© Dom Dada [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Das sinnlose Wettrüsten der Skidestinationen geht weiter

  • Roman Vonwil
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Die Umweltverbände Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL, WWF Graubünden, Pro Natura Graubünden und mountain wilderness sind tief enttäuscht über die Bewilligung eines Vierer-Sessellift zwischen Heimberg und Proschieri. Nachdem auch das Portal Churwalden kurzfristig nicht in der vorgesehenen Form verwirklicht werden kann, wäre eine Denkpause angebracht gewesen, denn die Voraussetzungen für die Rechtfertigung des grossen Eingriffs in Natur und Landschaft des Erholungsgebietes von Parpan sind nicht gegeben.

Der Sessellift Heimberg-Proschieri ist Teil der Verbindung der Skigebiete auf der Ost- und Westseite auf der Lenzerheide und steht in grösserem Zusammenhang mit dem Zusammenschluss der Skigebiete Lenzerheide und Arosa. Gegen diesen Zusammenschluss hatte sich mountain wilderness gewehrt bis zum Zeitpunkt, als im Dezember 2012 ein Kompromiss gefunden und eine Vereinbarung zwischen den Umweltschutzverbänden und den Lenzerheide Bergbahnen (LBB) unterzeichnet wurde. Aufgrund dieser Vereinbarung lenkte mountain wilderness bei der Urdenbahn ein und ermöglichte deren Inbetriebnahme im vergangenen Winter. Im Gegenzug zogen die LBB das Konzessionsgesuch für den Sessellift Heimberg-Proschieri zurück und erklärten sich bereit, andere umwelt- und landschaftsverträgliche Lösungen für die Ost-West-Verbindung zu prüfen.

Die Umweltschutzorganisationen haben gezeigt, dass es mit der Variante Piste-Brücke-Skilift eine umweltfreundlichere Lösung gibt. Allerdings haben die LBB diese Lösung mit einseitig angesetzten Forderungen so sehr belastet, dass an der Einspracheverhandlung der Eindruck erweckt wurde, es gelte nur noch zwischen zwei gleich unbefriedigenden Lösungen zu entscheiden.

Leider scheiterte die Suche nach einer besseren Lösung am Schluss auch am Widerstand der Gemeinde Churwalden, welche nun plötzlich nicht nur eine Ost-West-Verbindung, sondern auch eine neue West-Ost-Verbindung für die Skifahrenden verlangte und auf ihrer „Ideallösung“ einer Vierer-Sesselbahn beharrte. Die vor weniger als zehn Jahren gebaute Skipistenunterführung unter der Kantonsstrasse und die Pisten durch das Dorf Parpan sollen zugunsten der Sicherheit aufgegeben werden. In Tat und Wahrheit geht es darum, die Gemeindestrassen skifahrerfrei für den Autoverkehr aufzuwerten.

Das Sesselbahn-Projekt ist Teil des Gesamtkonzeptes mit dem geplanten neuen Einstiegsportal in Churwalden. Dessen kurzzeitige vollumfängliche Realisierung ist durch die Entwicklungen im Zweitwohnungs-Immobilienmarkt in Frage gestellt. Das Projekt Sesselbahn sollte deshalb mindestens zurückgestellt werden, bis das Portal erstellt ist und funktioniert.

Die Umweltschutzorganisationen werden den Entscheid des Bundesamtes für Verkehr (BAV) und die Möglichkeit des Weiterzugs an das Bundesverwaltungsgericht prüfen. Auch die eidgenössischen Behörden sind bei ihren Entscheiden daran gehalten, die Landschaft zu schonen; existiert eine landschaftsverträglichere Variante, ist dieser der Vorzug zu geben. Die Sesselbahn Heimberg-Proschieri ist unnötig. Der bisherige grosse Erfolg der Skigebietsverbindung Lenzerheide-Arosa kam ohne Sesselbahn Heimberg-Proschieri zustande. Alles Zusätzliche bedeutet sinnloses Wettrüsten.

2 Kommentare

  • Sacha

    Sinnlose Verhinderungspolitik des Naturschutzes. Ich hätte zahlreiche greiffende Argumente welche das Verhalten der Umweltverbände nicht rechtfertigt.

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  • Geissbühler

    Das Portal Churwalden ist nicht zurückgestellt. Gemäß Informationen der LBB und der Gemeinde Churwalden wird die Bahn auf das Heidbühl, mit der zugehörigen Talstation auf die Saison 2015/2016 realisiert.

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