CIPRA-Tagung über Gletscher

  • Barbara Darani
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70 Teilnehmer aus mehreren Alpenländern diskutierten an der internationalen Tagung „Schmelzende Gletscher am Hausberg – was nun?“ vom 24. und 25. September 2009 in Crans-Montana über die Herausforderung der schmelzenden alpinen Gletscher. Referate und Beispiele veranschaulichten, welche Probleme für Gletschergemeinden und Bergnutzende durch das Gletscherschmelzen entstehen können und wie diesen entgegengetreten werden kann. Die Alpenschutzkommission CIPRA richtete die Tagung im Rahmen ihres cc.alps-Projektes in Zusammenarbeit mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz aus.

Gletscher sind einzigartige natürliche Klimaindikatoren: Sie veranschaulichen auf
eindrucksvolle Weise, wie stark sich das Klima in den letzten Jahrhunderten verändert hat. Die Schönheit der Gletscher ist zudem ein Symbol für die Alpen, mit dem Tausende von Tourismusveranstaltern rund um die Welt werben. Und Gletscher sind eine unersetzbare Wasserreserve für ganz Europa. Millionen von Menschen in Europa sind in trockenen Zeiten vom Wasser der Gletscher abhängig, wie Professor Wilfried Haeberli von der Universität Zürich anlässlich der CIPRA-Tagung sagte. „Der Mangel an Wasserressourcen während längerer Trockenperioden kann in Zukunft Wirt-
schaft und Lebensbedingungen ernsthaft beeinträchtigen“, betonte der Glaziologe weiter. Es müsse sofort etwas geschehen, um sie zu retten. Gemeinden müssen schnell handeln, um den Tourismus klimafreundlich zu gestalten. Im Naturgefahren- und Wasserbereich hängt aber vieles von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Alpenländern ab.

Klima-Tourismus-Experte Bruno Abegg warf die provokative Frage auf, warum denn die
Gletscher unbedingt für die Bedürfnisse der Touristen gerettet werden sollten. In 50 bis 100 Jahren würden Menschen leben, die womöglich noch nie Gletscher gesehen hätten und diese deswegen auch nicht vermissen würden. „Sie haben andere Bedürfnisse, besonders aus touristischer Sicht“, sagte der Leiter des ExpertInnenteams von cc.alps. Dass die Gletscher nicht allein aus touristischen Interessen erhalten werden müssen, das
wurde an der Tagung besonders deutlich. Der alpine Wasserhaushalt ist ein komplexes
System. Viele Menschen sind betroffen, wenn die Wasserressourcen der meisten Gletscher in wenigen Jahren für immer verschwinden. Für die Politik und insbesondere die Gemeinden ist ein nachhaltiger Umgang mit dem Klimawandel eine grosse Herausforderung. Gletschergemeinden haben dabei eine besondere Stellung.

Im Anschluss an die Referate vertieften die TeilnehmerInnen in kleinen Arbeitsgruppen diese Themen. Exkursionen zum Gletscher der „Plaine Morte“ und zu den Suonen ermöglichten ihnen des Weiteren, die Probleme der Wasserversorgung und der schrumpfenden Gletscher mit eigenen Augen vor Ort zu erfassen. Weitere Informationen und Präsentationen der Tagungsvorträge sind hier abrufbar.

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