Haubentaucher

Brutvögel kämpfen mit der Trockenheit

  • Dominique Haiden
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HaubentaucherDas ungewöhnlich warme und trockene Frühjahr hat grosse Auswirkungen auf das Brutgeschäft der Vögel. Einzelne Arten wie der Weissstorch profitieren. Doch viele erleiden Brutverluste oder können gar nicht erst mit Nisten beginnen.

Der Wasserstand am Bodensee, Zugersee und an den Jurarandseen ist so tief wie nie zuvor im Mai. „Für Wasservogelarten wie den Haubentaucher oder das Blässhuhn bedeutet dies, dass sie vielerorts gar nicht erst mit Nisten beginnen können. Viele Schilfsäume stehen auf dem Trockenen. Auf dem offenen See kann kein Vogel brüten“ berichtet Hans Schmid von der Schweizerischen Vogelwarte.

Zu den Gewinnern in diesem Frühjahr zählen die Störche. Bei Regenperioden zur Brutzeit gehen viele Jungstörche ein. Die meisten haben diese kritische Phase schon bald hinter sich. Auch Arten wie der Eisvogel profitieren. Seine Bruthöhle wird sonst bei Frühjahrshochwassern häufig überschwemmt. Dieses Jahr besteht diese Gefahr kaum. Zudem erleichtert der tiefe Wasserstand dem Eisvogel die Jagd nach Fischen.

Der Boden weist vielerorts Risse auf, die Regenwürmer haben sich tief ins Erdreich verkrochen. Für Amseln, Stare und Wacholderdrosseln gibt es im Mai normalerweise Würmer im Überfluss. Dieses Jahr aber dürften viele Junge an Nahrungsmangel eingehen. Schlicht ins Hintertreffen geraten sind heuer auch viele Waldbewohner wie Meisen, Kleiber oder Trauerschnäpper. Bei ihnen ist optimales Timing entscheidend, denn mit Abstand am meisten fette Raupen gibt es kurz nach dem Laubaustrieb. Dieses Jahr wuchs das Laub derart schnell, dass die Waldvögel nicht mithalten konnten. Ihre Jungen schlüpften erst, als der „Raupensegen“ bereits vorbei war.

Schwalben bauen ihre Nester aus Lehm, Grashalmen und Speichel. Den Lehm finden sie üblicherweise an Pfützen. Diese sind längst ausgetrocknet. Damit wird es für sie fast unmöglich, Nester zu bauen. Die extrem frühe Heuernte brachte Bodenbrüter wie die Feldlerche, den Baumpieper oder das Braunkehlchen in noch mehr Schwierigkeiten als sonst. Selbst in Berglagen können sie dieses Jahr kaum Junge aufziehen, da der Mähbalken schon auffährt, kaum ist ein Nest gebaut.

Weitere Informationen

Schweizerische Vogelwarte Sempach

Bild: Marcel Burkhardt

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