weniger Jagdertrag hat, weil ein Luchs oder Wolf bei der natürlichen Regulation der Wildtiere mithilft, die entsprechenden Tiere zum Abschuss freigeben. Pro Natura stört sich jedoch nicht nur an diesem Punkt der neuen Verordnung: Die revidierte Bestimmung ebnet ausserdem den gesetzlichen Boden, um Konflikte mit dem Biber mit dem Gewehr statt mit Weitsicht zu lösen. Das sind aus Sicht von Pro Natura grosse Rückschritte im Umgang mit einheimischen Tieren.

Nicht nur Wolf und Luchs sind also durch die neue Jagdverordnung weniger gut geschützt; auch der Biber kommt vermehrt unter Druck. Mit der neuen Regelung soll die geschützte Art vermehrt abgeschossen werden können. Anstatt dem Biber mit zusätzlichen Gewässerräumen mehr Platz zu gewähren und dadurch Schäden an zu nahe an Flüsse und Bäche heranreichenden Nutzungen zu vermindern, fällt die neue Jagdverordnung für die Biber das Todesurteil, wenn Infrastrukturen gefährdet werden. Dabei schreibt die neue Gewässerschutzverordnung mehr Raum für Gewässer vor. Der Biber ist für die Belebung und Aufwertung der Gewässerräume von grosser Bedeutung und hilft mit seiner Bautätigkeit bei der nötigen Revitalisierung von Gewässern mit. Pro Natura verlangt, dass die Umsetzung der Gewässerräume von den Kantonen rasch vollzogen wird. „Damit können die meisten Biberschäden vermieden werden“, ist Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik bei Pro Natura, überzeugt.

Im Jagdgesetz wird definiert, dass Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen begrenzt werden müssen und die Jagd wird auf die angemessene Nutzung von Wildtierbeständen beschränkt. Innerhalb dieses gesetzlichen Rahmens anerkennt Pro Natura die nachhaltige Jagd in der Schweiz. Die neue Jagdverordnung erweitert jetzt den Schadensbegriff auf Einbussen der Kantone bei der Jagd. Pro Natura kritisiert dies vehement. Die Ausweitung des Schadensbegriffs ist für Pro Natura nicht akzeptabel und wird in der Praxis, wenn überhaupt, nur willkürlich anwendbar sein. Dies wird zu vielen unnötigen Diskussionen führen.

Und auch der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz findet es bedenklich, dass mit der vom Bundesrat beschlossenen Revision der Jagdverordnung geschützte Arten zu Schädlingen gemacht werden. Begrüsst werden hingegen die Ruhezonen für Wildtiere, doch besteht die Gefahr, dass mit der gewählten „Kann-Formulierung“ deren Realisierung durch die Kantone stark verzögert wird. In der heute flächendeckend durch Erholungsbetrieb genutzten Schweiz sind Wildtierruhezonen wichtig und dringend.

Insgesamt sind laut SVS die Verschlechterung gewichtig, die Verbesserungen aber ungenügend. Zudem sind in der Medienmitteilung des Bundes als Verbesserungen des Schutzes erwähnte Punkte rein textlicher Art: Das Rebhuhn ist seit über zwanzig Jahren geschützt, und bereits bisher gilt ein Bleischrotverbot in Flachwasserzonen und Feuchtgebieten.

JagdSchweiz, der Dachverband der Schweizer Jäger, sieht hingegen in der neuen Jagdverordnung gute Grundlagen für eine nachhaltige und tierschutzgerechte Jagd und begrüsst daher die beschlossene Revision. Dass nun Einbussen bei der Nutzung der Jagdregale ebenfalls als Schäden durch geschützte Tierarten wie Wolf, Luchs und Bär in die Verordnung aufgenommen wurden, darf gemäss JagdSchweiz als wichtiger Erfolg bezeichnet werden. Der Bundesrat unterstreiche damit die Legitimation der nachhaltigen Jagd als natürliche Nutzungsform in der Schweiz.

Weitere Informationen

Medienmitteilung Bundesamt für Umwelt BAFU
Medienmitteilung SVS/BirdLife Schweiz
Medienmitteilung Dachverband JagdSchweiz

Bild: Per Harald Olsen (Wikimedia Commons)

 

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