Biodiversitätsverlust wegen Seendüngung

  • Manuela Just
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Die Überdüngung der Schweizer Seen hat die Zahl der einheimischen Felchenarten innert kurzer Zeit um fast 40% reduziert. Nur in tiefen und von der übermässigen Nährstoffzufuhr weniger betroffenen Alpenrandseen, wie dem Thuner-, dem Brienzer- oder dem Vierwaldstättersee konnten sich die historisch belegten Arten halten. Doch auch sie sind genetisch gesehen näher zusammengerückt. Das weist eine heute in Nature publizierte Studie der Eawag und der Universität Bern nach.

Die Vielfalt der Felchenarten wurde nicht bloss durch den Verlust an Lebensraum reduziert. Vielmehr wurde das Artensterben zum grossen Teil durch die Vermischung einst eigenständiger Arten verursacht. Dies ist gemäss Eawag auf die Überdüngung der Schweizer Seen zwischen 1950 und 1990 zurückzuführen: Weil in dieser Zeit viele Seen am Grund und im tiefen Wasser kaum noch Sauerstoff enthielten, fehlten Nischen für Spezialisten, die in grösseren Tiefen fressen oder sich fortpflanzen. Diese mussten in seichteres Wasser ausweichen, kreuzten sich dort mit verwandten Arten. So verloren sie innert weniger Generationen ihre genetische und funktionale Einzigartigkeit. Ein Prozess, der auch als „Umkehr der Artentstehung“ bezeichnet wird. Neben dem Arten Rückgang ist die Überdüngung auch dafür verantwortlich, dass sich die Arten weniger verschieden entwickelt haben.

„Offensichtlich ist die Umkehr der Artentstehung deutlich häufiger als bisher angenommen“, sagt Evolutionsbiologe Ole Seehausen, Leiter der Studie. Für den Schutz der Biodiversität heisst es also, nicht nur die bestehenden Arten zu erhalten, sondern auch die ökologischen und evolutionären Prozesse, welche den Spezialisten das Überleben sichern und zur Entstehung neuer Arten beitragen.

Weitere Informationen

www.eawag.ch

Bild: Dako99 (Wikimeida Commons)

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