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Bioinvasion über Meere

  • Gavino Strebel
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meerBioinvasion, das Eindringen von invasiven Arten in Ökosysteme, in die sie nicht hingehören, ist ein weltweites Problem, das mittlerweile jedes Land betrifft. Sie führt langfristig zu einer globalen Homogenisierung und damit einer Gefährdung der Ökosysteme. Sind invasive Arten einmal eingewandert, lassen sie sich nur schwer kontrollieren und noch schwerer wieder ausrotten.  Versuche, invasive Arten wieder auszurotten scheiterten bisher an den fehlenden Kenntnissen über die globale Ausbreitungsdynamik der Arten. Eine Forschergruppe der Universität Oldenburg hat sich dieses Problems angenommen.

Invasive Arten werden oft als blinde Passagiere auf Frachtschiffen um die halbe Welt transportiert und gelangen so in fremde Ökosysteme, wo sie beträchtliche Schäden anrichten können. In der  Nordsee leben mittlerweile mehr als 200 hauptsächlich durch Schiffe eingeschleppte Arten. Forscher der Universität Oldenburg haben versucht anhand der Ausbreitung via die Schiffswege mehr über die globale Ausbreitungsdynamik invasiver Arten zu erfahren. Mittels komplexer Computermodelle haben die Forschenden die Routen der Frachtschiffe durch die fünf Weltmeere analysiert und stellten dabei fest, dass der Schiffsverkehr einem mathematischen Muster folgt. Dieses Muster zeigt die Ausmasse der Bedrohung durch invasive Arten auf und macht die Ausbreitung der Organismen quantifizierbar.

Die stetige Intensivierung des  Schiffsverkehr führt zu einer immer grösseren Gefahr der Einschleppung fremder Arten. Man versucht deshalb seit neustem Hochrisiko-Schiffe und -Häfen zu kontrollieren. Bisher scheiterten solche Versuche an fehlenden Kenntnissen über die globale Ausbreitungsdynamik potenziell invasiver Arten. Die Wissenschaftler haben nun diese Kenntnislücke ein Stück weit geschlossen. Seit 2003 werden alle grösseren Schiffe mit Transpondern ausgerüstet, die spezifische Daten wie Standort, Datum und Schiffsidentität an fest installierte Stationen senden. Auf Basis dieser Daten erstellten sie ein Netzwerk der globalen Schiffsbewegungen. Insgesamt beinhaltet der Datensatz etwa 1’000 Häfen, 16’000 Schiffe und 500’000 Schiffsbewegungen; ein komplexes Netzwerk von Verbindungen. Dessen Ausbreitungsmuser sind in der Regel äusserst kompliziert und lassen sich ohne Computersimulation nicht vorhersagen. Die Forschergruppe entwickelt nun ausgehend von diesen Erkenntnissen weitere Modelle zur Simulation von möglichen Invasionsszenarien und zur Berechnung des Risikos von Bioinvasion auf spezifischen Routen und für bestimmte Regionen. Das Ziel ist eine vollständige Bewertung des Risikos einer Bioinvasion anhand der Charakterisierung der Warenflüsse im globalen Handel.

Forum Biodiversität Schweiz

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