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„Brot! Kein Benzin“

  • Monika Jung
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MWAgrotreibstoffe verschärfen den Hunger und zerstören Tropenwälder. 35 Organisationen und 61’901 besorgte Bürgerinnen und Bürger fordern deshalb mit der heute übergebenen Petition vom Bund strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe in der Schweiz. Die Petition kommt im richtigen Moment: Sie unterstützt einen Gesetzesvorschlag der Umweltkommission des Nationalrats, der sich in der Vernehmlassung befindet.

Der Boom der Agrotreibstoffe ist einer der wichtigsten Gründe für die weltweit Rekord hohen Preise für Lebensmittel und für die massive Entwaldung im Süden. Werden auch die indirekten Auswirkungen berücksichtigt, zum Beispiel durch Veränderung der Bodennutzung, produzieren Agrotreibstoffe ausserdem mehr schädliche Treibhausgase als fossile Treibstoffe. Die Petition fordert deshalb Bundesrat und Parlament auf, strenge Zulassungskriterien zu erlassen, um die negativen Auswirkungen der Produktion und des Handels von Agrotreibstoffen zu verhindern.

Konkret verlangt die Petition, die von 35 Schweizer Umwelt-, Bauern- und Entwicklungsorganisationen unterstützt wird: „Die Einführung von Zulassungskriterien, welche sozial und ökologisch problematische Agrotreibstoffe generell ausschliessen. In die Kriterien müssen dabei insbesondere die Ernährungssicherung in den Herkunftsländern sowie indirekte Verdrängungseffekte einbezogen werden.“

Damit unterstützt die Petition die Gesetzesvorlage der nationalrätlichen Umweltkommission UREK, welche die Verschärfung der Regelung zur Steuerbefreiung von Agrotreibstoffen vorsieht. Die Vorlage, die sich in der Vernehmlassung befindet, geht auf eine Initiative von SWISSAID-Präsident und Alt-Nationalrat Rudolf Rechsteiner zurück. Laut UREK-Vorschlag muss der Bundesrat Zulassungskriterien einführen, sobald Agrotreibstoffe in die Schweiz importiert werden, die im Herkunftsland zur Vertreibung von Kleinbauern und zu Umweltzerstörung führen. Die Initianten der Petition fordern das Parlament auf, diese Vorlage anzunehmen, betonen jedoch, dass auch die Ernährungssicherheit in den Herkunfts- und Produktionsgebieten bei der Zulassung von Agrotreibstoffen berücksichtigt werden muss. Hier besteht in der Vorlage der UREK noch eine Lücke.

Ein Projekt zur Agrotreibstoff-Produktion in Delémont wurde auf Grund der Proteste von den Betreibern bereits gestoppt. Dort sollte aus brasilianischem Zuckerrohr Benzin produziert werden. In Bad Zurzach hält die Firma Green Bio Fuel an ihren Plänen fest, aus mosambikanischen Jatropha und Raps Dieseltreibstoff zu produzieren. Die Erfahrungen zeigen, dass dies nicht nachhaltig sein kann, und solche Projekte die Ernährungssicherheit vor allem armer Menschen und die Tropenwälder gefährden. Für die Plattform Agrotreibstoffe ist klar, dass auch die Anlage in Bad Zurzach nicht gebaut werden darf.

Weitere Informationen

Petition Agrotreibstoffe

2 Kommentare

  • Gregor v. Drabich

    Die Menschen in der 3. Welt sind auf Zusatzeinkommen angewiesen, um ihre meist kärglichen Subsistenzeinkommen v.a. kurz vor der nächsten Ernte aufzubessern. Dafür sind Cash-Crops sehr wichtig. Crops wie Jatropha können diese Rolle v.a. sehr gut in trockenen Regionen spielen, in denen andere Saaten nur mit sehr grossem Risiko angebaut werden können. Ich empfehle allen, sich de Situation vor Ort anzusehen und mit den Bauern zu sprechen, ehe man wieder einmal neue Markthemmnisse den Menschen v.a. in Afrika in den Weg legt. Land ist dort im Ueberfluss vorhanden, aber keine verlässlichen Märkte. Hier können wir mehr helfen als mit Spenden, die wieder neue Abhängigkeiten schaffen.

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  • Klaus-Martin Meyer

    Bei aller berechtigten Kritik verstehe ich nicht, warum niemand gegen den Anbau von Blumen, Tabak und Tierfutter für die Fleischproduktion protestiert. In diesen Bereichen dürften die Anbauflächen heute schon bzw. noch weit größer sein. Allein Tabak wird auf Millionen von Hektaren angebaut.

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