@ Flavio Camus [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
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Darwins Nasenfrosch verschwindet  

  • Julia Hatzl
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Der einzigartige Darwin- oder Nasenfrosch ist der nächste Vertreter der Amphibien, dessen Schicksal wohl besiegelt ist. Der Grund ist der gleiche, wie bei so vielen anderen Arten: Die Chytridiomykose-Pandemie.

Wie Forscher der Universität Zürich in einem internationalen Forschungsprojekt belegen, stirbt Darwins Nasenfrosch (Rhinoderma darwinii) langsam aus. Sie fordern nun dringend Rettungsmassnahmen. Die winzige Froschart, die nur so gross wie ein Daumennagel wird, wurde vom Evolutionsbiologen Charles Darwin in den Wäldern Südargentiniens und Chiles entdeckt. Seine geringe Grösse macht es ausserordentlich schwer ihn zu finden. Das Forscherteam mit Benedikt Schmidt von der Universität Zürich hat nun festgestellt, dass die Nasenfrösche immer weniger werden. Der Grund dafür sei die Infektion mit dem Pilz Batrachochytrium dendrobatidis, auch Chytridpilz genannt. Bis dato galt die Art als relativ resistent gegenüber dem Pilz. Durch die neuen Erkenntnisse befürchten die Forscher jedoch, dass vom Pilz befallene Populationen innerhalb von 15 Jahren nach der Infektion aussterben werden.

Chytridinfektionen stellen ein weltweites Problem für Amphibien dar. Batrachochytrium salamandrivorans, auch Salamanderfresser bekannt, gehört ebenfalls zur Klasse der Chytridpilze. Die Infektion mit dem Salamanderfresser folgt zu dem typischen Massensterben der Tiere, im Gegensatz zum beobachteten Infektionsverlauf bei den Nasenfröschen (naturschutz.ch berichtete). Noch ist nicht ganz geklärt, was den Pilz so tödlich macht. Der Pilz befällt jeweils nur die obersten Hautschichten und führt zu Veränderungen in der Hautstruktur. Da bei Amphibien ein grosser Teil der Atmung über die Haut stattfindet, ist die Haut nur sehr dünn und muss immer feucht gehalten werden. Man vermutet, dass der Pilz entweder Toxine absondert oder den Wasser- und Elektrolythaushalt der Tiere stört, mit tödlichen Konsequenzen.

Andere Dynamik als in anderen Amphibienpopulationen

Bisher galt diese einzigartige Art als relativ stabil im Vergleich zu vielen anderen Amphibienarten, die weltweit durch den Pilz ausgelöscht werden. Es kann jedoch sein, dass die Frösche bereits vor einem Jahrzehnt infiziert worden sind und die Auswirkungen erst jetzt sichtbar werden. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse fordern die Wissenschaftler der chilenischen Universität Andres Bello, der NGO Ranita de Darwin, der Zoological Society of London und der UZH dringend Rettungsmassnahmen.

«Sobald ein Tier mit dem Pilz infiziert ist, wird es fast sicher sterben», sagt Erstautor, Andrés Valenzuela von der Zoologoical Society of London. Ungewöhnlich ist, dass trotz sehr niedrigen Infektionsraten und ohne das bei andern Fröschen beobachtete Massensterben die infizierten Darwinfrösche dennoch zum Aussterben bestimmt sind.

Langsames Aussterben auch bei anderen Tierarten

Benedikt Schmidt vom Institut fügt hinzu:

«Was wir am Beispiel des bekannten Darwinfrosches herausgefunden haben, könnte für andere Arten ebenso gravierend sein. Wir haben schon lange erkannt, dass der Chytridpilz die Amphibien weltweit befällt. Wir nahmen jedoch an, dass die Auswirkungen der Krankheit auf die Wirtspopulationen schnell sichtbar würden.»

Er befürchtet, dass ähnlich langsames Absterben auch weitere Wildtierarten in anderen Regionen betreffen könnte. So könnte es zu längerfristigen Populationsrückgängen und Aussterben ohne offensichtliches Massensterben kommen.

Die Studie zur Chytridinfektion des Darwinfrosches wurde von The Royal Society publiziert. Weitere Informationen finden Sie in der Medienmitteilung der UZH.

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