Wie steht es um die Schweizer Gewässer? Das erfahren Sie im 360° Clip. © Arnaud 25 [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Wie steht es um die Schweizer Gewässer? Das erfahren Sie im 360° Clip. © Arnaud 25 [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Bund will Wasserkraft massiv steigern

  • Redaktion Naturschutz
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Die Schweiz plant, die bestehenden Kernkraftwerke nicht mehr zu ersetzen. Um den zukünftigen Strombedarf decken zu können, steht deshalb neben einer verstärkten Energieeffizienz und einer Förderung der neuen erneuerbaren Energien eine stärkere Nutzung der Wasserkraft zur Diskussion. Zurzeit ist der Bund daran, im Rahmen der Energiestrategie 2050 abzuklären, wie viel zusätzliche Energie aus Wasserkraft gewonnen werden kann.

Am Donnerstag wurden die Zwischenresultate dieser Abklärungen an einer Tagung in Solothurn vorgestellt und von verschiedenen Akteuren interpretiert. Der Anlass wurde organisiert von der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch und vom Schweizerischen Wasserwirtschaftsverband SWV. Rund 170 Personen nahmen an der Veranstaltung teil – Vertreter der öffentlichen Hand, von Energieversorgungsunternehmen und von Umweltorganisationen.

Der Bund rechnet gemäss seinen provisorischen Ergebnissen mit einer Steigerung der Nettoproduktion von knapp 4 Terawattstunden– er bestätigt damit die ersten Aussagen vom Mai 2011. Allerdings geht man heute davon aus, dass die Klimaerwärmung bis 2050 nicht zu einem Rückgang der Produktion aus Wasserkraft führen wird. Entsprechend besteht etwas mehr Spielraum, um die Schutzansprüche zu erfüllen. Im Dezember sollen diese Resultate mit den Kantonen, den Wasserkraftwerkbetreibern und den Umweltverbänden validiert werden.
Bedeutsamer als das theoretische Potenzial ist laut der Pusch die Frage, welcher Anteil tatsächlich realisierbar ist. Alle Referierenden waren sich an der Tagung einig, dass eine moderate Steigerung der Wasserkraftnutzung möglich sein sollte. Gemäss Vertretern der Nutzinteressen ist die zusätzliche Nutzung nur möglich, wenn die vorzunehmenden Interessenabwägungen stärker zugunsten der Nutzung ausfallen. Die Vertreter der Schutzinteressen gehen davon aus, dass die bestehende Gesetzgebung bereits genügend Spielraum lasse und konsequent umzusetzen sei.
Als besonders wichtig erachten es gemäss der Pusch alle Betroffenen, dass bei der Festlegung, wo zusätzlich Wasserkraft genutzt werden soll, ein transparentes und verlässliches Vorgehen gewählt wird. Dazu zählt zum Beispiel eine Wassernutzungsstrategie, wie sie der Kanton Bern erarbeitet hat.

Gemäss Pusch sollen primär bestehende Anlagen ausgebaut und erst dann neue Anlagen gebaut werden. Dabei soll ein raumplanerischer Ansatz verfolgt werden: Belastungen dort konzentrieren, wo bereits Belastungen bestehen, dafür andere Gebiete frei halten von der Nutzung. Neue Nutzungen sollen die Anforderungen  des Labels «nature made star» erfüllen.
Auch der  SWV begrüsst den Ausbau der Wasserkraft. Die Standorte für effiziente Nutzungen seien allerdings beschränkt. «Soll das noch vorhandene Potenzial genutzt werden können, braucht es neue Gewichtungen zwischen Schutz- und Nutzungsanliegen sowie neue Regelungen für die Abgeltung von Erneuerungs- und Erweiterungsinvestitionen bei auslaufenden Konzessionen», schreiben Pusch und SWV.

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