Coop will Kleintiere aus Gärten verbannen

  • Eliane Küpfer
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Unter dem Vorwand der Zecken-Prävention rief die CoopZeitung dazu auf, Hecken und Blumenwiesen aus dem Garten zu verbannen und durch eine Wüste aus Steinen und Beton zu ersetzen. So hat man garantiert keine Zecken. Zudem rieten sie, das Grundstück einzu- zäunen, damit zeckentragende Kleinsäuger, damit sind vorwiegend die Igel gemeint, keinen Zutritt haben. Diese Ratschläge stehen in einem krassen Gegensatz zu dem, was Naturschützer zur Förderung der Biodiversität raten und sind daher extrem kontraproduktiv. Zudem gibt es bessere Wege sich vor Zecken zu schützen.

In der Stadt haben Gärten eine wichtige Trittsteinfunktion, denn das urbane Gebiet mit den vielen Strassen und Betonarealen ist für die meisten Tierarten eine Wüste. Igel zum Beispiel profitieren von vielseitigen Gärten – sie nutzen den Lebensraum in der Stadt geschickt um auf Nahrungssuche zu gehen und überqueren dabei auch einmal eine Strasse. Gut strukturierte Gärten sind für Igel wichtig, damit sie auf kleinstem Raum alle Lebens- grundlagen, also genügend Futter zu jeder Saison, Schlaf- plätze und Artgenossen zur Fortpflanzung finden. Zäune und Mauern um Grundstücke sind eines der grössten Hindernisse für Igel, denn sie haben keine Chance einen dichten Zaun zu überwinden.

Von vielfältigen, gut strukturierten Gärten mit Hecken und Laubhäufen profitieren auch viele andere Tiere. Vögel nutzen einheimische Hecken zum brüten und für die Nahrungssuche. Schattige Hecken bieten im trockenen Sommer zudem wichtige Rückzugsorte für viele nützliche Insekten und deren Larven, wie beispielsweise für die Florfliege.

Von Asthaufen profitieren prächtige Hirschkäfer, deren Larven sich über viele Jahre entwickeln und nur von morschem, ver- pilztem und feuchtem Totholz ernähren. Die Gänge der Käferlarven werden wiederum von Wildbienen als Brutstätte genutzt. Aber auch Amphibien, wie der Glögglifrosch und nützliche Räuber, wie das Hermelin ziehen sich gerne in Asthaufen zurück. Von der Wärme, die in offenen Komposthäufen entsteht, profitieren viele Reptilien. Ringelnattern nutzen sie im Frühjahr als Eiablageplätze und ab Herbst zum überwintern. Für Blindschleichen bieten sie zudem Schutz und Nahrungsgrundlage, denn die Nutztiere ernähren sich von Schnecken und kleinen Insekten. Schliesslich kann ein Garten sogar helfen, die Wildpflan- zenpopulationen beidseits der Stadt miteinander zu verknüpfen und somit die genetische Durchmischung zu gewährleisten.

Biodiversität verhindert Krankheiten
Es gibt zudem einen weiteren positiven Effekt von einem vielseitigen Ökosystem. Wie das deutsche Ärzteblatt schreibt, gibt es auf der Insel Madeira kaum Borreliose. Grund: auf der Insel leben mehr Eidechsen als Mäuse und Eidechsen haben keine Borreliose. Vielmehr stirbt das Bakterium sogar ab, wenn eine infizierte Zecke das Blut einer Eidechse trinkt. In der Krank- heitsökologie ist dieses Phänomen schon lange bekannt: je mehr Wirte in einem System sind, desto grösser ist die Chance, dass ein Krankheitserreger auf den falschen trifft und stirbt, oder dass eine Wirtspopulation mit ihren Krankheiten lokal aus- stirbt und nicht infizierte Tiere das Gebiet neu besetzen. Vielfalt dämmt in der Natur also die Ausbreitung von Krankheiten ein. Es sind die Monokulturen, die Epidemien begünstigen.

Prävention gegen Zecken
Die kleinen Spinnentiere haben es in sich: Sie können verschiedene schwere Krankheiten, wie die Lyme-Borreliose, über- tragen. Zudem ist ein Biss kaum zu spüren und wird daher oft erst spät bemerkt. Was hilft also um einen Zeckenbiss zu verhindern? Zum einen ist es ratsam bei Streifzügen durchs hohe Gras oder in den Wald lange Kleidung zu tragen. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden. Sollte sich eine Zecke festgebissen haben, sollte diese in den ersten 8 Stunden entfernt werden – dann ist das Risiko einer Borreliose-Infektion gering. Ein Zeckenbiss muss gut beobachtet werden und sollten nach einer Woche oder gar einem Monat Rötungen auftreten, muss die Stelle dem Arzt gezeigt werden. Wer sich viel im Freien aufhält, kann sich bereits im Winter gegen Zeckenkrankheiten impfen lassen.

Bild: Hrald [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Artikel Coop Zeitung

Igelzentrum Zürich

NABU

Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz

Ärzteblatt

3 Kommentare

  • Martina Müller

    Im Artikel wird erwähnt, man könne sich im Winter gegen Zeckenkrankheiten impfen. Diese Aussage ist falsch. Man kann sich gegen das seltene FSME-Virus impfen, das von Zecken übertragen wird. Gegen alle anderen von Zecken übertragenen Krankheiten wie z.B. Borreliose, Rickettsiose, Ehrlichiose, Babesiose etc. steht keine Impfung zur Verfügung.

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  • Rainer

    Zur Beziehung zwischen Madeira-Eidechse (Teira dugesii) und Borrelien gibt es inzwischen eine neuere Arbeit von de Sousa et al. (2012): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3346372/
    Nun müsste nur noch jemand untersuchen, wie es zwischen unseren einheimischen Eidechsen (Mauereidechse, Zauneidechse, Waldeidechse und Westliche Smaragdeidechse) und Borrelia burgdorferi läuft. Vor allem Mauer- und Zauneidechse wären hier im Zusammenhang mit Hausgärten relevant.

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