Grünbrücke Vernetzungskorridor Wild Wildwechsel Wildbrücke

Brückenbau in einer zerstückelten Landschaft

  • Nora Kieselbach
  • -

Verkehrswege wie Strassen und Eisenbahnlinien gehören zu den wichtigsten Infrastrukturanlagen der heutigen Zeit. Was jedoch für den modernen Menschen Mobilität bedeutet, ist für viele Pflanzen und vor allem auch Tiere ein massiver Eingriff bzw. Einschnitt in ihren Lebensraum. Die Wiedervernetzung solch zerstückelter Lebensräume ist und wird auch in Zukunft eine grosse Herausforderung bleiben, wie umweltnetz-schweiz.ch schreibt.

Die kulturelle und zivilisatorische Entwicklung der Menschheit ist eng mit dem Bau von Verkehrswegen verbunden. Vor der Errichtung von Landwegen und Strassen wurden vor allem Seen und Flüsse als Transportwege genutzt: Für die alten Ägypter war beispielsweise der Nil die wichtigste Lebensader; ähnlich hat auch das Mittelmeer als natürlicher Träger des Schiffsverkehrs früher Hochkulturen gedient. Erst mit der Erfindung und Verbreitung des Rads entstanden erste Strassen und Wege, die die menschliche Mobilität nochmals drastisch erhöht und neue Handels- und Reisedestinationen fernab von Gewässern erschlossen haben.

In einer modernen, vernetzten Welt sind Strassen- und Schienenverbindungen kaum mehr wegzudenken – und die Verkehrsentwicklung geht immer weiter. Das heutige Tempo dieser Entwicklung ist jedoch historisch beispiellos und auch äusserst beunruhigend. Verkehrswege wurden und werden kontinuierlich ausgebaut, und trotzdem stehen täglich Millionen von Menschen im Stau – denn je mehr Verkehrswege entstehen, desto grösser wird das Verkehrsvolumen. Das Resultat ist eine Lärm- und Luftschadstoffproblematik sowie eine Umweltbelastung, die nicht zur Entschärfung der Situation geführt hat.

Ein oft weniger beachteter Negativeffekt der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur ist zudem die Zertrennung von Lebensräumen. Rund 71‘000 km Strassen führen durch die Schweiz und „zerschneiden“ die heimischen Ökosysteme in zahlreiche kleinere Teile. Insbesondere die grösseren Verkehrsachsen bilden für viele Wild- und Weichtiere, aber auch für Amphibien und andere Arten teilweise kaum überwindbare Hürden oder werden gar zur tödlichen Falle. Dies ist nicht nur für die betroffenen Tiere folgenschwer, sondern zuweilen auch für die Verkehrsteilnehmer, wie insbesondere Unfälle mit Wildtieren immer wieder zeigen.

Die baulichen Lösungen zur Wiedervernetzung der durch Verkehrslinien zerstückelten Lebensräume heissen Wildtierpassagen, Querungshilfen oder Grün- bzw. Ökobrücken. In der Schweiz gibt es 38 bestehende wildtierspezifische Bauwerke für grössere Wildsäuger; Sieben weitere sind geplant oder bereits im Bau. Dazu kommt eine unbestimmte Anzahl kleinerer Lösungen. Das Bewusstsein für die Problematik ist also grundsätzlich vorhanden. In Zukunft gilt es daher mit Hilfe einer an Nachhaltigkeit orientierten Verkehrs- und Infrastrukturpolitik, nicht zuletzt den Wildtierpassagen und Querungshilfen für Kleintiere verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.

Weitere Informationen
Mehr über Wildtierkorridore

Umweltnetz Schweiz

Bild: JuergenL [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Beitrag kommentieren