Defizite im Umweltschutz in der Schweiz und international angehen

  • Redaktion Naturschutz
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Anlässlich des internationalen Tages der Umwelt vom 5. Juni 2004 ruft BUWAL-Direktor Philippe Roch auf, den Schutz der Ökosysteme weltweit zu verstärken und den Kampf gegen die Klimaerwärmung voranzutreiben. Die Schweiz spielt eine aktive Rolle in der internationalen Umweltpolitik und soll im eigenen Land die Ziele durch eine umweltverträgliche Raumplanung, den Schutz und die Vernetzung zerschnittener Lebensräume, die Renaturierung von Gewässern und die Umsetzung des CO2-Gesetzes erreichen.

CO2: Bundesrat wird nächstens entscheiden
Sollten die im Gesetz vorgesehenen, bereits ergriffenen freiwilligen Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses nicht ausreichen, braucht es gemäss Roch weitere Massnahmen. Der Bundesrat werde in nächster Zeit über das weitere Vorgehen zur Erreichung des CO2-Reduktionsziels entscheiden, sagte er.

Verlust von Ökosystemen
Der Verlust an Ökosystemen gehe nicht nur weltweit, sondern auch in der Schweiz weiter, sagte Roch. Hauptursachen sind Verkehrswege und Siedlungen, welche natürliche Lebensräume zerschneiden, die Verbauung der Gewässer und die intensive Landwirtschaft. Die laufende Verbauung unseres Landes (pro Sekunde geht ein Quadratmeter Kulturland verloren) und der Trend, immer weiter weg von den Zentren zu wohnen und publikumsintensive Einrichtungen zu bauen, generiert Verkehr und hat negative Einflüsse auf die Natur und den Menschen: Nahezu eine Million Schweizerinnen und Schweizer leiden unter Lärm.
Positive Tendenzen seien gemäss dem Buwal-Direktor jedoch sichtbar: So sei beispielsweise in den letzten Jahren dank entsprechender finanzieller Anreize die Landwirtschaft deutlich ökologischer geworden und leiste damit wieder vermehrt einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Zudem bilde die Landwirtschaft ein wirksames Gegengewicht zum Siedlungsdruck.

Lösungsansätze
Folgende Ansätze sollen gemäss Buwal zur Lösung der Probleme in der Schweiz beitragen:

  • Lebensräume schützen und vernetzen. Damit sich die Kerngebiete der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt und potenzielle Vernetzungsachsen zeigen lassen, wird das Nationale ökologische Netzwerk (REN) aufgebaut. Während die bereits gebauten Wildtierpassagen über Autobahnen und Bahnlinien Wirkung zeigen, müssen in einem weiteren Schritt auch die Lebensräume von Amphibien, Reptilien, Kleinsäugern und Wirbellosen verbessert werden.
  • Industriebrachen besser nutzen. In der Schweiz wären 15 Millionen Quadratmeter (Grösse der Stadt Genf) nutzbar. Diese Industriebrachen sind meistens gut erschlossen und eignen sich für attraktive Umnutzungen. Aus Furcht vor möglichen Altlasten weichen jedoch viele Investoren immer noch auf die „grüne Wiese“ aus.
  • Planungen abstimmen. Verkehrs- und Siedlungsplanung sowie die Umsetzung der ökologischen Ziele müssen künftig noch besser aufeinander abgestimmt werden.
  • Innovativer Lärmschutz. Zudem braucht es im Lärmschutz neue Wege: Ein Lärm/Ruhe-Labeling könnte helfen, die Wohnqualität zu bewerten und das Gut „ruhiges Wohnen“ einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu bringen.
  • Qualitativer Bodenschutz. Die Art der Bodennutzung hat sich besser als bisher an der Beschaffenheit und Empfindlichkeit der verschiedenen Böden zu orientieren.
  • Mehr Naturnähe und weniger Chemie im Wasser. Die Wasserqualität ist in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz markant besser geworden, die Gewässer hingegen sind noch immer zuwenig naturnah und müssen gezielt renaturiert werden. In vielen Fliessgewässer sind heute noch keine angemessenen Restwassermengen gewährleistet. Zudem machen eine Vielzahl, mehrheitlich unbekannter Chemikalien im Wasser den Fischen zu schaffen.
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BUWAL Medienmitteilung

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