Rotkehlchen im gepunkteten Jugendkleid. | © Markus Varesvuo
Rotkehlchen im gepunkteten Jugendkleid. | © Markus Varesvuo

Brauchen verlassene Jungvögel unsere Hilfe?

  • Mélanie Guillebeau
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Viele Jungvögel gehen auf Entdeckungstour, noch bevor sie richtig fliegen können. Dies erweckt für den Laien den Anschein, dass der Jungvogel verwaist ist, obwohl er auch abseits des Nestes von seinen Eltern umsorgt wird. Die Schweizerische Vogelwarte empfiehlt daher, Jungvögel dort zu lassen, wo sie sind.

Bei vielen Vogelarten ist die Brutzeit mittlerweile in vollem Gange. Für die Vogeleltern bedeutet dies Hochbetrieb. Die gefrässigen Jünglinge müssen fast pausenlos gefüttert werden, was wiederum wiederholte Ausflüge zur Futtersuche bedingt. Während dieser Zeit sind die jungen Vögel auf sich selbst gestellt und werden von Spaziergängern in scheinbar hilflosem und verlassenem Zustand angetroffen. Benötigen solche allein gelassene Jungvögel unsere Hilfe?

Wohl gemeint, aber oft nicht nötig

Wie die Schweizerische Vogelwarte in einer Medienmitteilung betont, mag die angebotene Hilfe gut gemeint sein, ist aber oft nicht vonnöten. In der Regel steht der vermeintlich verlorene Jungvogel noch immer unter den Fittichen der Altvögel und wird regelmässig gefüttert. Generell gilt also: Hände weg von Jungvögeln!

Dennoch werden jedes Jahr Hunderte anscheinend verwaister Jungvögel von Spaziergängern an die Vogelpflegestation der Schweizerischen Vogelwarte übergeben.

„Zwar geht es den Jungen bei uns gut, und sie können in Ruhe heranwachsen. Wir können ihnen aber nicht alles beibringen, was sie von ihren Eltern lernen würden. Dies könnte sich später negativ auf ihre Überlebenschancen auswirken“, weiss Vreni Mattmann, Tierpflegerin an der Vogelwarte.

Ausnahmefälle

Natürlich gibt es Ausnahmen, in welchen der Jungvögel tatsächlich direkter Gefahr ausgesetzt ist. Zum Beispiel wenn es sich eine junge Amsel mitten auf der Strasse gemütlich macht. In diesem Fall kann man den Jungvogel, auch mit blossen Händen, ins nächstgelegene Gebüsch versetzen, wo sich die Vogeleltern weiter um ihren Ausreisser kümmern können.

Stockenten-"Nestflüchter", die ihre Mutter auf dem Weg zum Wasser verloren haben. | © Marcel Burkhardt
Stockenten sind Nestflüchter und folgen ihrer Mutter schon kurz nach dem Schlüpfen, wenn sie das Nest verlässt. Dabei kann es vorkommen, dass die Jungvögel verloren gehen und auf menschliche Hilfe angewiesen sind. | © Marcel Burkhardt

Beobachtet man, dass der Jungvogel bereits eine Stunde nicht mehr mit Futter versorgt wurde oder er gar Verletzungen aufweist, so sollte man ihn zur nächsten Pflegestation bringen.

Was tun?
Verletzte und kranke Vögel sowie verlassene Jungvögel gehören in die Hände von Fachleuten! Die Schweizerische Vogelwarte Sempach betreibt eine eigene Pflegestation. Diese kann unter Tel. 041 462 97 00 und ohne Voranmeldung (Mo-Fr 8-12 Uhr und 13.30-17 Uhr) erreicht werden; an Wochenenden und Feiertagen ist ein Pikettdienst organisiert.

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