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Das blaue Gold

  • Judith Schärer
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Der goldgelbe Honig, den die fleissigen Bienen weltweit produzieren, kann durchaus auch einmal farblich aus der Reihe tanzen. So beispielsweise in Fayetteville, wo der blaue Honig bereits als Geheimtipp gehandelt wird. Auch in Europa entdeckte man schon blaues Gold – dank einem Süssigkeitenproduzenten.

Jedes Jahr erwarten die Bienenzüchter in und um Fayetteville gespannt, ob sie in ihren Bienenstöcken blauen Honig entdecken. Nicht alle Bienen produzieren den blauen Honig und auch nicht jedes Jahr kann man diesen erwarten, wie lokale Medien erklären. Wie der Honig zu seiner blauen Farbe gelangt, ist immer noch ein Rätsel. Laut den lokalen Bienenzüchtern wurde in den letzten 100 Jahren der spezielle blaue Honig in einem Umkreis von etwa 50 Meilen rund um Fayetteville immer wieder entdeckt. Doch auch wenn man in einem Jahr das Glück hat, den blauen Honig bei sich sammeln zu können, bedeutet dies nicht, dass es im nächsten Jahr wieder der Fall sein wird. Dadurch gewinnt der spezielle Saft etwas Exklusives und ist sehr gefragt. Genauso mysteriös wie sein Vorkommen ist seine Entstehung. Niemand weiss genau, welcher Vorgang dem Honig  seine blaue Farbe verleiht, auch wenn viele Bienenexperten ihre Theorien haben. Einige glauben, dass die amerikanische Heidelbeere den Honig färbt. Gewisse Wissenschaftler widersprechen jedoch dieser Theorie und behaupten, der Nektar des Sauerbaums (Oxydendrum arboreum) führe zu dem Effekt, da er in einem Boden mit hohem Aluminium- und Magnesiumgehalt wächst und sein spezieller Nektar den einzigartigen Honig hervorbringt. Bestätigt ist allerdings keine der Theorien. Ungeachtet dem Prozess, wie der Honig seine Farbe erlangt, ist die blaue Flüssigkeit durch sein seltenes Vorkommen und einen speziell süssen Geschmack ein gesuchtes Gut.

Bienen mögen M&Ms

Auch im nordostfranzösischen Ribeauville gab es verdutzte Bienenzüchter, welche eines Tages plötzlich blau gefärbten Honig entdeckten. Dies war jedoch ein einzelner Vorfall und scheint auch erklärbar zu sein. In einer nahegelegenen Biogas-Anlage wurde der Abfall einer M&M’s-Fabrik verwertet. Die Überbleibsel der bunten Süssigkeiten wurden in Containern gelagert – ein gefundenes Fressen für die Bienenvölker der Region.

Die Verantwortlichen der Biogas-Anlage reagierten umgehend, als sie von den Imkern auf das Problem aufmerksam gemacht wurden. Sie reinigten umgehend die Container und bewahrten von da an den M&M’s-Müll in einer geschlossenen Halle auf. Für die Imker kamen diese Massnahmen aber zu spät. Sie konnten im Gegensatz zu ihren amerikanischen Genossen der blauen Kreation ihrer Bienen nichts abgewinnen. «Für mich ist das kein Honig. Wir können das nicht verkaufen», klagte der Präsident der lokalen Imker-Vereinigung im «Telegraph».

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