Gaskraftwerk

Chavalon vom BAFU „reingewaschen“?

  • Nora Kieselbach
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Das Bundesamt für Umwelt BAFU und die Betreiberin des umstrittenen Gas- und Dampfkombikraftwerks Chavalon (VS) haben heute einen CO2-Kompensationsvertrag unterzeichnet. Er regelt, wie das Kraftwerk den Ausstoss des Klima schädigenden CO2 kompensiert; etwa durch Investitionen in Programme zur besseren Nutzung der Abwärme bei Infrastrukturanlagen und zur Betriebsoptimierung in grossen Gebäuden. Die Gaskraftwerk-Gegner zeigen sich in ersten Stellungnahmen wenig erfreut über den Entscheid.

Das Schweizer CO2-Gesetz schreibt vor, dass Gaskraftwerke ihren CO2-Ausstoss zu 100 Prozent kompensieren müssen; gemäss Reglement mindestens 70 Prozent davon im Inland. Die Details der Kompensation wurden nun nach mehrjährigen Verhandlungen in einem Vertrag zwischen den Kraftwerkbetreibern, der Société Centrale Thermique de Vouvry SA (CTV), und dem Bundesamt für Umwelt BAFU geregelt. Um die jährlich anfallenden 0,7 bis 1,2 Millionen Tonnen CO2 im Inland zu kompensieren, will CTV in Programme zur besseren Nutzung der Abwärme bei Infrastrukturanlagen und zur Betriebsoptimierung in grossen Gebäuden investieren. Die Kompensation im Ausland kann gemäss Kompensationsvertrag beispielsweise durch den Kauf von Zertifikaten erfolgen.

Das BAFU zeigt sich anlässlich der Vertragsunterzeichnung zufrieden, denn mit dem Instrument der vertraglichen Kompensationspflicht lasse sich der vermeintliche Widerspruch zwischen den Zielen der Klima- und Energiepolitik überbrücken. Mehr noch: dank der Kompensationspflicht habe der Betrieb eines Gaskraftwerkes für das Klima längerfristig sogar einen positiven Effekt […] – Medienmitteilung BAFU weiter lesen

Entrüstet hingegen reagiert WWF Schweiz auf die Unterzeichnung des CO2-Kompensationsvertrages und spricht von einem beschämenden „Greenwashing für Gaskraftwerke“; der Vertrag sei eine Gefälligkeit des BAFU gegenüber den Chavalon-Promotoren […] – Reaktion WWF Schweiz weiter lesen

Und auch die Schweizerische Energie-Stiftung SES zeigt sich in einer Mitteilung enttäuscht – für die SES machen Gaskraftwerke in der Schweiz grundsätzlich keinen Sinn. Diese seien ineffizient, produzieren zu viel CO2 und widersprechen vor allem auch der neuen Energiestrategie des Bundes. Das Gas-und Kombikraftwerk sei ausserdem im Walliser Chavalon am schlechtest geeigneten Standort geplant: einerseits kann an diesem abgelegenen Ort die Abwärme nicht genutzt werden kann; andererseits ist das Walliser Stromnetz bereits heute zu Spitzenzeiten überlastet, so dass mit diesem zusätzlichen Kraftwerk der Druck auf den Bau von neuen Hochspannungsleitungen im Wallis weiter zunehmen dürfte […] – Stellungnahme SES weiter lesen

Bild: JanKrajewski [CC-BY-3.0] via Wikimedia Commons

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