FSC, Label, Wald, Holz

Carouge spart ausgezeichnet Papier

  • Nora Kieselbach
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Die Gemeinde Carouge bei Genf hat den zum zweiten Mal verliehenen Preis Urwaldfreundliche Gemeinde 2012 zugesprochen erhalten. Die Auszeichnung, die mit einem Scheck in der Höhe von 5000 Franken verbunden ist, honoriert das besondere Engagement der Gemeinde für eine nachhaltige Beschaffung im Papier- und Holzbereich. Während bei Papier der Akzent auf Recyclingpapier liegt, sollen Holzprodukte möglichst aus einheimischem oder grenznahem Wald stammen; Importware soll wenn immer möglich mit dem FSC-Label versehen sein, um Holzprodukte aus Raubbau zu unterbinden, wie die Aktion „urwaldfreundliche Gemeinden“ informiert.

Carouge hat die Kriterien der Aktion „urwaldfreundliche Gemeinden“ – welche vom Bruno Manser Fonds BMF und vom FUPS (Förderverein für umweltverträgliche Papiere und Büroökologie Schweiz) getragen wird – in der Vergangenheit vorbildlich umgesetzt. Der Gemeinde geht es bei der Beschaffung nämlich nicht um das günstigste Angebot, sondern dass das Holz in erster Linie aus Schweizer oder mindestens Europäischen Wäldern stammt. Carouge’s Grüner Stadtrat Nicolas Walder, zuständig für Stadtplanung, Mobilität und Umwelt, achtet auch bei Bauaufträgen auf die Herkunft des verwendeten Holzes.

Die 20’000 Einwohner-Gemeinde hat schon viel geleistet: Kopierpapier etwa wird zu über 80 Prozent in Recyclingqualität verwendet, und beim Toilettenpapier – immerhin 15’000 Rollen pro Jahr – und den Papierhandtüchern setzt Carouge komplett auf Recyclingfasern. Über diese Beschaffungsphilosophie hinaus setzt Carouge seit diesem Jahr zudem vermehrt auf Vermeidung. So soll eine Weisung verabschiedet werden, die alle 250 Gemeindemitarbeitenden dazu anhält, Kopien und Ausdrucke systematisch beidseitig anzufertigen, und zwar auch offizielle Briefe. Sämtliche Computer und Kopiergeräte sind bereits entsprechend programmiert. Eine eigene Software soll gerätespezifisch erfassen, ob dies auch umgesetzt wird.

Als Gemeinde mit einer „Lokalen Agenda 21“ und dem „Energiestadt“-Label bemüht sich Carouge auch, die Bevölkerung in den Nachhaltigkeitsgedanken einzubeziehen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Kinderkrippen: so werden schon die Zwei- bis Vierjährigen spielerisch dazu angehalten, Altpapier zu trennen oder auf der Toilette sparsam mit den Papierhandtüchern umzugehen. Jahr für Jahr lernen so 500 Kleinkinder Ökotipps – und geben diese womöglich auch an ihre Geschwister und Eltern weiter. Dass die Botschaft ankommt, zeigte eine zehntägige Testphase: Der Verbrauch an Papierhandtüchern ging um einen Viertel, der Wasserverbrauch um 14 Prozent zurück.

Über 600 Schweizer Städte und Gemeinden haben sich in den letzten Jahren dazu verpflichtet, ihre Beschaffung von Papier und Holz urwaldfreundlich zu gestalten. Die Aktion „urwaldfreundliche Gemeinden“ will die Behörden dabei unterstützen, eine Vorbildfunktion wahrzunehmen und mit ihrem Handeln hier in der Schweiz dazu beizutragen, die weltweit bedrohten Urwälder mit ihrer Artenvielfalt und ihrer wichtigen Bedeutung fürs Weltklima zu schützen.

Weitere Informationen

Aktion Urwaldfreundliche Gemeinde

Bild: Gerhard Elsner [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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