Immer öfters landen nicht-abbaubare Plastiktüten im Kompost. | © Trevor Made [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Immer öfters landen nicht-abbaubare Plastiktüten im Kompost. | © Trevor Made [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Das „Bio“ in Bioplastik steht nicht zwingend für biologisch abbaubar

  • Mélanie Guillebeau
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Eine Vielzahl ehemaliger Plastik-Wegwerfartikel kann mittlerweile zu Kompost verarbeitet werden. Voraussetzung ist deren biologische Abbaubarkeit. Des Öfteren enden aber nicht-kompostierbare Plastikabfälle in der Grünabfuhr.

Dem Konsumenten werden Teller, Trinkbecher und Abfallsäcke aus biologisch abbaubarem Biokunststoff (BAW) angeboten, welche ohne Bedenken in die grüne Tonne geworfen werden können. Auf diesem Wege finden in der Schweiz 20 Prozent der jährlich 3000 hergestellten Tonnen BAW-Produkte zurück in die Natur – zum Beispiel als Dünger auf dem Feld. Vermeintlich abbaubare Bio-Plastiksäckli machen sich dabei auf den Feldern nicht gut, finden jedoch, zum Unmut der Landwirte, vermehrt den Weg in den Kompost. Die Ursache des Problems ist in vielen Fällen die missverständliche Deklarierung von Biokunststoff-Gütern.

Denn das „Bio“ in Bioplastik ist nicht mit biologisch abbaubar gleichzusetzen. Innerhalb der biologischen Kunststoffe gibt es einen wichtigen und entscheidenden Unterschied in der Bezeichnung: Zum einen ist von „bio-basierten“ oder „aus erneuerbaren Ressourcen hergestellten“ Biokunststoffen die Rede, zum anderen besteht die Deklaration „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“. Und nur letztere Bezeichnung ist die Gewährleistung für einen vollständigen Abbau des Kunststoffes und dessen Umsetzung zu Kompost.

© James Gagen [CC-BY-SA-2.0], via flickr
Nebst Zuckerrohr werden auch weitere erneuerbare Ressourcen wie Palmblätter oder stärkehaltige Pflanzen zur Biokunststoff-Herstellung verwendet. | © James Gagen [CC-BY-SA-2.0], via flickr

Für manche mag dies augenscheinlich wirken, doch aus Sicht des BAFU erschwert eine undurchsichtige und verwirrende Deklaration der Biokunststoffe vielen Konsumenten die korrekte Entsorgung. Daher soll folgende Aufstellung für Klarheit sorgen:

  • Biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW): BAW’s sind, wie der Name schon verrät, biologisch abbaubar. Nachwachsende Ressourcen sind nicht zwingend Grundlage für deren Herstellung, aber trotzdem dienen mehrheitlich Zuckerrohr- und Palmblätter als Basis. Gegebenenfalls kommen auch fossile Ressourcen zum Einsatz.
  • Biokunststoffe: Wird oft als Synonym von BAW benutzt. Biokunststoffe umfassen aber auch Kunststoffe, die zwar auf erneuerbaren Ressourcen basieren, aber nicht biologisch abbaubar sind.
  • „aus erneuerbaren Ressourcen hergestellt“ oder „bio-basiert“: Diese Bezeichnung verspricht eine Herstellung aus erneuerbaren Quellen, setzt aber keine biologische Abbaubarkeit voraus.
  • „biologisch abbaubar“, „kompostierbar“ oder „vergärbar“: Diese Kunststoffe werden durch natürlich auftretende Mikroorganismen vollständig abgebaut und in Wasser, Kohlenstoffdioxid und Biomasse umgewandelt. Bei Abfallsäcken dienen aufgedruckte Gitterlinien als Kennzeichen für die Kompostierbarkeit des verwendeten Plastiks. Es muss beachtet werden, dass bei der hauseigenen Kompostierung die Temperaturen in der Regel nicht genügend hoch für einen kompletten Abbau sind, wie es in industriellen Kompostieranlagen der Fall ist.
© www.wabool.ch
Die aufgedruckten Gitterlinien sind ein Zeichen für die biologische Abbaubarkeit des Abfallsackes. | © www.wabool.ch

Momentan machen Biokunststoffe nur 0.01 Prozent aller gesammelten Bioabfälle aus. Es gibt diesbezüglich also noch viel Spielraum nach oben.

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