© Macroscopic Solutions [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Bodenorganismen sind wichtig für nachhaltigen Ackerbau

  • Roman Vonwil
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Sie gehen gerne vergessen, doch im Ackerbau spielen Bodenlebewesen eine wichtige Rolle. Ein funktionierendes unterirdisches Nahrungsnetz aus Bakterien, Pilzen und Bodentieren kann die Pflanzenernährung verbessern, die landwirtschaftlichen Erträge erhöhen und die Auswaschung von Nährstoffen reduzieren. Eine Agroscope-Studie zeigt, dass sich eine Boden schonende Bewirtschaftung auszahlt. Wird den Organismen im Boden mehr Sorge getragen, können Düngemittel gespart und Gewässer geschont werden.

Bei der nachhaltigen Bewirtschaftung von Ackerflächen übernehmen Bodenorganismen zentrale Funktionen, wie neue Ergebnisse von Franz Bender und Marcel van der Heijden der Forschungsgruppe Pflanzen-Boden-Interaktionen am Agroscope Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften INH zeigen: Während rund zwei Jahren untersuchten sie im Rahmen eines Nationalfondsprojektes die Rolle des Bodenlebens für den Pflanzenertrag, die Pflanzenernährung sowie die Nährstoffauswaschung.

Die Resultate der Studie zeigen, dass Böden mit Zugabe eines vielfältigeren Bodenlebens höhere Erträge erbrachten, eine verbesserte Pflanzenernährung sowie eine deutlich reduzierte Stickstoffauswaschung aufwiesen als steriler Boden mit einer stark reduzierten Zugabe von Bodenlebewesen. Über die gesamte Dauer des Experimentes waren bei erhöhtem Bodenleben die Stickstoffverluste durch Auswaschung um knapp ein Viertel geringer. Dies entspricht einer eingesparten Menge von 59 Kilogramm Stickstoff pro Hektare, rund der Hälfte einer durchschnittlichen jährlichen Düngergabe bei Mais und Weizen.

Die Ergebnisse der untersuchten Fragestellungen zur Nährstoffaufnahme durch Pflanzen und zum Ertrag sowie zur Auswaschung von Düngemitteln im Ackerbau sind für die Praxis relevant. Im globalen Durchschnitt wird nur rund die Hälfte des ausgebrachten Stickstoffdüngers von den Pflanzen aufgenommen, während der Rest im Boden verbleibt. Von dort aus können die Düngemittel in Gewässer gelangen und damit zu Umweltproblemen führen. Die globalen Düngemittelvorräte sind zudem begrenzt: Gemäss Schätzungen werden künftig Qualität und Verfügbarkeit der globalen Phosphatvorräte abnehmen; und die industrielle Produktion von Stickstoffdüngern ist energieaufwendig. Eine effiziente Nutzung von Nährstoffen ist daher für eine nachhaltige Landwirtschaft essentiell.

Aus der existierenden Literatur ist bereits bekannt, dass sowohl Boden schonende Anbauverfahren, die auf intensive Bodenbearbeitung verzichten, als auch ein sparsamer Umgang mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Bodenlebewesen wie zum Beispiel die empfindlichen Mykorrhizapilze fördern können. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass solche Praktiken auch einen wichtigen Beitrag zur effizienten Nutzung von Nährstoffen leisten können.

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