Insbesondere Moorlandschaften erleiden einen Verlust an Qualität und Quantität. | © Alexander Burkhardt [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
    Insbesondere Moorlandschaften erleiden einen Verlust an Qualität und Quantität. | © Alexander Burkhardt [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

    Bund bestätigt: Schweizer Biodiversität im Sinkflug

    • Mélanie Guillebeau
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    Ein aktueller Bericht des Bundes bestätigt, was unlängst befürchtet wird: Immer mehr Lebensräume, Pflanzen- und Tierarten sind bedroht. Unter anderem lassen die intensive landwirtschaftliche Nutzung und der übermässige Pestizideinsatz die Schweizer Biodiversität schwinden. 

    Die Ergebnisse der Biodiversitäts-Monitoringprogramme des Bundes liegen endlich in Form des Berichts „Biodiversität der Schweiz: Zustand und Entwicklung“ vor: Nun, der Zustand der Schweizer Biodiversität ist „alarmierend“ und die zukünftige Entwicklung mag nichts Gutes verheissen – es sei denn, wir handeln entsprechend. Somit bestätigt sich also der Verdacht der Schweizer Umweltverbände, die warnten, dass die Vielfalt unserer Lebensräume und ihrer Pflanzen- und Tierarten leidet und die bisher eingeleiteten Massnahmen unzulänglich waren (naturschutz.ch berichtete).

    Über ein Drittel der Flora und Fauna bedroht

    Wie der Bund informiert, schwindet der Bestand als auch die Qualität natürlicher Lebensräume wie Trockenwiesen und Feuchtgebiete. Qualitativ mindere Lebensräume vermögen nicht, ihre ökologische Funktion wahrzunehmen und sind daher auf eine bessere Umsetzung der Schutz- und Unterhaltsmassnahmen angewiesen. Die Schweizer Naturschutzorganisationen BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz hatten in ihrem Bericht schon darauf hingewiesen. Die beeinträchtigte Qualität der Lebensräume spiegelt sich im Zustand der beheimateten Flora und Fauna wieder: Über ein Drittel – weit mehr als in anderen europäischen Ländern – der beobachteten Pflanzen-, Tier- und Pilzarten werden aufgrund der Ergebnisse als bedroht eingestuft.

    Vielfältige Gründe

    Im Mittelland macht den Tieren und Pflanzen insbesondere die intensive Bewirtschaftung durch die Landwirtschaft zu schaffen, die eine Vereinheitlichung und Degradierung der Lebensräume verursacht hat. Es bleiben immer weniger Nischen oder „Spezialstandorte“ erhalten. Die Homogenisierung der Lebensräume wird durch den hohen Eintrag von Nährstoffen (z.B. Stickstoff von Gülle) beschleunigt.

    Löwenzahn, wo das Auge nur hinreicht: Der erhöhte Eintrag von Nährstoffen (z.B. Stickstoff) lässt den Löwenzahn spriessen und verdrängt andere Arten. | © arianta [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
    Löwenzahn, wo das Auge nur hinreicht: Der erhöhte Eintrag von Nährstoffen (z.B. Stickstoff) lässt den Löwenzahn spriessen und verdrängt andere Arten – die Artenzusammensetzung der Wiese wird homogen. | © Crosa [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

    Der häufige Einsatz von Pestiziden im Ackerbau ist verheerend für Insektenpopulationen. Auch in unserem Nachbarland sind die Bestände der Insekten im Sinkflug: In Deutschland ist mancherorts der Fluginsektenbestand seit 1989 um 80 Prozent geschrumpft (naturschutz.ch berichtete). Mit den Insekten geht die Nahrungsgrundlage von wirbellosen Tieren, Vögeln und Amphibien verloren.

    Pestizide sind ein Grund des grossen Insektensterbens. Darunter leiden auch unsere heimischen Vogelarten (hier Mehlschwalbe). | © Dennis Olsen/NTNU [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
    Pestizide sind ein Grund des grossen Insektensterbens. Darunter leiden auch unsere heimischen Vogelarten (hier Mehlschwalbe). | © Dennis Olsen/NTNU [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

    Hinzu kommt, dass Rückstände der Pestizide im Boden verbleiben und dort lebende Organismen schädigen. In der Folge kann die Ökosystemfunktion des Bodens beeinträchtigt werden – schlimmstenfalls bleibt ein karger, unfruchtbarer Boden zurück. Werden die Pestizide durch Regen ausgespült, wird das Giftproblem auf umliegende Gewässer ausgeweitet. Pestizide sind somit mitverantwortlich für die verheerenden Mikroverunreinigungen in Schweizer Bächen und Flüssen.

    Pestizidüberreste und überschüssige Nährstoffe aus der Landwirtschaft werden in unsere Gewässer ausgespült und führen zu starken Verschmutzungen. | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
    In heimischen Gewässern leidet die Artenvielfalt unter den Mikroverunreinigungen (z.B. Pestizide, Nährstoffüberreste aus Düngemitteln), die unter anderem von Feldern eingespült werden oder via Abwasserreinigungsanlagen einfliessen. | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

    Doch der Druck entsteht nicht nur vonseiten der Landwirtschaft. Nicht einheimische Arten sind im Vormarsch und verdrängen teilweise ansässige Arten – oft begünstigt durch klimatische Veränderungen.

    Besserung wird versprochen

    Der Bund ist sich bewusst, dass wir einer reichen Biodiversität viel zu verdanken haben: Unter anderem versorgt sie uns mit sauberer Luft und Trinkwasser, ist die Grundlage für unser Essen und dient als Schutz vor Hochwasser.

    „Mit dem Verlust der biologischen Vielfalt riskieren wir grosse Einbussen für unseren Wohlstand und unser Wohlergehen. Denn das Naturkapital bietet unverzichtbare Leistungen von hohem ökologischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Wert“, heisst es im Bericht des Bundes.

    Nicht alle erkennen Problem

    Dementsprechend sollen auch mehr Ressourcen und Zeit in die Pflege unserer tierischen und pflanzlichen Vielfalt investiert werden. Im Bericht wird weiter betont, dass die abnehmende Vielfalt noch immer von einem Grossteil der Bevölkerung nicht als Problem anerkannt wird und in dieser Hinsicht grosser Handlungsbedarf besteht:

    „Die Gessellschaft gewöhnt sich an die Veränderung, bevor sie die Einbussen erkennt. […] Es ist deshalb wichtig, dass die Wahrnehmung geschärft und dass frühzeitig gehandelt wird.“

    Umweltorganisationen fordern Aktion

    Auch die Umweltorganisationen BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz fordern laut einer gemeinsamen Medienmitteilung, dass angesichts dieses aktuellen Berichts erst recht angepackt wird. „Die benötigten Gelder und personellen Ressourcen“ sollen endlich bereitgestellt werden und der Bund „sich konsequent und engagiert für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen“.

    Weitere Informationen können Sie dem gesamten Bericht „Biodiversität der Schweiz: Zustand und Entwicklung“ des Bundesamtes für Umwelt entnehmen.

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