© Pro Natura Schweiz
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Das leise Sterben –
Über die Auswirkung von Pestiziden im Grundwasser

  • Redaktion Naturschutz
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Jährlich gelangen über 2100 Tonnen Pestizide in unsere Umwelt. Die Gifte landen in Bächen und Flüssen, wo sie still und leise kleine Lebewesen töten. Warum uns das nicht egal sein kann, zeigt dieses Video.

Geschrieben von Markus Arn, Kampagnen- Koordinator Pro Natura, und Franziska Kissling, Online-Kommunikation Pro Natura.

Eine Köcherfliegenlarve auf dem Grund eines Bachs nagt genüsslich an einer Alge. Rot und bedrohlich nähern sich ihr Schwaden. Es sind Pestizide, die in den Bach gelangten. Irgendwann wird es zuviel für den kleinen Organismus. Die Köcherfliegenlarve stirbt. Sie und andere vergifteten Leidensgenossen werden gefressen. Die Pestizide sammeln sich in den Fischen an. Schlussendlich sterben auch die Fische in unseren Gewässern.

Was sich anhört wie ein Horrorfilm, geschieht bereits heute und jetzt in unseren Flüssen. Doch was hat das mit uns Menschen zu tun? Der Zustand unserer Fliessgewässer wurde schon vor zwei Jahren mit «Pestizid-Cocktail im Bach» (SRF Rundschau, 14. Oktober 2015) beschrieben. Und bereits finden sich Pestizide im Grundwasser, Spuren davon auch im Trinkwasser.

Alles unter Kontrolle? Über Grenzwerte von Pestiziden

Alles kein Problem in der gut regulierten Schweiz? Wir glauben oft, dass unser Wasser durch gut kontrollierte Toleranzwerte ausreichend geschützt ist. Die Sendung «Kassensturz» vom 13. Juni 2017 deckte aber auf: «Die Zulassungsbehörde stuft die Risiken der Gifte absichtlich zu tief ein». Die argrochemische Industrie profitiert seit Langem von der Art und Weise, wie Zulassungsverfahren in der Schweiz durchgeführt werden.

Bei der grossen Pestizid-Lobby verwundert es auch nicht, dass Toleranzwerte immer wieder in Frage gestellt werden. Ab wann ist die Konzentration von Pestiziden zu hoch? Das Bundesamt für Umwelt führte Messungen durch, mit dem Ergebnis:

«In knapp 80 Prozent der analysierten Proben überschritt mindestens ein Pestizid die geltenden Toleranzwerte.» Bundesamt für Umwelt, Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität, 2017

Auch andere Studien zeigen: Immer mehr und verschiedenste Pestizide landen in unseren Fliessgewässern. Die Kontrolle ist schwierig bis unmöglich. Hauptverursacherin ist die intensive Landwirtschaft.

Wer bezahlt das alles? Über Zahlen und Fakten

Weltweit werden Pestizide im Wert von 60 Milliarden Franken verkauft. Die Gesundheit von Menschen oder das Sterben von Kleinlebewesen in Fliessgewässern scheinen dabei eine Nebenrolle zu spielen, obwohl Kleinlebewesen und schliesslich der Mensch die Quittung bezahlen:

  • Zum einen lässt unser Pestizideinsatz die Biodiversität schwinden. Bereits jetzt sterben Arten, weil die Konzentration an Giften zu hoch ist. Der Fund von Pestiziden im Grundwasser ist zudem auch ein grosses Risiko für unsere Gesundheit.
  • Zum anderen müssen die Steuerzahlenden gemäss der Studie Volkswirtschaftliche Kosten des Pestizideinsatzes in der Schweiz aus dem Jahr 2014 rund 50 bis 100 Mio. CHF pro Jahr für Ausgaben im Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden zahlen. So etwa für die Aufbereitung des Trinkwassers sowie für die Kosten für die Regulierungsaufwände. Für jeden Franken, der für Pestizide ausgegeben wird, legt die Schweizer Bevölkerung also 80 Rappen dazu.

Und jetzt? Was tun

Die Situation in den Schweizer Fliessgewässern ist kritisch. Wir müssen dringend handeln. Denn es gibt gute Lösungen. Vision Landwirtschaft hält im Pestizid-Reduktionsplan Schweiz fest:

«Der Einsatz von Pestiziden könnte bis 2020 mit einfach umsetzbaren Massnahmen um 50 Prozent reduziert werden.»

Es braucht ein Umdenken in der Landwirtschaft. Darum engagiert sich Pro Natura auch auf politischer Ebene. Wir fordern vom Bundesrat eine neue Pestizidpolitik und wollen einen griffigen Aktionsplan für die Reduktion von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft.

Und schlussendlich können auch wir alle etwas beitragen. Wer keine Pestizide in Gewässern will, kauft biologisch produzierte Lebensmittel. Und auch im privaten Garten sollte man auf den Einsatz von Pestiziden verzichten.

Weitere Informationen unter https://www.pronatura.ch/pestizide

3 Kommentare

  • Salome

    Hallo Werner
    meine Fragen (untenstehend) richten sich an Sie. Offenbar wissen Sie ja Bescheid. Freue mich auf Ihre Antwort.

    Antworten
  • Salome

    Welche Pestizide sind es denn Ihrer Meinung nach, die in 80% der Proben einen zu hohen Wert erreichten? Woher könnten sie denn stammen, dass sie an so vielen Orten ( Orte der Probeentnahmen) auffindbar sind? Aus den Schrebergärten oder Privatgärten? …aus dem Wald auf jeden Fall nicht!

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  • Werner

    Händ au mal studiert weli Pestizid i 80 Prozent vo de Probe feschtgschtelt worde sind? Die sprützt siht Jahre kein Puur me. Und für die andere gits bereits ischränkige. De rescht kund ned us de Landwirtschaft. Freu mich auf eine Antwort

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