Jatropha_curcas

Carbon Farming gegen CO2

  • Sophie Ryser
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Zuviel Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre ist ein Hauptgrund für den Klimawandel. Diese Menge zu verringern, könnte also eine Lösung sein. Eine Studie der Universität Hohenheim stellt einen neuen Weg vor, wie grosse Mengen CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden könnten. In Biomasse-Plantagen in Wüstenregionen wird CO2 in Pflanzen gespeichert. Durch Bioenergie aus den Früchten und dem Rückschnitt der Plantage liesse sich ein Teil des Energiebedarfes für die Bewässerung gewinnen. Ihren Ansatz bezeichnen die Forscher als „Carbon Farming“.

„Unsere Methode greift die Ursache des Klimawandels an der Wurzel: Die Erde erwärmt sich, weil der Mensch zu grosse Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Atmosphäre entlässt. Mit dem sogenannten „Carbon Farming“ ziehen wir nun wieder Kohlendioxid aus der Atmosphäre heraus“, erklärt Prof. Dr. Klaus Becker, Erstautor der Studie und Agrarwissenschaftler der Universität Hohenheim. 
„Dabei orientieren wir uns am Vorbild der Natur“ ergänzt sein Hohenheimer Co-Autor, Prof. Dr. Volker Wulfmeyer. „Denn natürliche Prozesse sind technischen Massnahmen meist überlegen – vorausgesetzt, dass wir sie verstehen und nachhaltig einsetzen.“

Der Ansatz des Teams: Anpflanzungen von Jatropha curcas, einem widerstandsfähigen Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Jatropha wächst auch auf kargen, trockenen Böden, die für die Nahrungsmittelproduktion nicht genutzt werden können. Da auch diese Pflanze trotz hoher Dürretoleranz nicht völlig ohne Bewässerung auskommt, wären vor allem Küstenregionen, an denen sich Meerwasser entsalzen liesse, für den Anbau ideal.
 Bereits nach wenigen Jahren produziert die Jatropha-Pflanze ölhaltige Früchte. Aus diesen liesse sich Bioenergie gewinnen, um die Energieerzeugung für Meerwasser-Entsalzung und Bewässerung zu unterstützen.

Pro Hektar Jatropha curcas könnten jährlich bis zu 25 Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden werden – und das über 20 Jahre lang. .
„Eine Fläche von rund einer Milliarde Hektar weltweit eignet sich für „Carbon Farming““, so Prof. Becker. „Damit liesse sich eine signifikante Menge des globalen Kohlendioxid-Ausstosses seit der industriellen Revolution binden.“

„Aufforstung als Geo-Engineering Massnahme erscheint uns als der effizienteste und umweltfreundlichste Ansatz, um den Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre zu verringern. Die Vegetation spielt seit Millionen von Jahren eine Hauptrolle im weltweiten Kohlenstoffzyklus – das unterscheidet sie von vielen anderen sehr technischen und meist sehr teuren Ansätzen“, urteilt Prof. Becker.

 Bis zum ersten Praxistest in grösserem Massstab gilt es jedoch noch einige Hindernisse zu überwinden. Die grössten Herausforderungen seien fehlende finanzielle Mittel und die Notwendigkeit, den möglichen Einfluss der Wüstenbegrünung auf das regionale Klima genauer zu studieren.

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Bild: Immersia [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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