Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind.
Eine von Borkenkäfern befallene Fichtengruppe in Unterstammheim, Kt. Zürich (September 2018). @ Beat Wermelinger, WSL

Borkenkäferbefall verdoppelte sich 2018

  • Redaktion Naturschutz
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Der Borkenkäfer setzt seinen Vormarsch fort. Mit landesweit 735’000 m3 vom Buchdrucker befallenem Fichtenholz war die Holzmenge 2018 mehr als doppelt so gross wie im Vorjahr. Somit ist der höchste Stand seit 2006 erreicht.

In allen Kantonen auf der Alpennordseite nahm die Menge des Käferholzes bis Ende 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Die Werte variierten jedoch stark zwischen den Regionen, wie die Borkenkäfer-Umfrage von „Waldschutz Schweiz“ an der Eidg. Forschungsanstalt WSL zeigt. Die Käfer profitierten vom ausreichend zur Verfügung stehenden Brutmaterial: durch Sturm und Trockenheit geschwächte Fichten. Im Winter 2017/18 hatten mehrere Stürme auf der Alpennordseite zehntausende von Bäumen umgeworfen oder gebrochen, im Frühling stieg dann die Temperatur markant an und im Sommer sorgten schliesslich die anhaltende Regenarmut und Hitze für extrem trockene Verhältnisse. Die WSL berichtet, dass diese Kombination zahlreiche Fichten anfällig für Borkenkäfer machte und diesen Nahrung und Lebensraum im Überfluss bot. Dank der hohen Temperaturen konnte der Buchdrucker in den Tieflagen statt der üblichen zwei sogar drei Generationen anlegen. Die überwinternde Käferpopulation ist dadurch grösser als in früheren Jahren.

Borkenkäfer Befall nimmt wieder zu.
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl neu befallener Fichtengruppen (Befallsherde) in der Schweiz von 1998 – 2018. @ WSL

Besonders aus dem Mittelland, dem Jura und der Ostschweiz meldeten die Forstdienste eine starke Zunahme der Käferholzmengen. Im Extremfall stieg die befallene Holzmenge im Vergleich zum Vorjahr bis um das Zwölffache an. Im Gegensatz dazu blieb der Käferbefall in den Alpen und in der Südschweiz nahezu konstant oder nahm in einzelnen Regionen sogar leicht ab. Die Zahl neu befallener Fichtengruppen (Befallsherde) verdoppelte sich nahezu im Vergleich zum Vorjahr von schweizweit 4’600 auf 9’100.

Ausblick

Sollte das Jahr 2019 erneut sehr warm und trocken werden, dürfte die Befallssituation durch den Buchdrucker (Ips typographus) kritisch bleiben. Auch ohne neue Extremereignisse wie Stürme oder Trockenperioden befinden sich in den Waldbeständen weiterhin zahlreiche geschwächte, bruttaugliche Fichten aus dem Vorjahr. Die Situation dürfte sich nur langsam beruhigen. Dementsprechend ist dem Monitoring und der Bekämpfung des Buchdruckers auch 2019 die nötige Beachtung zu schenken. Vor allem Waldbestände, in denen schon 2018 zahlreiche stehende Fichten von Borkenkäfern befallen wurden, sollten ab April regelmässig beobachtet werden. Dies betrifft vor allem von Sturm heimgesuchte Gebiete, der Sonne ausgesetzte kritische Waldränder und im Vorjahr von Käfern befallene Fichtengruppen.

Um weiterem Borkenkäferbefall vorzubeugen, empfiehlt die WSL, neu befallene Fichten rechtzeitig, also bevor die nächste Käfergeneration ausfliegt, zu fällen und aus dem Wald abzuführen oder zu entrinden.

Festival der Natur

1 Kommentar

  • Bill

    Ein sich veränderndes Klima mit Trockenperioden trifft auf Waldbestände, in welchen Jahrzehnte lang ein falscher Billigwaldbau mit standortfremden Baumarten (Fichte als Gebirgsbaum im Mittelland) betrieben wurde…
    So gewaltsam wie man den Wäldern diesen falschen Waldbau aufgezwungen hat, so gewaltsam holt sich die Natur das zurück was man ihr genommen hat… egal wie stark man ein Pendel anstösst, irgendwann schwingt es mal zurück…
    Natürlich wird heute an vielen Orten ein naturnaher Waldbau betrieben, doch es wird seine Zeit brauchen bis die Fehler aus der Vergangenheit behoben sind… der Wald ist ein träges Ökosystem das sich nur langsam entwickelt…
    Für die Zukunft brauchen wir Wälder mit möglichst vielen einheimischen Baumarten… nach der Selektion eines voranschreitenden Klimawandels und einer globalisierten Welt, werden hoffentlich Baumbestände verbleiben die den Herausforderungen der Zukunft „gewachsen“ sind…

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