Climatop-Label in der Kritik

  • Redaktion Naturschutz
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bananen_pixelio2Das Label Climatop zeichnet klimafreundliche Produkte aus. Nun erntet es laut der Zeitschrift „Beobachter Natur“ Kritik von Experten: Die Produktvergleiche seien nicht zulässig, und das Label bringe den Konsumenten nichts.

Auf Unverständnis stösst bei den Experten beispielsweise, dass die Bananen von Chiquita das Label erhalten haben – obwohl ihre CO2-Bilanz viel schlechter ist als jene von einheimischen, saisonalen Früchten. Der Fehler liegt laut „Beobachter Natur“ im System: Climatop zeichnet jeweils den klimafreundlichsten Artikel einer Produktgruppe aus, Bananen werden also nur mit Bananen verglichen. Allerdings sei auch das gar nicht möglich, denn die CO2-Bilanzen der verschiedenen Bananen-Marken seien – wie bei den meisten Produkten – gar nicht verfügbar. Chiquita-Bananen seien daher lediglich mit Literaturwerten einer „Durchschnittsbanane“ verglichen worden. Zudem habe Chiquita das Label bekommen, obwohl die Firma lediglich 17,6 Prozent CO2 einspare – allein wegen einer neuen Transportbox.

Auch Babywindeln der Marke „Babydream“ erhielten laut „Beobachter Natur“ beispielsweise das Climatop-Label, obwohl nur gerade zwei Produkte derselben Firma verglichen wurden. Fragwürdig war auch das Vorgehen beim Geschirrspülmittel „Handymatic Pulversachets phosphatfrei“, das ebenfalls das Climatop-Label trägt. Verglichen wurden gemäss nur fünf Produkte. Ausschlaggebend für das gute Abschneiden der Sachets war, dass die Beutel schon bei 45 statt bei 55 Grad Waschtemperatur eingesetzt werden können. Der Schutz des Klimas erfolgt also allein durch den Konsumenten, der, sofern er die Geschirrspülmaschine denn auch richtig einstellt. Trotzdem konnte die Migros in ihrem Magazin schreiben: «Die Klimabelastung [durch die Sachets] ist um 25 Prozent tiefer als bei der Konkurrenz.» – «Natürlich hoffen wir, dass wir bald mehr Produkte vergleichen können», verteidigte Heinz Schmid von Climatop das Vorgehen. Für Experten ist laut Beobachter Natur aber klar, dass das Label so für Kunden nutzlos ist.

Ärgerlich ist das Vorgehen von Climatop aber nicht nur für die Kunden, sondern vor allem auch für die anderen Produktehersteller. So könnte es laut „Beobachter Natur“ zum Beispiel sein, dass Biobananen von Max Havelaar die bessere CO2-Bilanz aufweisen als Chiquita-Bananen. Um das Climatop-Label zu erhalten, müsste nun Max Havelaar aber eine sehr teure CO2-Bilanz wie auch eine Umweltbilanz erstellen lassen und auch noch den Vergleich finanzieren, sonst hätte sie keine Chance, das Label zu erhalten. Faktisch müssen sich Firmen also „einkaufen“, um das Label zu erhalten. Komme hinzu, dass Climatop mit der Stiftung myclimate verbandelt ist, und dass myclimate genau solche Analysen für sehr viel Geld anbietet.

Bericht von Beobachter Natur

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